Martin Biesel
Wem gehören die Hochschulen in Deutschland? Spätestens seitdem der Bundeskanzler die Staatsgründung einer deutschen Harvard Kopie ausruft, muss die Antwort lauten: dem Staat – »VEB Harvard Deutschland« Das ist auch schon der entscheidende Unterschied zu Harvard, Massachusetts. Harvard gehört sich selbst und seinen Kunden, den Studentinnen und Studenten. Der Ordnungsrahmen der Uni der Zukunft ist die Freiheit, die Freiheit der Forschung und Lehre genauso wie die Freiheit über Professoren, Studenten und Gebühren selbst zu entscheiden.
Wer Bildung als Investition in seine persönliche Zukunft sieht, sollte sie nicht dem Staat überlassen. Amerikanische Verhältnisse sind doch Vorbild. Wer kann sich heute in Deutschland eine Alumni-Kultur deutscher Hochschulen vorstellen, in der ehemalige Studenten an ihre Alma Mater spenden, zu »Homecoming« an ihre Uni zurückkehren und ein lebenslanges emotionales Bekenntnis zu ihrer Universität ablegen.
Nicht die amerikanische Hochschulfinanzierung ist unsozial, die deutsche ist es.
Zur Zeit ist die staatliche Hochschulfinanzierung in Deutschland dreifach sozial ungerecht. Erstens gibt es einen sozialen Numerus clausus, weil diejenigen die besten Berufschancen haben, die an teure Privatunis oder ins Ausland gehen. Das können sich die Wenigsten leisten. Zu den Absolventen von Harvard reisen Vorstandsvorsitzende großer deutscher Unternehmen um eine andere Art von Bewerbungsgespräch zu führen: Es wirbt das Unternehmen um die Absolventen. Sozial ungerecht sind auch die schlechteren Berufschancen eines im Durchschnitt 28 Jahre alten Absolventen auf einem internationaler werdenden Arbeitsmarkt. Da ist sein britischer Kommilitone schon vier Jahre im Beruf. Drittens ist die allgemeine Steuerfinanzierung der Hochschulen in Deutschland sozial ungerecht. Der 22jährige Geselle zahlt mit seinen Steuern das Studium des 22jährigen Studenten. Will der Geselle seinen Meister machen, muss er dafür zahlen. Will der Student seinen Magister machen, zahlt auch der Geselle, nicht der Student. Hochschulabsolventen haben immer noch überdurchschnittliche Einkommen im Beruf. Neue Wege der Studienfinanzierung sind nicht sozial ungerecht, sondern es so zu belassen wie es heute ist, ist sozial ungerecht.
Bildung braucht auch die finanzielle Priorität der Politik. Aber grundsätzlich müssen wir uns fragen, ob akademische Bildung ein von allen Steuerzahlern bereitgestelltes Gut sein kann. Deswegen darf die Frage der privaten Studienfinanzierung nicht von vorneherein mit sozialen Tabus belegt sein. Natürlich darf nicht derjenige, der aus finanziellen schlechter gestellten Elternhaus kommt, vom Zugang zur akademischen Bildung ausgeschlossen sein. Zugang zur Hochschule soll nach Leistungsfähigkeit entschieden werden. Aber dieses Problem kann mit geförderten Kreditmodellen aufgefangen werden. McKinsey hat hier interessante Modelle vorgelegt. Bildungsfonds mit einer nachgelagerten, einkommensabhängigen Rückzahlung können außerdem die Finanzierungslücke schließen. Wer später weniger verdient, muß auch weniger zurückzahlen. Heute erhalten nur zwei Prozent ein (Teil)-
Stipendium, BAFÖG unterstützt den Lebensunterhalt, aber nicht bessere Hochschulen und immerhin 66 Prozent der Studenten haben einen studienfremden Nebenjob.
Es ist doch kein Wunder, wenn rund 50 Prozent der Studenten einer philosophischen Fakultät keinen Abschluß machen. Das liegt nicht an den akademischen Ansprüchen, das liegt an den Umständen des Studiums. Bekommt der Student mit Nachfragemacht an den Unis, weil er der
zahlende Kunde ist, muss die Uni Kundenorientierung lernen. Das kann die Hochschullandschaft viel stärker an den Interessen der Studierenden orientiert differenzieren. Wohnort unabhängige Angebote wie auch die verschulten Campus-Unis finden sicher ihre akademische Kundschaft. Der Wettbewerb der Hochschullehrer um die besten Studenten könnte das Lehrangebot attraktiver machen. Da könnte dann das Vorlesungsverzeichnis zur Bewerbungsmappe der Uni werden.
Genauso wie in den USA sollte der Wettbewerb der Hochschulen untereinander zu einem Wettbewerb für die besten Studienbedingungen
führen. Die Hochschulen sollten sich Ihre Studenten aussuchen können
und die Studenten ihre Hochschule. Dieses marktwirtschaftliche Prinzip bringt die Interessen der Studenten und der Unis zusammen.
Martin Biesel - leitender Redakteur von liberal
|




