Russland nach Parlaments- und Präsidentschaftswahl
Wie geht es weiter?
Bei den Präsidentschaftswahlen am 2. März 2008 errang der Wunschnachfolger von Wladimir Putin, Dimitri Medwedjew, klar die absolute Mehrheit. Im Dezember 2007 hatte die Partei „Einiges Russland“ – gegründet zu Putins Unterstützung - bei den Parlamentswahlen 315 von 450 Sitzen erhalten.
Wie wird sich Russland nach den Wahlen – und damit nach acht Jahren Putinscher Präsidentschaft – weiterentwickeln? Zu dieser Frage hatte die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit nach Potsdam und nach Berlin eingeladen.
Peter Hilkes verfolgt seit zwanzig Jahren Entwicklungen in Osteuropa: Für die Ruhr-Universität Bochum und das Osteuropa-Institut München begleitete er die Autonomieprozesse im Baltikum, in der Ukraine und in Kasachstan. In Westsibirien führte er Befragungen zur Situation der deutschen Minderheit durch. Einige seiner zentralen Statements zur Entwicklung Russlands lauteten:
| Hilkes |
Die Renten sind immer noch so gering, dass viele Menschen nicht menschenwürdig davon leben können.
Russland hat ein negatives Bevölkerungswachstum von -0,5% pro Jahr, zurückzuführen vor allem auf ein nicht funktionierendes Gesundheitssystem, mangelndes Gesundheitsbewusstsein oder Alkoholkonsum. Die Bedeutung des Einzelnen bei der Entwicklung des Landes wird daher in vielen Bereichen der Gesellschaft nicht genügend geschätzt, Ressourcen bleiben ungenutzt.
Medien- und Meinungsfreiheit sind Worthülsen. Das zeigten nicht zuletzt die vergangenen Wahlen, in denen insbesondere die Präsident Putin nahestehenden Kandidaten bzw. Parteien die Möglichkeit hatten, sich in den Medien zu präsentieren. Unbestritten ist auch, dass große Teile der Bevölkerung oft zum Wahlgang und zur „richtigen Stimmabgabe“ genötigt wurden. Es sei anzunehmen, so Hilkes, dass die Außenpolitik gegenüber der EU, westlichen Staaten und den eigenen Nachbarn weiterhin zu einem beachtlichen Grad durch die „Energiekarte“ geprägt sein wird. Das sei in der Vergangenheit eine bewährte Strategie gewesen, die aber nur bis zu einem gewissen Grad anwendbar sei. Denn zur Ausbeutung und zum Transport von Gas und Öl braucht Russland Know-how und Unterstützung aus dem Ausland, darunter auch und vor allem seitens der EU, mit der Russland eine strategische Partnerschaft verbindet.
Sascha Tamm ist als Referatsleiter der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit für die mittelost-, südost- und osteuropäischen Staaten zuständig. Mit diesen ist er u. a. aufgrund seiner Arbeit, auch „vor Ort“ aber auch aufgrund privater Reisen nach Osteuropa sehr vertraut. Tamm unterstrich, dass man außenpolitisch von einem Ende der Illusionen, einer Rückkehr zu definierten Standpunkten beiderseits und der Anerkennung gemeinsamer Interessen zwischen Russland und westlichen Staaten ausgehen könne. Das gelte gilt auf jeden Fall und ganz besonders für den Faktor Energie innerhalb der außenpolitischen Beziehungen. Unabhängig vom Präsidentenwechsel sei beiderseitig immer deutlicher geworden , dass, wie nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion angenommen, zwischen Russland und den westlichen Staaten sowie der EU keine Wertegemeinschaft etabliert werden würde. Außenpolitisch verfolge Russland schon seit längerer Zeit keine kohärente Außenpolitik.
| Tamm, Beckmann-Schulz, Hilkes |
| Auditorium |
Dr. Petra Beckmann-Schulz
Forenleiterin der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit
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