Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit - „Die Umerziehung der Vögel“ [Druckversion]




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„Die Umerziehung der Vögel“


Grimmling, der unangepasste Künstler und Maler, schaut in dem Buch zurück auf sein Leben voller künstlerischer und politischer Konflikte.

Einer, der sich nicht umerziehen ließ
Lesung mit Hans-Hendrik Grimmling


"Dieses Atelier war eine Werkstatt, das Fremde zu suchen und zu finden, und so ist es noch heute. Es war ein erstes Gefühl von Selbständigkeit, vielleicht sogar von Freiheit." So beschreibt der Maler Hans-Hendrik Grimmling sein Schaffen als Künstler in der ehemaligen DDR, einen Staat, den er Mitte der 80er Jahre als unbequemer und aufmüpfiger Kopf verließ.

Hans-Hendrik Grimmling und Doris Liebermann
Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und die Stadt- und Landesbibliothek Potsdam luden im Rahmen der Reihe „BuchAktuell“ zur Lesung von Grimmlings Autobiographie „Die Umerziehung der Vögel“. Die Mitherausgeberin des Buches Doris Liebermann moderierte den Abend.

Dabei machte Hans-Hendrik Grimmling gleich zu Beginn deutlich, „ich rede gerne über mich“ und es war durchaus unterhaltsam, was der Maler und Autor zu berichten hatte. In seiner Autobiographie schildert er seinen nicht immer geraden Weg zum Künstler, was das Werk zu einem sehr interessanten zeitgeschichtlichen Dokument werden lässt. Der im sächsischen Zwenkau geborene Grimmling erlebt als junger Mann ein düsteres Umfeld der Braunkohlegegend. Die Farbe Schwarz gewinnt somit schon von früh an für ihn eine große Dominanz. Sie ist eine Reaktion auf die Überpräsenz des Dunklen um ihn herum, aber – in ihrer Melancholie – auch eine elegische Kraft, die ihn immer wieder beflügelt hat.

Der Künstler Grimmling, der an der Hochschule der Bildenden Künste in Leipzig studierte, geriet bald mit seinen Motiven in Konflikt mit dem Konzept des Sozialistischen Realismus und dem Leitbild vom „sozialistischen“ Menschen. Anders zu malen bedeutete auch immer anders zu denken. Seinen Bildern hafte eine „völlig fremde Phantasie“ an, hieß es damals. Eine dieser Phantasien war das Mißverhältnis von Freiheit und Unfreiheit. So beschreibe zum Beispiel sein bereits 1978 entstandenes Triptychon „umerziehung der vögel“ – das dem Buch dem Namen gab – die Gewalttätigkeit von Erziehungsmustern in traumatisierten Figuren, die durch die Anmaßung, fliegen zu wollen, zu Stürzenden werden, sagte Liebermann. In der DDR-Presse wurde das Bild diffamiert, der Künstler massiv unter Druck gesetzt.

Der Höhepunkt der Auseinandersetzung mit der „Staatsmacht, deren Einfluss auf Kunst sich allgegenwärtig zeigte“, so Grimmling, war der „1. Leipziger Herbstsalon“ von 1984. Dieser war eine halblegale Ausstellung, die er mit organisierte, wodurch er und andere Künstler noch stärker in den Konflikt mit der Staatsmacht gerieten. Die Konsequenz auf offen gezeigte Drohungen war, dass drei Maler des „Herbstsalons“ die DDR verließen. Einer von ihnen war Grimmling. Noch Ende 1984 stellt er einen Ausreiseantrag. Ein gutes Jahr später konnte er mit Frau und Tochter nach West-Berlin ausreisen.

Grimmling zeigt in seinem Text den immer wieder neuen Aufbruch in die Imaginationen der Kunst, aber auch den immer wieder neuen Aufbruch des Menschen, der sich nicht beirren oder anders ausgedrückt, umerziehen, ließ und läßt.




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