spanisch
englisch
» Lübeck Aktuell

Jenseits alarmierender Schlagzeilen: Israelischer Alltag heute.
Gesprächsrunde anlässlich des 60-jährigen Bestehens des Staates Israel
Kooperationsveranstaltung mit der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, AG Hamburg

Wie sieht das Israel von heute jenseits der alarmierenden Schlagzeilen in unseren Medien aus? Wie gestaltet sich der Alltag der Menschen vor Ort? Im direkten Gespräch mit jungen Israelis wollten wir einen Eindruck von den vielseitigen Lebensrealitäten dieses so umstrittenen und gleichzeitig faszinierenden Landes gewinnen. Bewusst sollte der Blick nicht von den Ereignissen um den Nahost-Konflikt beherrscht werden. Somit entstand am 3. September in der Patriotischen Gesellschaft, Hamburg, eine spannende Gesprächsrunde mit zwei israelischen Gästen sowie einem interessierten Publikum.

Nach der Begrüßung durch Heiko Vosgerau, FNF Regionalbüroleiter Lübeck, sowie durch Heike Grunewald, Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Hamburg, welche als Kooperationspartner bei dieser Veranstaltung fungierte, führte der Moderator und Projektleiter der FNF in Israel, Dr. Fleck, in die Gesprächsrunde ein. Es wurde deutlich gemacht, es solle in erster Linie um subjektive Erfahrungsberichte zweier junger Israelis und deren Alltagserfahrungen und eben nicht um die ausschließliche Fokussierung auf den Palästina Konflikt gehen.

Roni Roei-Rothler, Dr. Hans-Georg Fleck
Nach der Vorstellung der beiden Gäste, Roni Roei-Rothler (Rechtsanwältin) und Patrizio Abramzon (Journalist), begann Frau Roei-Rothler mit ihrer ersten Gesprächsrunde, in welcher sie von ihrem Leben und ihrer beruflichen Tätigkeit in Israel berichtete. Zwar sei dies ein Leben in ständiger Angst; diese müsse aber in den Hintergrund treten, um ein normales Leben führen zu können. Trotz der ständigen Bedrohungen liebe sie ihr Heimatland wie ihr Kind – „you love it, because it´s yours“. Im Anschluss berichtete die Erzählerin von einigen wirtschaftlichen Faktoren, der Beziehung zu Deutschland, historischen Ursprüngen sowie der immer größer werdenden Kluft zwischen Arm und Reich. Sie schloss diese erste Runde mit einigen Berichten über divergierende Geschlechterrollen und der Diskriminierung von Frauen in puncto Scheidung und familiärer Rollenverteilung.

Roni Roei-Rothler, Dr. Hans-Georg Fleck, Patricio Abramzon
Patrizio Abramzon berichtete sodann von seinen persönlichen Erfahrungen als argentinisch-jüdischer-Einwanderer sowie von dem hohen Stellenwert der Immigration in Israel im Allgemeinen. Seine Aussagen liefen auf den prägnanten Satz hinaus: Die Gesellschaft Israels sei geprägt durch Krieg und Einwanderung – er wünsche sich aber natürlich von Ersterem, dass dieser stoppe.
Roei-Rothler erzählte in einer zweiten Runde von der deutsch-israelischen Beziehung bzgl. des Holocaustes und griff auf eigene, familiäre Erfahrungen ihrer Vorfahren zurück.
Abramzon schloss die Runde mit einigen aus seiner Feder stammenden Karikaturen, welche den israelischen und vor allem politischen Alltag heute verdeutlichten.
Insgesamt entstand somit eine eindrucksvolle, persönliche, auch humoristische Erzählrunde, welche den Teilnehmern jenseits aller Schreckensmeldungen den 60-jährigen Staat Israel näher brachte.

Julia Bremer, 4. September 2008, Hamburg
Druckversion dieses Artikels    diesen Artikel versenden ...

Die USA im Präsidentschaftswahljahr – wie geht es weiter nach Vorwahlen und Nominierungsparteitagen?
Kooperationsveranstaltung mit dem Amerikazentrum Hamburg
Die US-Vorwahlen sind seit Juni beendet, und die Präsidentschaftskandidaten stehen schon seitdem de facto fest. Die Party Convention der Demokraten hat vom 24. bis 28. August 2008 stattgefunden, die der Republikaner findet vom 4. bis 8. September 2008 statt. Danach beginnt offiziell der Hauptwahlkampf, der am 4. November 2008 mit dem Wahltag endet.
Der Referent des Abends, Prof. Dr. Michael Pfau von der University of San Diego, Kalifornien, erläuterte zunächst die jüngsten, neuen Entwicklungen im US-Wahlkampf und ihre potenzielle Bedeutung für die nächste Zeit:

Prof. Dr. Michael R. Pfau, Dr. Petra Beckmann-Schulz
Barack Obama hat es, wie auch John McCain, geschafft, Präsidentschaftskandidat zu werden. Doch sind beide in ihrer jeweiligen Partei eher Außenseiter. John McCain ist an sich „zu links“ für die Republikaner. Er hat sich in der Vergangenheit oft als „bipartisan person“ dargestellt, d.h. er hat z. B. Gesetzesvorlagen im Senat gemeinsam mit einem demokartsichen Kollegen vorangebracht. Obama ist der totale Seiteneinsteiger und in keinster Weise so vernetzt in seiner Partei, wie es etwa Hillary Clinton ist. Dazu ist er auch noch nicht lange genug dabei. Dennoch haben beide eine enge Beziehung zur Bevölkerung: John McCain, weil er Vietnam-Veteran ist und bewiesen hat, dass er auch in Gefangenschaft, unter Folter zu seinem Land steht. Obama, weil er konsequent für „Change“ steht.
Der Wahlkampf wird langsam enger und härter: John McCain gab während der Party Convention der Demokraten, recht genau vor bzw. während der Rede von Obama, den Namen seiner Vizepräsidentschaftskandidatin, Sarah Palin, bekannt. Mit dieser präzisen Terminierung konnten er und sein Stab durchaus Obama ein wenig die Schau stehlen.
Sarah Palin, Gouverneurin von Alaska, ist noch recht unbekannt und gilt als eine sehr (wert-)konservative Politikerin. Sie ist strenge Katholikin und hat fünf Kinder. Sie lehnt sowohl Verhütungsmittel wie auch sexuelle Aufklärung ab. Weiterhin ist sie für sexuelle Abstinenz bis zur Ehe. Anfang September wurde bekannt, dass die 17-jährige (unverheiratete) Tochter von Sarah Palin schwanger sei. Obama sagte dazu, man solle dies doch nicht in den Wahlkampf ziehen, schließlich ginge es doch um Kinder. Angeblich soll er noch hinzugesetzt habe, dass seine Mutter auch erst 18 Jahre alt war, als er zur Welt kam (allerdings war sie verheiratetet, was er nicht erwähnte, aber jeder wusste).
Die Konzentration auf die sogenannten „battleground states“ wird mehr und mehr evident.
Prof. Pfau zeigte an einer interaktiven Karte, inwiefern es Staaten gibt, die ganz oder recht fest in demokratischer oder republikanischer Hand sind. Diese Staaten haben faktisch keinen Wahlkampfbesuch: Weder der demokratische noch der republikanische Kandidat kommt. Denn traditionell ist klar, welche Partei dort gewinnen wird.
In den battleground states (auch swing states genannt), ist noch ein (oft kleiner) Teil der Wähler unentschlossen. Um diese Wähler wird gekämpft, weil beide Kandidaten hinsichtlich der prognostizierten Ergebnisse nah beieinander liegen. Dieser Kampf wird erwartungsgemäß mit großer Härte ausgeführt, auch wenn es sich – verdeutlicht am Beispiel Floridas - um kleine Gruppen handelt.

Dr. Petra Beckmann-Schulz
3. September 2008
Druckversion dieses Artikels    diesen Artikel versenden ...

Patenschaftsprogramm – Erfolgsgeschichte der Integration von Zuwanderern?
Eine funktionierende Zivilgesellschaft lebt von Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, denn sie stärken das Gemeinwesen. Inwiefern das auch für die Integration von Zuwanderern gilt, wurde am 18. Juni 2008 in einer Informations- und Diskussionsveranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Hamburg verdeutlicht.
Peter Hilkes, der Landeskoordinator des „Patenprojekts zur Integration jugendlicher und junger erwachsener Zuwanderer in Bayern“, berichtete von dem seit September 2006 existierenden Programm.
Es geht darum, Patinnen und Paten aus allen gesellschaftlichen Schichten und beruflichen Tätigkeitsfeldern für die Begleitung junger Migranten und Migrantinnen im Alltag zu gewinnen: in Freizeit und in Schule, Lehre, Praktikum, Beruf. Die Devise lautet: eine Stunde pro Woche. Mindestens eine Stunde pro Woche verbringen die Paten mit ihren „Patenkindern“; sie unterstützen sie bei den Hausaufgaben, bringen sie zum Sport - und feuern sie bei Wettkämpfen an -, gehen mit ihnen Eis essen oder sind einfach für Gespräche da. Die werden überwiegend auf Deutsch geführt, denn ein wichtiger Aspekt der Integration ist die sprachliche Integration.
Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass sich dieses ehrenamtliche Engagement lohnt, weil die Patinnen und Paten nicht nur die Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit dem deutschen Alltag vertraut machen, sondern auch selbst von der Andersartigkeit und auch den Stärken der Patenkinder erfahren und dies an andere kommunizieren.
Je mehr beide Seiten voneinander wissen, desto besser sind die Voraussetzungen, um einander zu verstehen. In Sibirien ist es ganz normal, eine Angelschnur in einen Bach zu halten, warum sollte man einen „Angelschein“ brauchen? Man kann dort - egal wo - ein Feuer zu machen, um Schaschlik zu grillen oder einen Fisch oder einfach um ein Feuer zu haben. Und überhaupt trifft man sich mit Freunden oft draußen.
Hier setzen Paten an und suchen gemeinsam mit den Jugendlichen und Regionalkoordinatorinnen nach (weiteren) Möglichkeiten der Unterstützung.
Wie kann man Paten gewinnen, Patenkinder identifizieren und diese zueinander bringen? Peter Hilkes und sein Team (sieben Regionalkoordinatorinnen in den sieben bayerischen Bezirken) gehen u. a. in Schulen und sprechen dort mit Lehrern, um potenzielle Patenkinder zu finden. Sie arbeiten mit Bürgermeistern, Pfarrern, Ehrenämtlern in Sportvereinen u. a. zusammen und organisieren Informationsveranstaltungen und –gespräche.
Neben der Sozialisation in den deutschen Alltag soll die Bedeutung von Parallelgesellschaften oder gar Parallelwelten für die Zuwanderer reduziert werden, und Mündigkeit sowie ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass auch sie, die Zuwanderer, Teil der Gesellschaft sind und diese mitgestalten können. Dass dies funktioniert, zeigt die Tatsache, dass ein Teil der jungen Zuwanderer selber schon Verantwortung in Vereinen und Verbänden übernimmt.
Das Instrument der 'individuellen Begleitung' ist neu für die Jugendarbeit. Die Erfahrungen zeigen, dass es nicht nur für die Jugendarbeit ein erfolgreicher Schlüssel für die Integrationspraxis in Deutschland sein kann.

19.6.2008
Dr. Petra Beckmann-Schulz
Druckversion dieses Artikels    diesen Artikel versenden ...

Die Gefährlichkeit rechtsextremer Musik
Vielfalt rechtsextremer Musik überraschte Schweriner Schüler
Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit führte am 24. April gemeinsam mit den Kooperationspartnern „Gutenberg-Schule“ und „Astrid-Lindgren-Schule" mehrere Informationsveranstaltungen zum Thema „Gefährlichkeit rechtsextremer Musik“ durch. Der Leiter des Liberalen Gesprächsforums Mecklenburg-Schwerin, Thomas Heldberg, erklärt dazu:

Aufgrund des immer wieder auftretenden Verteilens von CDs mit rechtsextremen, menschenverachtenden Inhalten auf mecklenburgischen Schulhöfen sowie einem hohen Bekanntheitsgrad rechtsextremistischer Bands und Liedermacher, führte die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (FNF) mehrere Informationsveranstaltungen für die Schüler der Gutenberg-Schule und Astrid-Lindgren-Schule in Schwerin durch. Der Friedrich-Naumann-Stiftung gelang es, dafür den bundesweit bekannten Experten Hans-Joachim Stockschläger zu gewinnen. Die 2007 im Gymnasium „Am Sonnenberg“ in Crivitz begonnene Veranstaltungsreihe wurde damit erfolgreich fortgesetzt.

Die Schüler wurden jahrgangsübergreifend über diese Art der politisch-extremistischen Meinungsmache und deren Wirkung auf bestimmte Personengruppen aufgeklärt. Danach diskutieren sie mit dem Referenten über die gewonnenen Erkenntnisse. Musik ist das Erfolgsrezept für die rechtsextremen Organisationen, ihren Nachwuchs zu rekrutieren und Vorurteile gegenüber dem demokratischen System, Ausländern und anderen Gruppen frühzeitig in den Köpfen der Jugendlichen und Erwachsenen zu verankern. Dabei kommen die unterschiedlichsten Musikstile von Punk bis Techno und HipHop zum Einsatz.

Den Anwesenden wurde mit dieser Veranstaltung ein ‚Werkszeug in die Hand gelegt’, mit dem sie die Absichten rechtsextremistischer Musik erkennen und die Inhalte hinterfragen können. Die Resonanz und Aufmerksamkeit der Schüler war dementsprechend groß. Der Schulleiter Herr Metzler (Lindgren-Schule) und die stellvertretende Schulleiterin Frau Hill (Gutenberg-Schule) bedankten sich für das gute Programm und würden diese gerne wiederholen.

Thomas Heldberg, 24.04.2008
Druckversion dieses Artikels    diesen Artikel versenden ...

Russland nach Parlaments- und Präsidentschaftswahl - Wie gehts weiter?
Schulveranstaltung in der Thomas-Mann-Schule, Lübeck
Bei den Präsidentschaftswahlen am 2. März 2008 errang Dimitri Medwedjew, der von Putin favorisierte Kandidat, klar die absolute Mehrheit. Im Dezember 2007 hatte die Partei „Einiges Russland“ – gegründet zu Putins Unterstützung - bei den Parlamentswahlen 315 von 450 Sitzen erhalten.
Die Frage, wie sich Russland nach den Wahlen – und damit nach acht Jahren Putin´scher Präsidentschaft – weiterentwickeln wird, wurde in der Thomas-Mann-Schule in Lübeck am 8. April 2008 diskutiert. Für die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit kam Peter Hilkes. Er verfolgt seit zwei Jahrzehnten Entwicklungen in Osteuropa und begleitete die Autonomieprozesse im Baltikum, in der Ukraine und in Kasachstan. In Westsibirien führte er in den Neunzigerjahren Befragungen zur Situation der deutschen Minderheit durch. Peter Hilkes gründete und leitet das Netzwerkbüro forumNETUkraine in Berlin. Es ist die Schaltstelle in den deutsch-ukrainischen Beziehungen. Hier werden Informationen vermittelt und Projekte koordiniert.
v.l. Peter Hilkes, Dr. Petra Beckmann-Schulz, Winfried Harz, Susan Wessin, Schüler und Schülerinnen der Thomas-Mann-Schule, Jahrgangsstufe 13
Der Referent erläuterte zunächst Ergebnisse aus den Wahlen, die aktuelle innen- und außenpolitische Situation sowie mögliche zukünftige Optionen. Beide Wahlen führten für Putin zu positiven Ergebnissen. Deshalb spricht alles dafür, dass das „System Putin“ fortgeführt werden kann. Die „Umstände“ der Wahlen (unfaire Wahlkampfbedingungen, Manipulationen, Einschüchterungen der Bevölkerung) zeigen die alte und die neue Situation: Putin führt das Land mit starker Hand, so wie es schon Generalsekretäre und auch Zaren vorher getan hatten. Nun wird sich zeigen, ob das angekündigte „Tandem“ Medwedjew (Präsident ab Mai 2008) und Putin (als zukünftiger Regierungschef) Bestand haben wird, ob es kollegial geführt werden wird, oder ob Medwedjew sich zum tonangebenden Präsidenten entwickeln wird bzw. kann. Putin hat in seinen acht Amtsjahren ein Netz von Abhängigkeiten zusammen mit Clans und Oligarchen geschaffen, das sehr stark ist und nicht ohne weiteres von einem Amtsneuling ausgehebelt werden könnte.
Innenpolitisch und gesellschaftlich sind kaum Veränderungen zu erwarten: Demokratie und Zivilgesellschaft sind in Russland recht schwach ausgeprägt, Veränderungen müssten letztlich durch die politische Klasse angeschoben werden. Außenpolitisch schickte Russland - zuletzt im Rahmen des NATO-Gipfels - zwei Botschaften: Wiederholt wiesen Putin – und auch Medwedjew - darauf hin, dass man es gar nicht schätze, wenn sich an den Grenzen Russlands ein fremdes Verteidigungsbündnis etablieren würde. Andererseits agierte gerade Putin sehr leutselig und forderte die Teilnehmer des Gipfels auf: „Lasst und Freunde sein, Leute.“ Angesichts der enormen Bedeutung der Energie, auch gerade für die Abnehmerstaaten des Westens, wird Russland zukünftig wie auch schon in der Vergangenheit in der Außenpolitik vor allem die „Energiekarte“ (Lieferung, Transportwege) zu seinem Vorteil einsetzen - soweit seine eigene Abhängigkeit vom technologischen Know-how des Westens zur Förderung der Vorkommen dies zulässt.

14.4.2008
Dr. Petra Beckmann-Schulz
Druckversion dieses Artikels    diesen Artikel versenden ...

Russland vor der Präsidentschaftswahl
Perspektiven und Erbe „System Putin“ und „Gelenkte Demokratie“
Am 26. und 27. Februar fand zum Thema „Russland vor der Präsidentschaftswahl. Perspektiven und Erbe ‚System Putin’ und ‚Gelenkte Demokratie’“ eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung in Kiel und Hamburg statt. Als Experte zu Gast bei der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit war Prof. Dr. Gerhard Simon, Universität Köln.
Der Referent erläuterte die Situation in Russland in zwei Annäherungen:
Er stellte die Erfolge der Ära Putin als solche und im internationalen Vergleich dar. Für die Bereiche Wirtschaft und Gesellschaft, Innenpolitik, Außenpolitik legte er anhand diverser Daten und Fakten den wirtschaftlichen Erfolg, die Stabilität und die gewachsene außenpolitische Rolle Russlands dar. Im internationalen Vergleich relativierte sich das Meiste. Beispielhaft sei gesagt, dass Russlands BIP zwar 764 Milliarden Dollar im Jahr 2005 betrug, das Deutschlands sich im selben Jahr auf 2.795 Milliarden Dollar belief. Besonders drastisch und folgenreich zeigt sich die demografische Entwicklung: Die Lebenserwartung in Russland entspricht der von Schwellen- oder Entwicklungsländern. Die der Männer liegt bei 59 (!) Jahren, die der Frauen bei 72. Das Land hat schon seit Jahren eine negative Bevölkerungsentwicklung. Laut Transparency International liegt Russland im Korruptionsindex an 121. Stelle von 163 Staaten. Nach Darstellung von Reporter ohne Grenzen ist Russland nach Kolumbien und dem Irak zurzeit das gefährlichste Land der Welt für Journalisten. Meinungs– und Medienfreiheit sind in Russland schlicht nicht gegeben.
Mit der Kandidatur und jetzt manifest gewordenen zukünftigen Präsidentschaft Dimitri Medwedjews ist für die Zukunft Russlands aus institutioneller Sicht eine Entwicklung nicht so unwahrscheinlich: Nach einer „Tandem-Zeit“, die sicher nicht mehr als zwei Jahre betragen wird, zieht sich Putin tatsächlich von der Führung der Politik zurück. Denn Medwedjew ist russischer Präsident; es gab nie und zu keiner Zeit „eine Doppelspitze“ in der Führung des Landes. Putins Schachzüge, die Empfehlung Medwedjews und die eigene Bereitschaft Ministerpräsident unter ihm zu werden, zeigt, dass er „das System“ erhalten, nicht seine individuelle Präsidentschaft oder Vorherrschaft retten wolle.
Sollte es in Russland eine Veränderung in Richtung einer Pluralisierung, Stärkung der Opposition etc. geben, könne die Initiative nur aus dem Kreml selber kommen, da die außerparlamentarischen Kräfte mittlerweile zu klein und zu bedeutungslos seien. Es bleibe abzuwarten, wie Medwedjew das Amt ausfüllen werde; all seine Vorgänger, eingeschlossen Generalsekretäre und Zaren, haben dem „Land ihren Stempel aufgedrückt“. Aber auch Veränderungen habe es gegeben.
Druckversion dieses Artikels    diesen Artikel versenden ...

Präsidentschaftskandidaten in den USA - wer wird der nächste US-Präsident?
Wahlkampf in den USA? Wahlkampf in den USA!
Präsidentschaftskandidaten in den USA führten immer schon Wahlkampf, bevor das eigentliche Wahljahr im Januar mit den ersten Vorwahlen in Iowa begonnen hatte. Doch für die Präsidentschaftswahl 2008 hatten schon im Frühjahr 2007 so viele Personen - in beiden Parteien – ihre Kandidatur angekündigt wie noch nie zuvor. 2008 wird definitiv ungewöhnlich werden, u. a. weil zum ersten Mal eine Frau und ein Afro-Amerikaner und ein Mormone zur Wahl antreten. Außerdem wird der erste neue Präsident nach 9/11 gewählt werden; diese Hypothek und die Suche nach einer Lösung im Irak , der sich alle Kandidaten stellen müssen, lenken die Aufmerksamkeit schon jetzt auf die kommende Wahl.

Über 60 Teilnehmer diskutierten mit Prof. Dr. Michael Pfau aus San Diego, Kalifornien. Der Referent ist gebürtiger Deutscher, lebt seit 27 in den USA und lehrt seit 18 Jahren Politikwissenschaft an der University of San Diego. Das Publikum nutzte die Möglichkeit, mit einem Experten zu sprechen, der sowohl die US-Sicht als auch die deutsche Sicht auf die US-Politik kennt.

Als derzeit sehr aussichtreiche Kandidaten gelten: Hillary Clinton, Barack Obama, John Edwards und Bill Richardson (alle Demokraten) sowie Rudolph Guiliani, John McCain und Mitt Romney (alle Republikaner). Jeder Kandidat bringt Pluspunkte mit, die ihm/ihr nützen können und jeder auch Handicaps. Hillary Clinton etwa wird von ihrer Partei und deren Anhängern überwiegend geschätzt und hätte gute Chancen, den Vorwahlkampf erfolgreich zu bestehen; doch in der Bevölkerung generell bestehen große Vorbehalte gegen sie. Rudolph Guiliani wird insbesondere aufgrund seiner liberalen Haltung gegenüber der Abtreibungsfrage von seiner Partei und ihren Mitgliedern skeptisch betrachtet, doch wenn er die Vorwahlen gewänne, hätte er sehr gute Chancen, sich auch im Hauptwahlkampf durchzusetzen, weil er sich mit seiner „Zero Tolerance“-Devise gegenüber Kriminalität und gerade nach „9/11“ als Bürgermeister von New York große Meriten erworben hat. Vergleichbares kann man über die anderen Kandidaten sagen.

Die „Frontrunner“ verfügen überwiegend über gut gefüllte Wahlkampfkassen, die sie schon jetzt, aber vor allem im nächsten Jahr brauchen werden. Man schätzt, dass ein Kandidat mindestens 500 Mio. US Dollar aufbringen muss, allein um über den Vorwahlkampf zu kommen.

Bei den Wahlkampfthemen spielen besonders die illegale Immigration, die Frage einer Reform der Krankenversicherung und schließlich der Irakkrieg eine Rolle. Zum Irakkrieg etwa brachte Pfau u. a. vor, dass viele Familie entweder selber Mitglieder haben, die im Irak gefallen sind oder verwundet wurden oder andere Familie kennen, bei denen dies so ist. Prof. Pfau selber hat mittlerweile dreimal in seinen Seminaren Schweigeminuten für gefallene Reserveoffiziere eingelegt, die bei ihm studiert hatten. Gerade diese First hand-Informationen verdeutlichten die Bedeutung des Themas Irak als Wahlkampfthema.

2008, wenn das offizielle Wahljahr beginnt, müssen alle Kandidaten zunächst die Vorwahlen, getrennt nach Bundesstaaten und Parteien durchlaufen (Januar – Juni). Der Kandidat, der dann die meisten Stimmen gewonnen hat, wird auf dem Nominierungskonvent seiner Partei im Hochsommer offiziell zum Präsidentschaftskandidaten ernannt; der sich anschließende Hauptwahlkampf zwischen den Bewerbern endet im November 2008 mit der Wahl des US-Präsidenten.

Wer der nächste US-Präsident nun werden wird, konnte naturgemäß nicht festgestellt werden, doch Kandidaten, ihre Chancen, Wahlkampffinanzierung und Etappen des Wahljahres wurden eingehend diskutiert.
Druckversion dieses Artikels    diesen Artikel versenden ...

Kultur im Kreis
H.J.Otto,H.R.Kunze,
Veronika Kolb, Michael Roick
Zu ungewöhnlicher Zeit an ungewöhnlichem Ort: Das Regionalbüro Lübeck hatte zum Thema "Kultur im Kreis" -Die Bedeutung der Kultur in ländlichen Regionen- an einem Sonntag um 11 Uhr in das Forum des Kreishauses nach Heide eingeladen.
Hans-Joachim Otto, MdB
Der Vorsitzende des Kulturausschusses im Deutschen Bundestag,
Hans-Jochaim Otto, betonte in seiner Eingangsrede, wie wichtig Investitionen in Kultur sind, schon beginnend in der Schule, wo z. B. der Musikunterricht von zentraler Bedeutung für Kinder sei. Seine Hauptkritik richtete sich gegen den hohen Stundenausfall in den Fächern Kunst und Musik und in die zu geringe finanzielle Unterstützung, hier im Besonderen auch der Länder.
Dr. Klug, H.R.Kunze,
Eva Albers,Ilona Kneißler
In einer anschließenden Podiumsrunde wurde dann die regionale Bedeutung kultureller Aktivitäten diskutiert. Teilnehmer waren hier der Kreispräsident des Kreises Dithmarschen Karsten Peters, der bildungspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion Dr. Ekkehard Klug,
Eva Albers, Sprecherin aller ehremamtlichen Beiräte in Schleswig-Holstein
(240 Personen) des Schleswig-Holstein Muskfestivals, Rainer Klose, Vorsitzender des Vereins Kultur im Kreis und Dr. Hennings Ibs, Vorsitzender des Schul- und Kulturausschusses im Kreis Dithmarschen.
Auch nahm an der Podiumsrunde der bekannte Musiker Heinz-Rudolf
Wolfgang Stute - Heinz-Rudolf Kunze
Kunze teil, der mit einem phantastischem Konzert die Veranstaltung abrundete und die ca. 200 Besucher begeisterte.
Druckversion dieses Artikels    diesen Artikel versenden ...

Politik auf Abwegen? Abwegige Kleinkunst?
Manfred Richter - Wolfgang Weiß
"Berufspolitiker und Kabarettist - (wie) geht das überhaupt?"
Manfred Richter, Oberbürgermeister a. D. und ehemaliger Bundestagsabgeordneter begeisterte mit seinem Partner Prof. Dr. Wolfgang Weiß, Kabarettist aus dem Bremerhavener Ensemble "Die Müllfischer" die zahlreich erschienenen Gäste in Rostock.
Die ungewöhnliche Mischung aus ernsthafter politischer Arbeit und zeitgleich sartirisch/kararettistischer Betrachtung des Politikbereiches wirft einige Fragen auf und diese wurden in einem Werkstattgespräch aufgearbeitet.
Manfred Richter
Zunächst stellt Manfred Richter in dem Video "Im Wasserwerk nachts um halb eins" die Historie der "Wasserwerker" vor. Er selbst hat diese Kabarettgruppe des Deutschen Bundestages ins Leben gerufen.
Neben den launigen Gesprächsblocks trugen Manfred Richter und Wolfgang Weiß herrliche Songs wie "Parlamentsreform, Die Große Koalition, Dem Richard seine Frau hat SPD gewählt oder auch Abschied eines unbekannten Hinterbänklers vor und bescherten den Gästen einen kurzweiligen Abend, der durchaus Einblick in politisches Wirken vermittelte. Es war ein interessanter Abend voller Einblicke auch in die reale Welt der Kleinkunst
Heiteres Publikum
und Kostproben des kabarrettistischen Schaffens von Manfred Richter.
Druckversion dieses Artikels    diesen Artikel versenden ...

Überfordert frühkindliche Bildung unsere Kinder?
Gerrit Koch - Prof. Dr. Arnold
Prof. Dr. Arnold berichtet, dass laut offizieller Statistik 15% der Lübecker Kinder nicht einschulungsfähig sind, die inoffizielle Statistik (Angaben durch Lehrer) nennt allerdings 20%.
Die Ursachen hierfür sind vielfältig, z. B.:
• Steigende Arbeitslosigkeit
• Fehlende Großfamilien
• Medienverwahrlosung
• Verlust von Solidarität
Eine weitere Ursache beschreibt Prof. Arnold im demographischen Wandel. Gebildete und gut verdienende Paare haben immer seltener Kinder, die deutsche Durchschnittsfamilie hat nach neuesten Angaben nur mehr 1,0 Kinder. Migranten haben in der Regel 3-11 Kinder.
Chancen in der Gesellschaft haben heute nur Menschen mit guter Bildung, es gibt kaum Arbeitsplätze für wenig Qualifizierte.
Die Frage, welche Methode am wirksamsten positive Auswirkungen auf die Zukunft haben, beantwortet er klar mit: Frühkindliche Bildung.
Ausführung zur Betrachtung des menschlichen Gehirns:
Ein Gehirn wiegt bei der Geburt 400g, bei einem Erwachsenen 1500g.
Beginnend mit der Geburt sind Signale an das kindliche Gehirn von höchster Bedeutung. Die Informationsdichte für die Nervenzellen, also ankommende Signale sind wichtig. Das Gehirn hat 1:10 Millionen Verschaltungen, die diese Signale aufnehmen und verarbeiten und so ist die frühe Prägung, das Geben von Signalen verantwortlich für die Ausbildung des Gehirns. Als Zeitfenster von höchster Bedeutung nennt Prof. Arnold die ersten 5 Lebensjahre.
Die ersten 3 Lebensmonate sind prägend für den Aufbau von Beziehungen und Emotionen, daher sind positive Zuwendungen wichtig, z.B. sprechen, ansehen, singen, berühren unerlässlich.
Spiegelneuronen (Nervenzellen) lösen beim Kind aus, Dinge nachzumachen.
Kinder sind lernsüchtig, insbesondere in den ersten 5 Lebensjahren. So wäre es wichtig, in den Lebensjahren bis 5 das Kind z. B. eine oder auch zwei Fremdsprachen erlernen zu lassen, das geschieht spielend.
Dazu gibt Prof. Arnold den Hinweis, dass das kindliche Gehirn nicht überfordert werden kann und ein altergemäßes Angebot in der Wachphase immer gewollt ist
Synapsen sind dann die Verbindungsstellen, wo von einer auf die andere Nervenzelle geschaltet wird. In der Praxis heißt das, Aufgenommenes wird vom kindlichen Gehirn im Schlaf verarbeitet. Dies geschieht allerdings nicht, wenn nach einem Lern- bzw. Aufnahmeprozess das Kind vor den Fernseher oder eine Spielekonsole gesetzt wird. Dann gehen empfangene Signale nachweislich verloren.
Dieses Verhalten zeigt sich sehr häufig in der so genannten „Unterschicht“ und so haben die Kinder i schwierigere Voraussetzungen bei der Einschulung.
Was also kann Gesellschaft und Politik tun?
Der Schlüssel zur Chancengleichheit heißt Frühkindliche Bildung.

• Stellenwert der frühkindlichen Bildung erhöhen
• Mehr Investition in frühkindliche Bildung
• Kostenfreie Krippen- und Kindergartenplätze
• Bessere personelle Ausstattung

Fachkundiges Publikum
Prof. Arnold schließt seinen Vortrag mit dem Hinweis, dass frühkindliche Bildung Kindern nicht schadet, im Gegenteil: Wenn der Staat heute einen Euro in frühkindliche Bildung investiert, spart er später 5-7 Euro.
Druckversion dieses Artikels    diesen Artikel versenden ...

Demokratie und Lobbying
Dr. W.-D. Zumpfort
Der Referent, Dr. Wolf-Dieter Zumpfort, hat seinen Vortrag in 3 Gliederungen vorgenommen:
- Lobbying und Public Affairs
- Lobbying und Demokratie
- Internationales Lobbying am Beispiel seines Unternehmens
Im ersten Bereich erläutert er den Begriff Public Affairs, bestehend aus Lobbying und Public Relations. Lobbying, so der Referent, sei die Interessenvertretung gegenüber politischen Entscheidungsträgern. Public Relations das Management von Kommunikation für Organisationen, Personen oder Produkten in und mit der Öffentlichkeit. Er stellt sehr ausführlich die internen und auch externen Kommunikationswege dar. Ebenso beschreibt er, wer die Akteure auf diesem Feld sind, Unternehmen, Verbände, Organisationen und Agenturen und welches die Tätigkeiten sind.
links: Aufnahmeteam des WDR
rechts: Dr. Zumpfort
Der Unterschied zwischen Fimenlobbyisten und Agenturlobbying wird dargestellt. Weiter stellt Herr Dr. Zumpfort den Kern der Tätigkeit eines Lobbyisten dar und auch die Merkmale der Tätigkeit. Die unerläßlichen Informations- und Kommunikationsstrukturen werden ebenso dargestellt.
Der Handlungsrahemn für Politik und Wirtschaft wird als zunehmend dargestellt, bedingt durch strukturelle Veränderungen in der Welt:
Globalisierung, Klimawandel, Pandemien, Terrorismus und Energieknappheit.Weiter beschreibt der Referent die öffentliche Wahrnehmung der Lobbyisten, den rechtlichen Rahmen des Lobbying und Verhaltenregeln für Politiker, Beamte, Verbände, Berater und Lobbyisten
Mitte: Bundesjustizminister a.D.
Prof.Dr. E.Schmidt-Jortzig
Abschließend stellt er das internationale Lobbying am Beispiel seines Unternehmens der TUI AG dar. Demokratie und Lobbying - Präsentation
Druckversion dieses Artikels    diesen Artikel versenden ...

Was verlangt die Wirklichkeit von Unseren Schulen?
Finn Brandt - Dr. F. Vosshage- Gerrit Koch
Immer wieder müssen sich unsere Schulen auf den Prüfstand stellen, ob sie den Anforderungen der „wirklichen“ Welt, d.h. des Lebens außerhalb der Schulgebäude gerecht werden.
Unter der Moderation von Gerrit Koch wurde dieses Thema diskutiert.
Finn Brandt, der am Berufsbildungszentrum Dithmarschen beruflich tätig ist, schilderte anschaulich und deutlich die widrigen Rahmenbedingungen, unter denen Berufsschullehrer in Schleswig-Holstein arbeiten müssen: „Management-Lehrbücher, die aus dem Antiquariat stammen, bringen unsere Schüler nicht voran.“ Die Schülerklientel an der Berufsschule erstrecke sich vom Hauptschüler bis zum Studenten. Die daraus resultierenden Bildungsniveau-Unterschiede müssen unter einen Hut gebracht werden. „Wir dürfen uns aber keineswegs am Mittelmaß ausrichten.“ Dabei stelle die Integration von Schülern mit Migrationshintergrund kein besonderes Problem dar, solange es um Fachwissen gehe.
Dr. Frauke Vosshage zeichnete ein sehr differenziertes Bild der Schüler, insbesondere am Gymnasium. Die Studiendirektorin wies auf Schwächen in Kernfächern wie z.B. Deutsch hin, die auch bei Schülern des 11. Jahrgangs keine Seltenheit seien, bei Jungen deutlich ausgeprägter als bei Mädchen. Vielfach sitzen schwache Schüler dieses Problem jedoch aus, wobei auch gelegentlich Lehrer dem Vorschub leisten, wenn sie sich zum Beispiel nicht „trauen“, die schwachen Leistungen ehrlich zu bewerten.
Zugleich führte sie Beispiele auf, die belegen, dass Schüler durchaus bereit sind, mehr als das unbedingt Nötige zu leisten, wenn sie gefordert und ihnen Angebote gemacht werden. So nehmen Schüler freiwillig den zeitweisen Schulbesuch in Frankreich auf sich, um sich durch ein deutsch-französisches Abitur zusätzlich zu qualifizieren. Durch das enorme Engagement der Schüler, aber auch Lehrer war es am Burckhardt-Gymnasium möglich den Titel als UNESCO-Schule zu erwerben. Die damit verbundene Arbeit fördert das Verantwortungsbewusstsein der Schülerinnen und Schüler, so die Referentin.
Auch Finn Brandt unterstrich, dass junge Menschen in großem Maße leistungsbereit sind. Immer wieder begegnen ihm aber Leistungsvermeidungsstrategien in der Gesellschaft. Strikt lehne er die Gleichmacherei ab, indem ausländische Bildungssysteme einfach auf das deutsche kopiert werden sollen. So simpel sei die Lösung nicht. Einer seiner Grundgedanken: Wer Qualität will, muss auch investieren. Jeder Unternehmer stelle genügende Mitarbeiter ein, um erfolgreich die Arbeit zu bewältigen. In Schleswig-Holstein müssen viel zu wenig Lehrkräfte 100% Leistung erbringen.
Eine Stimme aus dem Publikum brach für die Schüler eine Lanze. Die Lehrpläne seien immer weiter ausgeufert. Jedem einzelnen Pädagogen sei es überlassen, Schwerpunkte zu setzen. Ob diese „wirklichkeitsrelevant“ seien, sei dann nicht immer ohne Zweifel. Ein anderer Teilnehmer forderte mehr Visionen für die Flexibilität des Lehrerberufes, Lehrer haben nie in die berufliche Realität hineingesehen, ihnen fehlen Praktika.
Ein Schüler aus dem 11. Jahrgang eines Gymnasiums bestätigte, dass auch an seiner Schule große Niveauunterschiede innerhalb einer Klasse herrschen würden. Allzu oft würde der Unterricht dann am unteren Niveau ausgerichtet. Wichtig ist, so ein weiterer Teilnehmer, immer noch eine intakte Familie. Wer zuhause nicht zu Fleiß, Neugier und Disziplin, aber auch Verantwortung für den anderen erzogen würde, der werde es auch in der Schule schwerer haben.
Zum Schluss des Abends konnte auch die aktuelle Entscheidung des Schleswig-Holsteinischen Landtages zur Einführung von Regionalschulen und Gemeinschaftsschulen nicht unangesprochen bleiben: „Die Zusammenfassung von Schulen ist die Vernebelung des Nichtkönnens.“ und „Es ist richtig, dass man nach Abschaffung von Hauptschulen keine Probleme mehr mit diesen hat.
Prof. Arnold berichtete von einer Schule, die mit den Eltern Verträge abgeschlossen hat, deren Erfüllung zugesagt werden musste, hier im Einzelnen: Pünktliches Erscheinen, Umgangsformen, Lernbereitschaft,
Soziales Verhalten u. v. mehr. Über einen solchen Weg sollte intensiver nachgedacht werden.
Nach über 2,5 Std. lebhafter Diskussion schloß der Forenleiter die Veranstaltung.
Druckversion dieses Artikels    diesen Artikel versenden ...

Lateinamerika- Der vergessene Kontinent? Perspektiven für Deutschland und Lateinamerika im Zeitalter der Globalisierung.
Referenten der Konferenz
Dr. W.-D. Zumpfort
Am 6.Dezember 2006 begrüßte der stellvertretende Vorsitzende der Friedrich-Naumann-Stiftung, Dr. Wolf-Dieter Zumpfort, zahlreiche in- und ausländische Gäste zur internationalen Konferenz im Übersee - Club in Hamburg.
Aus zahlreichen Vorträgen und Rundtischdiskussionen konnte am Ende der Konferenz folgendes Resumee gezogen werden.
Vergessen sei Lateinamerika zwar keineswegs, aber durch gravierende Ereignisse in anderen Regionen an den Rand des Blickfeldes der deutschen Öffentlichkeit gerutscht, hierin waren sich Experten und Teilnehmer der Konferenz einig. Organisiert wurde die im Übersee-Club Hamburg durchgeführte Veranstaltung von der Friedrich-Naumann-Stiftung in Kooperation mit dem GIGA-Institut für Iberoamerika-Kunde und dem Ibero-Amerika-Verein.

Dr. W. Gerhardt
Wenn Deutschland, wenn Europa die Entwicklungen in dieser menschen- und rohstoffreichen Weltregion nicht vollständig verschlafen wolle, müsse das Augenmerk dringend wieder auf den Subkontinent, seine Regionen und Länder gelenkt werden, so der Tenor der Ausführungen von Dr. Wolfgang Gerhardt, Vorstandsvorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung.

Europa setzt auf biregionale Kooperation und wartet darauf, dass sich in der Region zukunftsfähige wirtschaftliche Zusammenschlüsse bilden, die sich als Partner für Handelsabkommen eignen. Über die WTO müssten jene Divergenzen geklärt werden, durch die hoffnungsvoll gestartete, wirtschaftliche Integrationsprozesse wie die Gemeinschaft der Andenstaaten und der MERCOSUR immer wieder ins Stocken geraten. Zur gleichen Zeit bemühen sich jedoch andere Länder wie z.B. China oder die USA um bilaterale Handelsabkommen. „Wartet Europa zu lange, wird der Zug in diesem Wettbewerb bald abgefahren sein“, so fasste der außenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, MdB Dr. Werner Hoyer die Befürchtungen zusammen.

li:C.G.Schmitt re. D. Fernandez
Über die Notwendigkeit, sich auch auf politischer und wirtschaftspolitischer Ebene wieder intensiver um Lateinamerika zu kümmern, könnten und dürften die seit Jahren erstmals wieder gestiegenen deutschen Direktinvestitionen und Re-Investitionen deutscher Niederlassungen in Lateinamerika nicht hinwegtäuschen, führte Peter Rösler, stv. Geschäftsführer des Ibero-Amerika-Vereins, aus. Dem schloss sich Daniel Fernández, Senior Vice President der Siemens AG, an. Die Investoren (oder die wachsenden Investitionen) zeigten zwar zunehmendes Vertrauen in die lateinamerikanischen Wirtschaften. Sie hätten sich gegenüber politischen Ereignissen, wie den Wahlen populistischer Regierungen in mehreren Ländern, oder gegenüber globalisierungsfeindlicher Rhetorik z.B. des venezolanischen Präsidenten, als zunehmend robust erwiesen. Maßnahmen, die zu freieren Märkten und „Good Governance“ führten, seien jedoch nach wie vor wichtig, um positive Entwicklungen zu unterstützen bzw. bestehende Hemmnisse abzubauen.

re. Dr. Jorge Briz
Deutlich wurde aber auch das Interesse der lateinamerikanischen Länder an einem intensiveren Austausch mit Europa, mit dem man sich aufgrund der kulturellen, religiösen, geschichtlichen und nicht zuletzt auch sprachlichen Nähe besonders verbunden fühlt. Dies brachten sowohl der ehemalige argentinische Wirtschaftsminister Domingo Cavallo als auch der frühere Außenminister Guatemalas, Jorge Briz, in ihren Beiträgen zum Ausdruck.

Prof. Dr. Bodemer
Neben Freihandels- bzw. Assoziierungsabkommen drängen sich weitere Felder für eine erneute engere Kooperation auf: So wurden neben Sicherheits- und Rechtsstaatsentwicklung in Lateinamerika ebenso wie die Notwendigkeit der Drogenbekämpfung auf beiden Seiten des Atlantiks näher beleuchtet. Auch die Migration innerhalb des amerikanischen Kontinents und nach Europa wurde als ein weiteres wichtiges Thema identifiziert. Prof. Dr. Klaus Bodemer, Direktor des GIGA-Institutes für Iberoamerika-Kunde, gab in seinem Resümee der Hoffnung auf Fortsetzung des Dialogs zwischen Deutschland und Lateinamerika Ausdruck. Der hochkarätig besetzte Kongress sei ein idealer Platz für einen solchen Austausch gewesen: „Damit Lateinamerika nicht doch noch zum vergessenen Kontinent wird.“
Druckversion dieses Artikels    diesen Artikel versenden ...

Vielfalt respektieren, Ausgrenzung widerstehen – Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung in Kindertageseinrichtungen
Petra Wagner
„Alle Menschen haben dieselben Grundbedürfnisse –nach Liebe und Anerkennung, Können und Verstehen, Bindung und Freiheit… Und gleichzeitig sind wir alle anders, haben unterschiedliche Eigenschaften, Stärken und Schwächen. Hirnforscher erklären das aus der Tatsache, dass sich unser Gehirn erst nach der Geburt durch Eindrücke über unsere Sinne zu Ende entwickelt – durch Informationen aus unserer Umgebung, durch Erlebnisse und Erfahrungen und durch Kommunikation“ so die Lehrbeauftragte für Grundschulpädagogik und Autorin Fee Czisch.

Genau diese Inhalte führte sehr detailliert Diplom-Päd. Petra Wagner , Leiterin des Projektes Kinderwelten in Berlin, aus.
Bereits im frühkindlichen Bereich gilt es Vielfalt zu respektieren und Ausgrenzungen zu widerstehen, so die Referentin und deshalb sei eine vorurteilsfreie Bildung und Erziehung schon in Kindertageseinrichtung von höchster Bedeutung. Das Ziel muss es sein, Kinder unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft darin zu unterstützen, als eigenverantwortliche und gemeinschaftsfähige Persönlichkeiten ihre Lebenswelt zu verstehen und zu gestalten. Bildung, so Petra Wagner, ist ein aktiver, sozialer und sinnlicher Aneignungsprozess, in dem sich der Mensch ein Bild von der Welt macht und das machen insbesondere Kinder. Bildung als kultureller Prozess reflektiert die gesellschaftliche Bedeutung von Gleichheit und gleichzeitig Unterschieden, wie schon z. B. männlich oder weiblich.
Alle Kinder haben ein Recht auf Bildung, leben aber oft in sehr unterschiedlichen Lebensverhältnissen und haben sehr unterschiedliche Voraussetzungen und Möglichkeiten.
Interessiertes Publikum
Frau Wagner nennt das Beispiel eines 4-jährigen: Der eine kann 12 unterschiedliche Fischsorten aufzählen, der andere lernt gerade das Wort Fisch zu sprechen. Dies beruht allein darin, dass die Lebensumstände des Letzteren es nicht zulassen, Vielfalt kennen zu lernen. In Deutschland, so die Referentin, ist es weniger als in anderen Ländern möglich, über Bildungseinrichtungen einen besseren Status zu erhalten. Die Herausforderung an Bildungseinrichtungen und an die Kompetenz pädagogischer Kräfte besteht darin, immer wieder zu hinterfragen: Wie kann man Unterschiede berücksichtigen und zum Thema machen, ohne Kinder und ihre Familien zu stigmatisieren.
Für das im Jahre 200 gestartete Projekt Kinderwelten gilt: „Alle Kinder sind gleich, jedes Kind ist besonders.“
Grundlage des Projektes ist der Anti-Bias-Ansatz.
Anti = gegen Bias = Einseitigkeit
Übersetzt als vorurteilsbewusste Erziehung
Entwickelt von Louise Derman-Sparks. Der Anti-Bias –Ansatz fordert dazu auf, die Spannung zwischen dem Respektieren von Unterschieden und dem Nicht-Akzeptieren von Vorstellungen und Handlungen, die „unfair“ sind, kreativ auszutragen. Jeder muss sich immer wieder klar machen: Ich habe Vorurteile und was bewirken sie. Insbesondere bei Autoritätspersonen, Lehrer, Erzieher, Kindergärtnerinnen gilt: Wenn ich Vorurteile habe und diese nicht reflektiere, kann es passieren, dass ich zum Nachteil von Kindern wirke. Es müssen also Identitäts- und Bezugsgruppen gestärkt werden, jedes Kind muss in seinem Selbstvertrauen gestärkt werden, in dem ihm vermittelt wird: Du bist ein Mitglied der sozialen Bezugsgruppe und wirst so wie du bist geschätzt.
Das Widerspiegeln von Verschiedenheit sollte in KiTa`s nicht in Symbolen, sondern durch Fotos dargestellt werden, z. B. Name und Bild auf dem Zahnputzbecher.
In Wandbildern sollten sich verschiedene Hautfarben und Kleidungen entsprechend der Herkunft zeigen. Spielzeuge sollten selbst gefertigt werden, z. B. Bilder oder Abdrücke von Händen; zeigt jedem Kind: „Du bist da“. Das, so Petra Wagner ist von hoher Bedeutung, Kinder lernen Vielfalt nicht automatisch, diese muss exemplarisch zum Thema gemacht werden, so wird auch der Wortschatz erweitert und hilft Vielfalt zu beschreiben.
Petra Wagner
Die Referentin stellt in zahlreichen Bildern und Beispielen dar, wie es möglich sein kann vorurteilsbewusst zu erziehen und zu bilden.

Veronika Kolb
Druckversion dieses Artikels    diesen Artikel versenden ...

Putins Demokratur
Veronika Kolb - Boris Reitschuster
Boris Reitschuster, seit 1999 Leiter des Focus-Büro in Moskau lebt seit 16 Jahren in Russland.
In einem sehr lebhaften Vortrag, aus dem sehr deutlich die Liebe zu den Menschen Russlands und deren Mentalität hervorkam, schilderte er jedoch in einer sehr klaren Analyse viele Missstände in einem Land, dass sich nach außen demokratisch gibt.
Menschen, die in Russland nicht mehr zu Wort kommen, bitten zwischenzeitlich Journalisten
im Ausland über Zustände bzw. Missstände zu berichten.
Er macht sehr deutlich, dass in russischen Medien, insbesondere im Fernsehen in immer wiederkehrenden Berichterstattungen dargestellt wird Russland sei von Feinden umgeben,
Georgien, die Ukraine, baltische Staaten und vor allem Amerika. Diese Darstellungen führen dazu, dass z. B. früher sehr beliebte georgische Produkte wie Wein u. A. aus den Supermärkten verschwinden. Es gibt keine Nachfrage, Produkte aus feindlichen Regionen werden nicht konsumiert.
vorne rechts: Herr Naumann, Frau Naumann, Herr Tychsen
Sehr aufmerksam verfolgten die 41 Zuhörer seine Ausführungen, als er über die so genannte „Datschenkooperative am See“ berichtet. Diese Kooperative ist das Who is Who des heutigen Russland und in St. Petersburg zentriert. Von hier geht die Macht aus, alle wichtigen Positionen Russlands sind aus diesem nachbarlichen Umfeld Putins besetzt, selbst junge Söhnen der „Datschennachbarn“ 25 – 28 Jahre alt haben inzwischen einflussreichste Positionen im Land,
z. T. ohne je eine ordentliche Ausbildung absolviert zu haben.
Boris Reitschuster
Weiter referiert Boris Reitschuster über Wladimir Putin, seine Kindheit und Jugend im ärmsten Umfeld, woraus sich auch eine Hinterhofmoral entwickelt hat: „Es ist nicht entscheidend, ob Du Recht oder Unrecht hast, entscheidend ist, dass Du stark bist“.
In einer seiner Reden hat Wladimir Putin formuliert, dass er den Zusammenbruch der Sowjetunion als größte Katastrophe empfunden hat. Jetzt ist sein Handeln geprägt von dem Willen, Macht in Russland wieder stark zu machen.
Boris Reitschuster berichtet über Reisen mit dem Schachweltmeister Kasparow, wo mit allen Mitteln Auftritte verhindert wurden, dass gemietete Säle für Veranstaltungen plötzlich nicht verfügbar waren, dass die Delegation den ganzen Tag beschattet wurden und auch Gespräche zwischen Kasparow und Eltern der verstorbenen Kinder von Beslan nicht zugelassen wurden.
Fazit: Zwanzig Jahre nach der Perestroika ist die Demokratie in Russland gescheitert. Wladimir Putin setzt auf einen allmächtigen Staatsapparat.
Diskriminierung, Menschenrechtsverletzung, Kontrolle der Medien: Tägliche Praxis in Russland.
Trotzdem gibt es kein zurück in die Vergangenheit, die Menschen in Russland haben sich gewandelt. Viele sind durch Reisen ins Ausland informierter, 4% der Russen haben einen Internetzugang zur Information und Multiplikation. Der Anteil an Eigentum steigt und dort entwickelt sich ein bürgerliches Bewusstsein.
Diese Ausführungen finden sich in Boris Reitschuster Buch „Putins Demokratur“ wieder.
Blick ins Publikum
Am Ende des Abends verließ ein beeindrucktes, aber auch sehr nachdenkliches Publikum die Veranstaltung.

Veronika Kolb
Druckversion dieses Artikels    diesen Artikel versenden ...

„Integration einer Randgruppe: Kinder und Jugendliche in Deutschland“
Podiumsdiskussion am 25.08.2006, 19:00 Uhr
Ort: Flensburg, Eckner Haus

Mit dem bewusst provokanten Titel "Integration einer Randgruppe, Kinder und Jugendliche in Deutschland" veranstaltete das "Liberale Gesprächsforum Flensburg" eine Podiumsdiskussion der Friedrich-Naumann Stiftung in Flensburg. Als Moderator fungierte Jörg Pepmeyer, Initiator des Arbeitskreises Kommunalpolitik und als diplomierter Pädagoge mit Lehrauftrag an der Flensburger Universität selbst vom Fach. Für die Hinführung zum Thema konnte Flensburgs ehemaliger Sozialderzernent Hans Leppin gewonnen werden. Knapp 35 Gäste waren dabei, als er mit einem Vortrag über die aktuelle Situation von Kindern und Jugendlichen und deren Problemen die Podiumsdiskussion eröffnete.

Mit viel Engagement erzählte Marie Louise Dechange, Schulleiterin der Löhmann-Schule (Hauptschule) über die Erfolge ihrer Schule. Zusammen mit anderen Einrichtungen wie Polizei und Jugendaufbauwerk (JAW) werde alles mögliche getan, um möglichst alle Schüler in die Gesellschaft zu integrieren.
Ihr Konzept: Alle Schüler müssen an allen Veranstaltungen teilnehmen. Mit Freiwilligkeit hat sie keine guten Erfahrungen gemacht, das Zielklientel werde so nicht erreicht . Durch die Einführung auch einfacher Rituale wie dem gemeinsamen Mittagsessen von Schülern und Lehrern oder der Schuluniform wird Gesellschaft greifbar und erfahrbar.

Holger Delfs, Leiter des Jugend Aufbauwerks Süderbrarup, machte die Zuhörer auf die vielen gescheiterten Versuche gesetzlicher Integration aufmerksam. "10% der schwachen Bevölkerungsschicht sind Förderschüler". Herr Delfs machte deutlich, dass er keine realistischen Chancen für Förderschüler sehe, eine Ausbildungsstelle zu bekommen: "Die Sozialgesetzbücher verhindern eine effektive Sozialarbeit". Er forderte die Vernetzung der Behörden, um eine effiziente, an der Klientel ausgerichtete Sozialarbeit leisten zu können.

Christa Kreber, konnte die Aussage von Herrn Delfs nur unterstreichen. Sie leitet das Jugendheim ADS Speicher in Flensburg, das als Einrichtung in einem sozialen Brennpunkt hauptsächlich von Kindern und Jugendlichen mit geringen Aussichten auf gesellschaftliche Teilhabe frequentiert wird.

Dirk Schultz ist Initiator und Leiter der Sportpiraten. Die Sportpiraten betreiben niederschwellige Jugendarbeit. Einfach ausgedrückt bedeutet dies, dass die Jugendlichen in ihrem Milieu aufgesucht werden. Durch das Angebot, Trendsportarten auszuprobieren, wird ein doppelter Effekt erzielt: Erstens haben die Jugendlichen während des Spiels keine Zeit, sich anderen Dingen zu widmen und zweitens erfahren sie so, dass auch sozial verträgliches Verhalten „cool“ sein kann.
Existenzprobleme sind bei den meisten dieser Jugendlichen vorhanden. "Viele Jugendliche haben keine Lobby", kritisiert Schultz. Daraus resultiere Frust. Es fehle an Ausbildungsplätzen, vor allem in den Bereichen, die die Jugendlichen interessieren.

Jochen Barckmann, zweiter Bürgermeister der Stadt Flensburg, ist im Verwaltungsvorstand unter anderem als Jugendbeauftragter der Stadt Flensburg in der politischen Verantwortung. Er sieht das Problem der Desintegration als ein Wohlstandsproblem. In der klassischen Familiengesellschaft des 20. Jahrhunderts fand Sozialisation und somit auch Gesellschaftsbildung nicht nur zwischen Gleichaltrigen statt. Statt Kindergarten gab es die Großfamilie, in der jedes Kind eingegliedert wurde. Auf diesem Prinzip gründet sich auch die gesellschaftspolitische Vision des ehemaligen Flensburger Polizeichefs: Die Generationen sollen wieder Verantwortung füreinander übernehmen, im Rahmen ehrenamtlichen Engagements soll die Erfahrung und Kompetenz der Senioren an die Junioren weitergegeben werden.

Eine andere Sichtweise eröffnete Jürgen Zimmer von der Landespolizei dem Publikum. Er skizzierte den Wandel des Polizisten vom Hüter des Gesetzes zum Sozialverantwortung tragenden Freund und Helfer auf Augenhöhe für alle Bürger. Zur Umsetzung dieses Anspruchs wurde die Schutzpolizei in Flensburg weitestgehend dezentralisiert und die Stationen in die verschiedenen Milieus verteilt, übrigens beginnend unter dem Polizeichef Barckmann. Die Polizisten bestreifen ihre Reviere zu Fuß und sollen als Ansprechpartner dienen. So wird auch der Kontakt zu möglicherweise problematischen Jugendlichen und deren Familien erleichtert. Zusätzlich werden an den Hauptschulen Sprechstunden angeboten, manchmal auch weitergehende Projekte wie das erfolgreiche „SOKO-Projekt“ in Zusammenarbeit mit der Löhmannschule in der 10. Klassenstufe.

Herr Delfs lobte den Ansatz der Polizei. Dennoch kritisierte er, es dürfe nicht immer „nur an der Struktur gerüttelt werden“, es müßten richtige Veränderungen erfolgen .Das jetzige System sei „versäult“ und unfähig, sich auf aktuelle Gegebenheiten einzustellen. Frau Kreber berichtete auf Nachfrage aus dem Auditorium, dass oftmals die Sprache ein Problem sei. Sie sehe aber auch viele Probleme in der Erziehung von Seiten der Eltern: "Es fehlt die Starthilfe". Viele Kinder mit Integrationsproblemen seien nicht unintelligent aber frustriert.

Aus dem Publikum wurde die Forderung nach der Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems laut, um die Selektion zwischen Jugendlichen mit und ohne Zukunftsaussichten zu unterlassen. Herr Lippin stellte noch einmal klar, dass seiner Meinung nach viel zu viel Geld für die Finanzierung von Armut ausgegeben wird, anstatt es als Investition in die Jugend, d.h. in Jugendförderung zu nutzen. Aber auch er sah die Gefahr der Selektion und machte darauf aufmerksam, dass diese zu früh stattfinden würde.

Aus dem Publikum wurde die These geäußert, es könne sich bei dem Integrations- und Bildungsproblem auch um ein Motivationsproblem handeln. Frau Kreber sieht kein Problem in der Motivation: "Jeder Mensch möchte sich bilden", sagte sie. Freiwilligkeit sei nach wie vor das A + O. Dennoch sieht sie Handlungsbedarf und fordert restriktive Maßnahmen, allerdings nicht gegen die Jugendlichen. Vielmehr seien es oftmals die Eltern, auf die sinnvoller weise eingewirkt werden sollte.
Druckversion dieses Artikels    diesen Artikel versenden ...

"Vertreibung aus dem Paradies"
Lesung am 15. September 2006 in Lübeck
Dr. Halima Alaiyan
Nach der Flucht ihrer Familie 1948 aus Palästina wächst Halima Alaiyan im ägyptischen Exil auf. Mit sechzehn wird sie mit ihrem Cousin verheiratet. 1966 kommt sie ohne ihre Kinder nach Deutschland. Zwei Jahre lang kämpft sie um ihre Kinder - als sie endlich nach Deutschland kommen, ist ihr Sohn Talat bereits schwer krank.
1989 verliert sie ihren Sohn Talat nach langjähriger schwerer Bluterkrankung. Die von ihr gegründete Talat-Alaiyan-Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, durch humanitäre, soziale und medizinische Hilfe sowie durch einen Schüleraustausch zwischen deutschen, israelischen und palästinensischen Jugendlichen aktive Friedensarbeit im Nahen Osten zu leisten.
Neues Bild
Nach der Lesung berichtet Dr. Alaiyan über die zwischenzeitlich mehrfach stattgefundenen Besuche palästinensischer und israelischer Schüler in Deutschland, der letzte gerade vor 4 Wochen. Beeindruckt hörten die zahlreichen Zuhörer, unter ihnen viele Schüler, über das gegenseitige Kennenlernen der 20 Kinder, die Erkenntnis miteinander reden und sich vertrauen zu können, sich zu mögen. Dazu dann noch unkompliziertes Überschreiten einer Grenze, z. B. nach Frankreich. Diese Maßnahme gelebter Völkerverständigung soll auch in der Zukunft einmal jährlich stattfinden. Die Kinder kommen aus allen gesellschaftlichen Schichten, unabhängig vom Status oder Einkommen, da alle Kosten von der Talat - Alaiyan-Stiftung übernommen werden.
Neues Bild
Dr. Halima Alaiyan studierte in Deutschland Medizin und arbeitet nach ihrer Approbation von 1986 bis 1993 als Oberärztin im Saarland. Seit 1993 betreibt sie eine eigene Praxis. 2003 veröffentlichte sie ihre Autobiografie „Vertreibung aus dem Paradies. Meine lange Flucht aus Palästina“.
Druckversion dieses Artikels    diesen Artikel versenden ...

Schulabbruch-Ausbildungsabbruch-Hartz IV?
Podiumsdiskussion am 12. September 2006 in Lübeck
Zehn Prozent der Deutschen verlassen die Schule ohne Abschluss, bei
ausländischen Schülern sind es sogar zwanzig Prozent. Im Alter von 20 – 29 Jahre sollen zwölf Prozent der Deutschen ohne Berufsabschluss sein, bei ausländischen Bürgern spricht man von mehr als vierzig Prozent. Die Mehrheit dieser Betroffenen werden langfristig Hartz IV-Empfänger. Für Städte und Kommunen bei Kürzung der Zuweisung vom Land eine bedrohliche Situation. Wie ist dieser Prozess aufzuhalten, muss rechtzeitiger mehr Geld in Kindergärten, Schule und Sprachförderung investiert werden? Wie sehen die Problemlösungen für Ausbilder aus?
mehr dazu ... Druckversion dieses Artikels    diesen Artikel versenden ...

Bildung und Wertediskussion: Was muss Schule können - was kann Schule leisten
Podium
Das erste liberale Gesprächsforum in Husum beschäftigte sich mit dem Thema Bildung und Wertediskussion unter dem Titel: Was muss Schule können – was kann Schule leisten.
Eckhard Kruse
In einem sehr engagiertem Statement formulierte Eckhard Kruse, Vorsitzender des Philologenverbandes Husum und Lehrer an einem Gymnasium, folgende Wahrnehmung:
Schule und damit auch Lehrer sind überfordert, die Erwartungen und Anforderungen sind heute einfach zu hoch und im Ergebnis führt es zu Frustration bei Schülern und Lehrern. Wunsch und Herzensangelegenheit seien ihm, dass die Schule zuständig ist für die Bildung und zwar eine rein kognitive Bildung und auch musische Bildung. Wichtig ist das Ziel, weltoffene, gebildete junge Menschen aus der Schule zu entlassen. Freiheit ist dabei das bedeutsame Ziel, dort muss man Kinder aber hinführen und auch die Verantwortung für Freiheit deutlich machen. Es gilt ganz wichtig zu transportieren, dass Schule und Lehrer wichtig sind. Ebenso stellt er die Frage: Wo kommt Charakterbildung her? Die erste Pflicht liegt hier bei den Eltern, doch viele haben sich aus dieser Verantwortung verabschiedet.
Uwe Schmidt
Uwe Schmidt, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Industriegebiet Ost in Husum und Inhaber eines Autohauses bildet 2 kaufmännische und 4 handwerkliche Auszubildende aus.
Edgar Pusch
Bei 50-60 Bewerbungen für die 6 Ausbildungsplätze stellt er zunehmend fest, dass das Bildungsniveau der Hauptschüler nicht mehr ausreichend ist. Aufgaben in Prozentrechnen oder Geometrie einfachster Art können nicht gelöst werden und so können diese jungen Menschen im Ausbildungsbetrieb nicht für eine Prüfung fit gemacht werden. Trotz hoher Bewerbungsdichte sind in Nordfriesland 12% der Ausbildungsplätze wegen fehlender Qualifikation unbesetzt. Edgar Pusch, Vorsitzender der GEW wünschte die Gründe für die Defizite der Schüler zu kennen. Auffällig ist ihm, dass eine immer größere Verschiebung von Aufgaben aus dem Elternhaus in die Schule geschieht. Deshalb möchte er die Frage stellen, was ist die Gesellschaft bereit zu leisten, um einen Umkehreffekt zu erzielen. Hinzu kommt aus seiner Sicht, dass die Anforderungen der Gesellschaft und der Arbeitswelt höher geworden sind.
Daniel Schade
Norbert Rohde
Tatsache ist auch, dass viele junge Menschen mit geringer schulischer Qualifikation gerne in handwerklichen Berufen arbeiten wollen, aber den Anforderungen der Ausbildungspläne nicht gerecht werden können. Norbert Rohde, Vorsitzender Commercium Husum von 1738, der ältesten Kaufmannschaft in Nordfriesland und Inhaber eines Verkehrsbetriebes schildert ähnliche Wahrnehmungen wie Uwe Schmidt und auch die unterschiedlichsten Erfahrungen mit eigenen 4 Kindern. Wichtig ist ihm zu definieren, wo Aufgaben und Verantwortung der Eltern zu liegen haben. Daniel Schade, Vorsitzender des Elternbeirates eines Gymnasiums betont, dass Eltern den Anspruch an Schulen stellen können, Kinder in der Persönlichkeitsentwicklung zu stärken, sie weltoffen und problembewusst zu erziehen. Durch unterschiedliche Voraussetzungen und auch Begabungen sei dies heute schwieriger geworden. Aus diesem Grund seien Interesse und Einbindung der Eltern wichtiger denn je. Aufgabe der Eltern sei, sich für den Schultag des Kindes zu interessieren, die Arbeit muss jedoch von dem Kind allein und eigenständig gemacht werden. In einer lebhaften Diskussion ging es dann noch um den Föderalismus, Verantwortung der Politik, Ansehen der Lehrer, Lehrpläne, Klassengrößen und dem Wandel in der Gesellschaft
Druckversion dieses Artikels    diesen Artikel versenden ...

weitere Artikel »




Rechtliche Hinweise | Impressum





Um die Seite eines Regionalbüros zu öffnen, klicken Sie bitte auf ein Bundesland.

Regionalbüro Lübeck