spanisch
englisch
Veranstaltungen      Stipendien      Virtuelle Akademie      Online-Bibliothek      Publikationen     
Berlin: UN-Menschenrechtspolitik unter der Lupe

Volkmar Deile
Er erinnerte auch an die außerordentlich wichtige Bildungsarbeit, die NGOs zur Verankerung entsprechenden Wissens und zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit für Menschenrechtsfragen leisten. Dass dies eine dauerhaft notwendige Aufgabe sei und das Engagement dabei die Ambitionen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte widerspiegeln müsse, zeige auch die Tatsache, dass in einer Umfrage 69% der Befragten ausgesagt hätten, sie hielten eine weltweite Realisierung der AEMR für ausgeschlossen.

Medien: Wo keine Bilder, da keine Informationen

Marianne Heuwagen
Die Herstellung von Öffentlichkeit und eine dauerhafte Begleitung der Diskussion durch die Medien sind von allerhöchster Wichtigkeit für die Verbesserung der Menschenrechtssituation, weiß auch Marianne Heuwagen, die seit den 1970er Jahren als Radio- und Pressejournalistin u.a. für die ARD und für die Süddeutsche Zeitung gearbeitet und häufig über Menschenrechtsfragen geschrieben hat. Und sie weiß auch, wie schwierig und schmerzhaft es oft ist, wenn Menschenrechtsthemen in den Medien gar nicht oder zu oberflächlich behandelt werden. Die Medien hätten eine moralische Pflicht zur Berichterstattung in diesen Fragen, doch kämen sie dieser Pflicht oft nur unzureichend nach. Problematisch sei, dass heutige Mediennutzung meist auf möglichst spektakuläre Bilder setze. Wo keine Bilder zur Verfügung stehen, werde die Öffentlichkeit auch nicht über Menschenrechtsverletzungen informiert. Die Dauerkrise in Darfur ist hierfür ein ebenso trauriger Beleg wie Burma, wo seit Jahrzehnten durch die herrschende Militärregierung eklatante Menschenrechtsverletzungen begangen worden sind. Als die Bevölkerung in Burma vor einigen Wochen in einem Referendum den Militärs einen Persilschein ausstellen sollte, war dies den internationalen Medien zunächst kaum eine Meldung wert. Erst als der verheerende Sturm Teile des Landes verwüstet und zehntausende Todesopfer gefordert hatte, erwachte das Interesse der Medien an Burma. Die Gefahr einer Überfütterung mit Bildern zu menschrechtsrelevanten Fragen und die Gefahr einer Abstumpfung beim Medienkonsumenten sieht Marianne Heuwagen nicht.

Gerhart Baum: „Wir versagen, nicht die UNO“

Am Beispiel aktueller Krisen wurden im weiteren Verlauf der Veranstaltung die Möglichkeiten und Grenzen einer effektiven UN-Menschenrechtspolitik untersucht. Auf die Frage des Moderators, ob die seit vielen Jahren in der sudanesischen Provinz Darfur wütende Krise, der die Welt ebenso fassungs- wie hilflos zuschaut, die Bankrotterklärung der UN-Menschenrechtspolitik sei, antwortete Gerhart Baum: „Wir versagen, nicht die UNO“. Man habe es nicht mit einem Scheitern der Weltorganisation, sondern vielmehr mit der Unfähigkeit, dem Unwillen und den Partikularinteressen ihrer Mitglieder zu tun. Er erinnerte daran, dass ohne diese Unfähigkeit einige humanitäre Katastrophen hätten verhindert werden können: Ruanda, Srebrenica und andere Orte blieben hier ewige Mahnung.

« zurück mehr »
Druckversion dieses Artikels    diesen Artikel versenden

Rechtliche Hinweise | Impressum