Ringvorlesung: Politische Kommunikation im Netz
„Ich glaube nicht, dass es radikale Veränderungen [in der Politik] geben wird. […] Wenn man heute als Politiker etwas Dummes sagt, dann wird es bald auf YouTube zu sehen sein. Darüber werden noch viele Politiker straucheln. Das wird aber nicht die Machtstrukturen in der Politik ändern, nur den Typus Politiker, der Erfolg haben wird“ - mit diesem Zitat von Tim O` Reilly, der den Begriff des „Web 2.0“ maßgeblich prägte, schloss Martina Krogmann ihren Vortrag zum Thema "Politische Kommunikation im Internet: Viel Lärm um nichts?!". Krogmann warf darin einen nüchternen Blick auf die Realität der politischen Online-Kommunikation und verknüpfte ihre Thesen mit eigenen Erfahrungen als parlamentarische Geschäftsführerin und ehemalige Internetbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.
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| Martina Krogmann |
Dies erklärte sie u.a. damit, das den Vorteilen des Web 2,0 (insbesondere ein Mehr an Transparenz, Bürgernähe und Schnelligkeit sowie dem Fehlen der klassischen medialen „Gatekeeper“ und der Möglichkeit der Nutzung von Blogs und Foren als neue Themenindikatoren und Stimmungsbarometer) nach wie vor negative Aspekte entgegen gehalten werden: So fürchten viele Politiker vor allem den „Brennglaseffekt“ und die „Archivfunktion“ des Internets, also die Umstände, dass sich selbst kleinste Peinlichkeiten und Versprecher auf dem Marktplatz eines Dorfes via Handykamera im Internet rasant, global und unaufhaltsam verbreiten und sich anders als im Fernsehen nicht versenden, sondern für jedermann jederzeit weiterhin abrufbar bleiben (siehe Stoiber und der Transrapid). Hinzu käme die Frage nach der Glaubwürdigkeit, die viele Politiker für sich selbst noch nicht abschließend entschieden hätten, so Krogmann weiter: Noch sei es wenig glaubwürdig, wenn ein älterer Politiker mit konservativem Wahlkreis plötzlich „bunte Filmchen bei Youtube“ präsentiere, zumal er damit sein klassisches Wählerklientel (noch) nicht erreiche und sich stattdessen womöglich in eine „mediale Lächerlichkeitsfalle“ begebe.
Krogmanns abschließende These lautete entsprechend, dass die politische Kommunikation im Web 2,0 in Deutschland zwar in den Startlöchern stehe und seit dem Wahlkampf 2005 auch ständig weiterentwickelt würde, aber – anders als derzeit in den USA, wo man laut Krogmann den ersten wirklichen Web 2,0 Wahlkampf beobachten könne – 2009 noch nicht wahlentscheidend sein wird. Die Aussage „Politische Kommunikation im Internet - Viel Lärm um nichts“ sei daher mal mit einem Fragezeichen und mal mit einem Ausrufezeichen zu versehen und zu diesem Zeitpunkt noch nicht abschließend zu beurteilen.
Die Ringvorlesung findet in Kooperation mit dem OSI-Club der Freien Universität Berlin statt und wird aus Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin gefördert.
Das Programm zur Ringvorlesungsreihe finden Sie hier.
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