100 Jahre danach oder Naumanns Aktualität in der Gegenwart
Dr. Jürgen Fröhlich
Der LiberaleErneuerung des Liberalismus
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| DDP-Fraktion in der Deutschen Nationalversammlung |
Friedrich Naumann hatte sich seit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert die inhaltliche und organisatorische Erneuerung des deutschen Liberalismus auf seine Fahnen geschrieben; so veröffentlichte er unter dem Titel "Die Erneuerung des Liberalismus" 1906 eine Artikelserie, die bald auch in Broschürenform als "Ein politischer Weckruf" reißenden Absatz fand. Wichtig ist aus heutiger - liberaler - Sicht nicht so sehr, welche konkreten programmatischen und taktischen Ziele Naumann damals den Liberalen vorgegeben hat.
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| Friedrich Naumann vor dem Rerichstagsgebäude 1919 |
Aktuell ist aber nach wie vor, welchen gesellschaftlichen Stellenwert er dem Liberalismus zugewiesen hat: Er wollte ihn aus seiner besitz- und bildungsbürgerlichen Erstarrung herauslösen, sensibel machen für die Nöte, Sorgen und Wünsche der großen Mehrheit des deutschen Volkes. Das mag manch überzeugtem Wirtschaftsliberalen von heute zunächst befremdlich anmuten. Aber man sollte dabei Naumanns politischen Realitätssinn berücksichtigen, der ihn hatte klar erkennen lassen, dass sich liberale Ziele nur dann erreichen lassen, wenn sie genügend gesellschaftliche Unterstützung finden. Seine Überzeugung, dass Prinzipientreue immer gepaart sein muss mit der Einsicht in politische Möglichkeiten und dass auch der überzeugteste liberale Bürger sich nicht scheuen darf, organisatorische Arbeit zu leisten, ist wohl auch 100 Jahre später nicht überholt.
 | | Flugblatt zum Frauenwahlrecht 1913. |
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 | "Kleine Presse" - Kanditaen bei der Frankfurter Reichstagswahl (rechts oben Friedrich Naumann). |
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 | | Wahlrede 1907. |
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| Wahlkampf in Heilbronn 1907 |
Außerdem kann man am Beispiel von Naumann lernen, dass politische Programme häufig allein nicht ausreichen, um politischen Erfolg zu haben. Fast genauso wichtig ist ein strategisches Konzept dazu, wie man möglichst viel von seinem Programm umsetzen will. In dieser Hinsicht war er allen liberalen Zeitgenossen überlegen, denn mit dem Motto "Von Bassermann bis Bebel", also der Bildung eines großen Reformbündnisses von Freisinnigen, Nationalliberalen und "reformistischen" Sozialdemokraten, hatte er für die politische Konstellation seiner Zeit sowohl eine griffige Formulierung als auch ein zumindest perspektivenreiches Konzept dafür, wie die wilhelminische Politik in seinem Sinne umgestaltet werden konnte.
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August Bebel, Werner Sombart und Friedrich Naumann auf dem Weg zum SPD-Parteitag in Breslau 1895. |
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| Handschriftliche Notizen vom Reichstag. |
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