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Barack Obama – Ein Ereignis wie die Mondlandung?

Dr. Detmar Doering (vorn)
Trotz sommerlichen Wetters und des am gleichen Abend stattfindendem Halbfinale bei der Fußballeuropameisterschaft konnte der Leiter des Liberalen Instituts der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Dr. Detmar Doering, die Teilnehmer in einem gut gefüllten Saal begrüßen. Dr. Christoph Freiherr von Marschall, Washington-Korrespondent des Berliner Tagesspiegel, hat den Senator aus Illinois und künftigen Präsidentschaftskandidaten der Demokraten, Barack Obama über ein Jahr bei seinen Auftritten begleitet und eine Biografie über ihn verfasst. Der zu Beginn des Vorwahlkampf nicht erwartete Erfolg Obamas hat nach von Marschalls viele Gründe. Hervorzuheben sei, neben seinem Charisma und einer außergewöhnlichen rhetorischen Begabung, seine Kampagne mit den Schlüsselbegriffen „hope“ und „change“, die vor allem bei jüngeren Menschen die Hoffnung auf einen Wandel weg von der „old politics“, für die insbesondere Hillary Clinton stand, weckte. Damit sei es ihm gelungen Amerikaner zur Beteiligung an den Vorwahlen zu bringen, die bisher nicht zur Wahl gingen. Darüberhinaus verkörpert Barack Obama durch seine Herkunft die Verwirklichung des „american dream“, wonach jeder in der Vereinigten Staaten alles werden kann, vom Tellerwäscher zum Millionär und vom Einwandererkind zum Präsidenten. Die Vorwahlen zeigten aber auch, dass Obama bei der traditionellen demokratischen Wählerschaft der weißen amerikanischen Arbeiterschaft ein deutliches Defizit hat, es entbehrt laut von Marschall nicht einer gewissen Ironie, dass die Großverdienerin Clinton bei der weißen Arbeiterschaft mehr Zustimmung findet, als der aus eher bescheidenen Verhältnissen kommende Obama.
In der anschließenden lebhaften Diskussion äußerte von Marschall Zweifel, dass Obama Clinton als Vizepräsidentschaftskandidatin küren wird, verkörpert sie doch die „old politics“. Mit einer solchen Entscheidung würde er seine Anhängerschaft verprellen. Auf wen letztlich die Wahl für die Vizepräsidentschaftskandidatur fallen kann man nach von Marschalls Meinung heute noch nicht voraussagen.
Der aus dem Publikum geäußerten Auffassung, die Wahl am 4. November sei schon so gut wie entschieden, zugunsten Obamas, widersprach von Marschall. Das amerikanische Wahlsystem verlagert die fast ausschließlich auf ca. 16 „Swing-Staaten“ mit jeweils wechselnden Mehrheiten, während die große Mehrzahl der Staaten seit Jahrzehntenfest in demokratischer oder republikanischer Hand seien. In den wichtigen Swing-Staaten allerdings hat Obama voraussichtlich schlechtere Chancen als der republikanische Kandidat McCain. Die Chance und Notwendigkeit für Barack Obama liegt darin, ob es ihm gelingt vor allem in den traditionell republikanischen Südstaaten die farbige Bevölkerung zur Eintragung in die Wählerlisten und zur Wahl zu bewegen, um diese Staaten zugunsten der Demokraten zu „drehen“.
Abschließend bestätigte der Referent, dass – wie immer die Wahl ausgeht – der Welt, Europa und Deutschland Veränderungen und Herausforderungen bevorstehen. Es sei mit der Forderung nach deutlich stärkerem internationalen Engagements Europas zu rechnen, auch militärisch, und bei einer Wahl Obamas ist mit einem stärkeren Protektionismus der USA und einer Gefährdung des weltweiten Freihandels zu rechnen.

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