Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit - Ein Strauß Revolutionen [Druckversion]




Ein Strauß Revolutionen


Kaukasus und Zentralasien, die in den letzten Jahren durch die so genannten „farbigen“ Revolutionen in den Fokus der Öffentlichkeit gerieten, standen im Mittelpunkt einer Ferienakademie der Begabtenförderung.




Teilnehmer der Ferienakademie in Brüssel
Kaukasus und Zentralasien, welche in den letzten Jahren durch die so genannten „farbigen“ Revolutionen, politischen Umstürze und gewaltsam unterdrückten Unruhen in den Fokus der der Öffentlichkeit geraten sind, standen im Mittelpunkt einer Ferienakademie der Begabtenförderung, die in Kooperation mit der Theodor-Heuss-Akademie durchgeführt wurde.

Die Stipendiatinnen, Nino Sologashvili-Metzler, Marietta S. König und Irina Astashova führten expertensicher durch die Ferienakademie zum Thema „Kaukasus und Zentralasien“.

Auch für Nichtstipendiaten geöffnet, fanden sich unter den Teilnehmern viele Studenten und junge Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen, welche mit einer oder beiden Regionen gut vertraut waren und sich mit viel Hintergrundwissen der Frage des „New Great Game“ widmeten.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion in die Unabhängigkeit entlassen, prägen Sezessionskriege und autoritäre Regime die Nachfolgestaaten, deren Geschichte stets ein Balanceakt zwischen friedlicher Multikulturalität und dem Streben nach Dominanz einzelner Gruppen war. Noch überragt Russlands Einfluß die Bedeutung anderer externer Akteure in der Region, gestützt auf die gemeinsame Sowjet-Geschichte und die politischen, sprachlichen und wirtschaftlichen Bindungen. Doch die Volksrepublik China drängt vermehrt in die traditionelle russische Einflusssphäre und auch die Geostrategen der USA haben beide Regionen im Blick. Als weiterer Akteur auf dem Kaukasus tritt die EU mit ihrer Nachbarschaftspolitik auf und auch Zentralasien wird zukünftig häufiger auf ihrer Agenda stehen.

Gruppenarbeit - Region Zentralasien
Im Mittelpunkt der Vorträge über den Kaukasus standen die „eingefrorenen“ Konflikte um Abchasien und Berg-Karabach sowie die politischen und gesellschaftlichen Transformationsprozesse und -hindernisse. Neben ausgewiesenen Experten, wie Dr. habil. Eva-Maria Auch (Universität Bonn), Dr. Uwe Halbach (Stiftung für Wissenschaft und Politik) und Prof. Dr. Raul Motika, Islamexperte der Universität Bern, diskutierten die Nachwuchswissenschaftler Pamela Jawad (Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung), Kakhaber Dzebisaschwili (Universität Hamburg) und die FNSt-Promotionsstipendiatin Marietta König über die Entwicklungen in der Region und die Rolle internationaler Organisationen in den Konfliktgebieten.

Nodari Rizun, ebenfalls Promotionsstipendiat der Stiftung, analysierte die Vorgänge in seiner Heimatstadt Naltschik in der russischen Republik Kabardino-Balkarien, welche im Oktober vergangenen Jahres durch einen Rebellenüberfall in das Schlaglicht der Presse gelangte. In welcher Weise sich die Friedrich-Naumann-Stiftung in den südkaukasischen Ländern Georgien, Armenien und Aserbaidschan um die demokratische Entwicklung bemüht, berichtete der Leiter des FNSt-Projektes in Tiflis, Dr. Wolfgang John.

Die Zentralasienexperten Dr. Beate Eschment (Universität Halle) und Dr. Jörn Grävingholt (Deutsches Institut für Entwicklungspolitik) stimmten in ihrer Analyse überein, dass selbst das ehemals hoffnungsvolle Kirgistan zunehmend autoritärer wird und somit in die Tradition seiner Nachbarstaaten tritt. Wie schwierig die Arbeit in- und ausländischer Journalisten in diesen Ländern ist, berichteten bei einem “Kamingespräch“ Cornelia Rabitz, Leiterin des russischen Programms der Deutschen Welle und Nino Sologashvili, georgische Journalistin.

Nachdem am Dienstag Abend ein junger usbekischer Musiker die Kaminhalle mit orientalischen Klängen füllte, ging es noch im Morgengrauen am nächsten Tag nach Brüssel, wo Dr. Wickert, Leiter des Brüsseler Büros der Naumann-Stiftung, die Teilnehmer über die Arbeit der Stiftung vor Ort unterrichtete und Gregor Connor vom East/West Institute über die EU- Nachbarschaftspolitik im Südkaukasus referierte.

Im Anschluss stand ein Besuch des NATO-Hauptquartiers auf dem Plan, wo die lebhafte Diskussion mit NATO-Vertretern und den Repräsentanten der NATO-Partnerländer Georgien und Kasachstan weiterging. Hierbei betonten die NATO-Vertreter vor allem die geostrategische Bedeutung der Regionen, insbesondere Zentralasiens, für den Wiederaufbau Afghanistans als auch für die erfolgreiche Bekämpfung des internationalen Terrorismus. Während Georgien im Rahmen des „Partnership for Peace Programme“ aktiv nach einer NATO Mitgliedschaft strebt, ist Kasachstan, durch geostrategische Zwänge bedingt, lediglich an einer eingeschränkten Kooperation mit der NATO interessiert.

Präsentation der Gruppenarbeit
Gelegenheit, erworbenes Wissen praktisch anzuwenden, bot sich beim Planspiel am Donnerstag, bei welchem die Teilnehmer in die Rollen internationaler Akteure und zentralasiatischer Machtfiguren schlüpften und in einer Mischung aus Humor und Realismus Zukunftsszenarien für das Jahr 2020 entwickelten. Zum Abschluss der Akademie bot Benedikt Brisch vom DAAD einen Überblick über die Förderungsmöglichkeiten für Studien- und Forschungsaufenthalte in der Region, denn eines war klar: spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde auch der letzte Teilnehmer von Reiselust gepackt.

Fazit: Auch 15 Jahre nach ihrer Unabhängigkeit sind die Staaten des Kaukasus und Zentralasiens weit davon entfernt, demokratischen Standards wie Rechtsstaatlichkeit, Meinungs- und Pressefreiheit und Menschrechten zu genügen. So ist in fünf der acht Staaten immer noch die alte sowjetische Elite an der Macht und auch die Umstürze in Georgien und Kirgisistan haben bislang nicht zu einer Demokratisierung der Region beitragen können. In beiden Fällen mehren sich gar die Anzeichen, dass wieder vermehrt autoritäre Strukturen Einzug halten. Gerade deshalb ist es unabdingbar, dass sich der Westen Russlands „Hinterhof“ zuwendet und dazu beiträgt, mittel- bis langfristig demokratische Strukturen und politische Freiheiten zu etablieren.


Carolin F. Roeder und Tobias Würtz




http://www.fnst.org © Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit