Berliner Jugendtheater - die bessere Schule für´s Leben?
Bildung braucht mehr als Krisenmanagement
Die Podiumsdiskutanten auf der Veranstaltung "Kulturlust - Kulturverantwortung. Berliner Jugendtheater - die bessere Schule für´s Leben?" am Mosse-Palais in Berlin-Mitte stellten übereinstimmend fest, dass zu wenig Aufmerksamkeit auf die fast einhundert Berliner Jugendtheater gelegt werde, sowohl in der Politik als auch in den Medien und teilweise auch in den Berliner Schulen.
Das sei ein unakzeptabler und bedauerlicher Zustand angesichts der qualitativ hochwertigen Arbeit, die die Jugendtheater tagtäglich leisten.
| Podium |
Kay Wuschek, Intendant des Theaters an der Parkaue, betonte, das Theater sei eine Schule der Wahrnehmung. Hier könnten sich Jugendliche wichtige „soft skills“ für das Berufsleben aneignen. Er berichtete von einem Projekt, bei dem mit einer Gruppe von Schülern ein Diebstahl in einem Berliner Kaufhaus simuliert wurde mit den Detektiven des Hauses und einer anschließenden Vorführung der „Delinquenten“ im Gefängnis. Durch diese Erfahrung seien den Schülern die Konsequenzen eines Diebstahls viel stärker deutlich geworden als dies durch einen Vortrag möglich gewesen wäre.
Peter Pawlowski, Fraktionsvorsitzender der BVV Berlin-Mitte plädierte für ein neues, ehrliches Bekenntnis zur Kultur und ein nachhaltiges Verständnis für Kultur in Deutschland. Es sei an der Zeit, dass auch in Deutschland Theater und die Kultur insgesamt fester Bestandteil der (kulturellen) Bildung werden. Im Alltag junger Menschen und in den Schulen finde Theater zu wenig statt. In anderen Ländern sei dies anders:
In den polnischen Medien sowie im BBC gebe es regelmäßig einen Theatertag, an dem Theaterstücke im Fernsehen gezeigt werden.
"Mach Deine Bühne zu Deiner Plattform"
Uta Plate, Theaterpädagogin an der Schaubühne am Lehniner Platz, machte deutlich, dass es wichtig sei, Jugendliche an das Theater heran zu führen.
| Pawlowski, Plate |
Übereinstimmend plädierten die Podiumsdiskutanten für eine stärkere Öffnung der Schulen gegenüber anderen Bildungsformen und außerschulischen Bildungsangeboten.
Es gebe bereits engagierte Lehrer und ambitionierte Projekte, die erfolgreich gemeinsam durchgeführt werden.
An vielen Stellen jedoch fehle es an der Kommunikation innerhalb der Schulen sowie der Bereitschaft, sich für ein außerschulisches Projekt zu engagieren.
Oftmals fehlten die Visionen, so Renate Breitig von der Senatsverwaltung für Bildung und Projektleiterin von TUSCH – Theater und Schule. Diese müssten stärker entwickelt werden. Sie plädierte unter anderem für die Einsetzung eines „Kulturbeauftragten“ in jeder Berliner Schule, um die Kommunikation zu verbessern und Informationsdefizite zu beheben.
Weitere Pläne und Vorhaben der Senatsverwaltung sind in deren Rahmenbedingungen zur kulturellen Bildung nachzulesen.
Im ehemaligen Haus der jungen Talente, dem heutigen Podewil hat der Senat die Kulturprojekte Berlin GmbH angesiedelt, unter deren Dach die Aktivitäten für inner- und außerschulische Angebote zusammenlaufen sollen.
Die Rolle der Medien
| Claus, Haueiß, Wuschek |
Die Berliner Jugendtheater ihrerseits müssten noch stärker ein Alleinstellungsmerkmal herausarbeiten und dieses auch kommunizieren.
Der Pressesprecher vom Kindertheater „Atze“ beklagte die Ignoranz der Medien gegenüber Jugendtheatern. So würde sein Haus oftmals versuchen, den Kontakt zu Journalisten herzustellen – meist käme jedoch kein Feedback. Im Gegenzug forderte Peter Claus, Journalist beim rbb und Moderator des Podiums, die Presseverantwortlichen der Jugendtheater auf, bei der Fülle des Kulturangebots Journalisten gezielt anzurufen und beharrlich zu bleiben.
Fazit der Diskussion:
Die gute Arbeit der Berliner Jugendtheater in ihrer Vielfalt muss stärker als bislang beworben werden.
Es muss, zusätzlich zu besseren finanziellen Rahmenbedingungen, eine ideelle Unterstützung durch Politik und Medien stattfinden, damit die Bedeutung der kulturellen Bildung in die gesellschaftliche Debatte noch stärker Einzug hält.
Die Veranstaltung wurde mit öffentlichen Mitteln gefördert.
Anne Wellingerhof
Regionalbüro Berlin-Brandenburg
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