Gütesiegel für Kindergärten - Mehr Qualität in Berlins Kitas
Das pädagogische Gütesiegel wurde vor dem Hintergrund einer Studie von 1998 entwickelt, die besagt, dass nur etwa 30 Prozent aller Kindergärten in Deutschland eine gute Qualität aufweisen.
Dieses Ergebnis ist dramatisch.
Forschungen im frühkindlichen Bereich haben gezeigt, dass je nach Qualität einer Kita bei Kindern Entwicklungsunterschiede von bis zu einem Jahr festgestellt werden können – unabhängig vom sozialen Hintergrund des Kindes.
Um die pädagogische Qualitätssicherung in deutschen Kindertageseinrichtungen zu verbessern und zu befördern. wurde unter der Federführung von Prof. Tietze, Erziehungswissenschaftler der FU Berlin und Geschäftsführer der pädQUIS gGmbH (Pädagogische Qualitäts-Informations-Systeme) das pädagogische Gütesiegel entwickelt.
Für die Vergabe des Gütesiegels werden vier Qualitätsbereiche mit verschiedenen Qualitätsmerkmalen durch das unabhängige Institut pädQUIS evaluiert und bewertet. Die Qualitätsdimensionen sind dabei an internationale Standards angepasst.Geprüft werden unter anderem folgende Kriterien: Wird jedes Kind unter Berücksichtigung seiner Begabungen und Neigungen gefördert? Erhalten Kinder Mitspracherechte? Wird die Entwicklung der Kinder dokumentiert? Die Bewertung der einzelnen Punkte erfolgt durch eine intensive Beobachtung der Einrichtung. Nach Gewichtung der verschiedenen Kriterien innerhalb der Qualitätsbereiche erhält die Einrichtung eine Punktzahl, anhand derer entschieden wird, ob die Kindertagesstätte das Gütesiegel erreicht. Das Siegel ist für drei Jahre gültig.
Die Vorteile des Gütesiegels sind laut Katrin Gralla-Hoffmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin der pädQUIS gGmbH vielfältig: Die Kinder fühlen sich wohl und werden pädagogisch optimal betreut. Die Eltern sind zufrieden, die Auswahl der Kita wird erleichtert, die Qualifizierungsmaßnahme erhöht die Mitarbeitermotivierung. Das Gütesiegel weist gute Qualität sichtbar für alle aus und es regt zur Qualitätsverbesserung an.
Carola Gliesche, Schulleiterin der Kita „Waldhäuschen“, konnte die positiven Effekte des Gütesiegels bestätigen. Als erster Berliner Träger des Gütesiegels ist das Waldhäuschen in Berlin Vorreiter. Gliesche berichtete, dass seit dem Erhalt des Gütesiegels die Nachfrage nach der Kita enorm gestiegen sei. Dies obwohl diese außerhalb eines Wohngebiets liege und deswegen für viele normalerweise zu weit sei. Gliesche betonte, dass die Qualifizierungsmaßnahme zu einem deutlichen Anstieg der Mitarbeitermotivation geführt habe. Diese werden ernst genommen, in alle Prozesse der Qualifizierung eingebunden. Dabei entwickeln diese ein Zusammengehörigkeitsgefühl und können sich mit Ihrem Arbeitsplatz identifizieren.
Moderiert wurde die Veranstaltung von Elisabeth Karnatz, Promotionsstipendiatin der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und Mitglied des Arbeitskreises „Bildung“ der Stipendiaten der Stiftung. Die Veranstaltung fand im Rahmen einer Bildungsreise des Arbeitskreises statt. Unter dem Titel „Leuchttürme frühkindlicher Bildung“ besuchen die Stipendiaten Kindertageseinrichtungen, die alternative pädagogische Ansätze verfolgen: Integration von benachteiligten Kindern oder von Migranten, Sprachförderung, Qualitätssicherung, Förderung von hochbegabten Kindern oder Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Das Impulsreferat zum Thema "Gütesiegel" finden Sie hier.
Informationen zu weiteren Bildungsveranstaltungen und Publikationen der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit zum Thema "Frühkindliche Bildung" finden Sie hier.
Die Tagung wurde als politische Bildungsveranstaltung mit öffentlichen Mitteln gefördert.
Anne Wellingerhof
Büro Berlin-Brandenburg
|



