Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit - Türkische Unternehmer in Berlins Bezirken [Druckversion]
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Türkische Unternehmer in Berlins Bezirken
„Türkische Unternehmer in Berlins Bezirken: Eine Erfolgsstory?“ Dieser Frage ging die Veranstaltung in einer kontroversen Diskussion nach.
Türkische Unternehmer in Berlins Bezirken: Eine Erfolgsstory?
Einwanderer aus der Türkei betreiben in Deutschland rund 64.000 Unternehmen, schaffen hunderttausende Arbeitsplätze – nicht nur für Migranten – und tragen damit erheblich zum wirtschaftlichen Wohlstand in Deutschland bei.
Dies wird überdeckt von sozialen Problemen, denen insbesondere Jugendliche mit Migrationshintergrund ausgesetzt sind: 23% der türkischen Kinder verlassen die Schule ohne Abschluss, nur 7% schließen mit dem Abitur ab. Eine Folge: Nur 16% der türkischen Jugendlichen erhalten einen Arbeitsplatz.
Auf der Tagung wurde analysiert, inwieweit Bildung und wirtschaftlicher Erfolg zusammenhängen und wie beides gestärkt und verbessert werden kann.
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| Podium |
Es diskutierten Eleonore Bausch, Bereichsleiterin Bildungspolitik der IHK Berlin, Ahmet Ersöz, Generalsekretär der Türkisch-Deutschen Unternehmervereinigung e.V., Rainer-Michael Lehmann, stellvertretender Vorsitzender der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus Berlin, Nihat Sorgec, Geschäftsführer des Bildungswerkes Kreuzberg GmbH und Elena Zavlaris vom Stab Zusammenarbeit mit der Landespolitik der Bundesagentur für Arbeit. Moderiert wurde die Diskussion von Kenan Kolat, Vorsitzender des Türkischen Bunds Berlin-Brandenburg e.V.
In der Diskussion wurde zunächst übereinstimmend festgestellt, dass die türkische Wirtschaft in Berlin eine Erfolgsstory sei. Dies sei nicht infrage zu stellen. Den Diskutanten war allerdings wichtig zu betonen, dass es sich nicht um „türkische Unternehmer“ – wie im Titel der Veranstaltung – sondern um „Berliner Unternehmer“ handle. In den vergangenen Jahrzehnten sei vieles erreicht worden, es gebe eine Vielzahl von erfolgreichen Unternehmen und Unternehmern in Deutschland und in Berlin.
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| Hakan Authman |
So wie der Jungunternehmer Hakan Authman, der seine erfolgreiche Karriere bei „Burger King“, der Fastfoodkette mit dem höchsten Umsatz in der Fastfoodbranche, vorstellte. Es verwies auf die eingangs genannten Zahlen und stellte heraus, dass die türkische Wirtschaft zum Wohlstand der Stadt beitrage.
Authman wies aber darauf hin, dass der Weg dorthin nicht immer einfach sei. Oft bleibe die Selbstständigkeit der letzte Ausweg aus der Armut.
Die Diskutanten waren sich einig, dass verstärkt in die Ausbildung junger Leuten mit Migrationshintergrund investiert werden müsse. Das sei der einzige gangbare Weg, um deren Zukunft zu sichern.
Dass es zahlreiche Projekte gibt, die sich mit der Förderung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund beschäftigen, sei dabei unbestritten. Als ein Best-Practice-Beispiel stellte Birgit Jammes das mehrfach ausgezeichnete Projekt „Academy“ der GASAG Berliner Gaswerke AG vor. In einer Bühnen-Kunstschule bekommen Jugendliche verschiedener Herkunft Tanz, - Schauspiel- und Gesangsunterricht von hochqualifizierten Dozenten.
Das Projekt fördere die Kreativität und Disziplin sowie Selbstbewusstsein und Verantwortungsgefühl der jungen Leute – Qualifikationen, die für die Behauptung auf dem Arbeitsmarkt unabdingbar seien.
Bausch wies darauf hin, dass die Jugendlichen verinnerlichen müssten, ihren kulturellen Hintergrund als Plus zu verkaufen und nicht als Minus wahrzunehmen. So habe die Bundesagentur für Arbeit Mitarbeiter mit Migrationshintergrund eingestellt, die oftmals bessere Kenntnisse über die Situation Arbeitsuchender türkischer Herkunft hätten als deutsche Angestellte. Zudem stellte Bausch dar, dass der Fachkräftemangel in Deutschland steige und dadurch mehr Menschen in Arbeit kommen sollten. Das bedeute, dass sich eigentlich mehr Chancen auf einen Beruf auch für Jugendliche mit Migrationshintergrund ergeben müssten.
Trotzdem wäre die Situation nicht so, dass sich merklich viel zum besseren ändern würde.
So blieb als Fazit bei den Diskutanten die Feststellung, dass obwohl in Berlin vieles in Berlin erreicht sei, noch vieles im Bereich Wirtschaft und Migration getan werden. So belegenStatistiken, dass türkische Jugendliche nach wie vor benachteiligt sind. Dort gilt es anzusetzen.
Die Diskutanten sowie das Publikum forderten die Politik auf, gestärkt die Ausbildung und Bildung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu fördern. Hierbei komme auch den Schulen eine besondere Bedeutung zu.
Lehmann unterstützte diese Forderung und unterstrich, dass Integration in der Hauptsache durch Bildung erreicht werden kann. Deswegen müsse das Hauptaugenmerk auf eine gute Schulausbildung gerichtet werden. Dazu gehört ein stärkerer Praxisbezug ebenso wie die Einführung von Startklassen, die den Abbau von Kenntnisdefiziten sowie Sprachbarrieren und damit die Integration der Kinder mit Migrationshintergrund fördern. Zudem müssen ausländische Bildungsabschlüsse auch in Deutschland anerkannt werden.
Für die Unternehmen generell ist es wichtig, dass weiterhin Bürokratie abgebaut wird. Es muss Investoren und Unternehmern leichter, nicht schwerer gemacht werden, ein Unternehmen in Berlin anzusiedeln oder zu gründen.
Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit der Türkisch-Deutschen Unternehmervereinigung Berlin-Brandenburg e.V. und dem Türkischen Bund Berlin-Brandenburg durchgeführt.
Die Tagung wurde mit öffentlichen Mitteln gefördert.
Anne Wellingerhof
Büro Berlin-Brandenburg
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