Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit - Freie Schulen in Brandenburg [Druckversion]




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Freie Schulen in Brandenburg


Über mehr Wettbewerb, Freiheit und Vielfalt im Bildungsbereich informierte die Stiftung auf einer Tagung zum Thema freie Schulen in Brandenburg.




Im Rahmen ihrer Bildungsinitiative pro Kopf lud die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit Eltern, Pädagogen, Kommunalpolitiker und Schulvertreter nach Teichland bei Cottbus ein, um über freie Schulen in Brandenburg zu informieren und zu diskutieren.

In seinem Vortrag referierte Christoph Schröder, Vorsitzender der Arbeitgemeinschaft freier Schulen in Brandenburg, über die Entwicklung, die rechtlichen und finanziellen Bedingungen sowie über pädagogische Konzepte von Privatschulen. Es müsse betont werden, so Schröder, dass die Gründung freier Schulen kein privates Vergnügen einiger Bürger sei, sondern ein Grundrecht ist: Das Recht zur Errichtung von privaten Schulen ist gewährleistet. Diese unterstehen dem Landesrecht (Art. 7 Grundgesetz). Derzeit würden 5% aller Schülerinnen und Schüler in Brandenburg auf die ca. 100 allgemein bildenden Schulen in freier Trägerschaft gehen. Über 20 Genehmigungsanträge lägen für das Schuljahr 2007/2008 vor: „Hier muss man von einem regelrechten Gründungsboom sprechen!“, so Schröder.

Schröder
Auch die finanzielle Hilfe durch den Staat wurde verfassungsgerichtlich garantiert (im Jahr 1987). Dennoch würden freie Schulen wettbewerbsrechtlich den staatlichen Schulen nicht gleichgestellt sein. Freie Schulen finanzieren sich aus Eigenmitteln, staatlichen Finanzhilfen sowie den Schulgeldern. Die ersten drei Schuljahre muss eine freie Schule komplett vorfinanzieren. Die Finanzhilfe des Staates wird danach anteilig für Personalkosten geleistet, so dass ca. 65% der Personalkosten gedeckt werden. Die übrigen 35% der Personalkosten, die gesamten Immobilien- und Betriebskosten sowie Sachkosten müssten die Schulen selbst tragen.
Diese Rahmenbedingungen gelten für alle freien Schulen gleichermaßen, unabhängig davon, welche pädagogischen Konzepte sie verfolgen. Über eine Auswahl erfahren Sie mehr in den Broschüren der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.

Trotz des rechtlichen Garantiestatus, des Gründungsbooms und des Schülerandrangs stehen Brandenburgs freie Schulen von Seiten der Schulverwaltung unter Beschuss: Schleppende oder ablehnende Schulgründungsverfahren, ideologische Bedenken sowie Aussagen der Schulverwaltung, dass es nicht sein könne, dass staatliche Schulen geschlossen würden und private öffneten. Einige Kritiker sprechen sogar davon, dass Eltern Rattenfängern erlegen seien, wenn sie ihre Kinder auf freie Schule schicken würden, so Schröder. Ressentiments, die verkennen, dass freie Schulen eine Bereicherung für das Bildungswesen darstellen und dass durch diese Schulen auf dem Land gesichert werden können.

Im anschließenden Podiumsgespräch stellten Vertreter freier Schulen ihre Sicht zur Lage von Privatschulen in Brandenburg dar.

Annerose Steinke, Evangelische Schulstiftung, schilderte ihr Engagement mit 22 freien Schulen in Berlin und Brandenburg. Sie betonte, dass ihre Schulen religiös gemischt seien. Im Durchschnitt lägen die Schulgeldkosten monatlich bei 45 Euro. Sozialbedürftige müssten kein Schulgeld zahlen. Bei der Auswahl der Schüler (je Schulplatz vier Bewerber) komme es im Wesentlichen darauf an, ob das jeweilige Schulkonzept auf den Schüler passe.
Jede Schule brauche nicht nur entsprechende Ressourcen, sondern vor allem engagierte Lehrer und „tolle Eltern“ sowie gesellschaftliche Vertreter, die die Schulen als Potential begreifen. Problem in Brandenburg sei es, Lehrer zu finden.

Platen, Steinke, Grune, Grube (v.l.)
Dr. Kristof von Platen betreibt seit 1994 die Privatschule Villa Elisabeth und sieht im Bildungsbereich auch einen Standortfaktor. Eltern, die ihre Kinder auf freie Schulen schicken würden, gründeten überdurchschnittlich oft in der Nähe der Schule Unternehmen. Schulen in der Gemeinde garantierten zudem den Nachwuchs an Fachkräften. Dieses Zusammenspiel von Gesellschaft, Staat und Schulen funktioniere in Ländern wie der Schweiz, Frankreich oder Österreich viel besser. „Von denen könnten wir noch etwas lernen.“ In Deutschland unterliegen wir immer noch moralischen Sperren. „Warum zahlen alle viel Geld an den Staat (!) für Kita- und Hortplätze? Sobald es jedoch um Schulgeld geht, wird die Diskussion ideologisiert und privaten Anbietern die Kompetenz der Bildung aberkannt“, meinte von Platen. Ziel müsse es sein, Schüler so weit zu bilden, dass sie wettbewerbsfähig sind.

Christian Grune, Freie Schule Wolterdorf (in Gründung), betrachtet das Engagement und die Initiativen von Eltern als zentral. Aus einer Elterninitiative sei auch die Idee geboren worden, eine private Grundschule in Woltersdorf zu gründen. „Wir brauchen eine Schule für unsere Kinder.“ Und damit meinte er nicht irgendeine Schule, sondern eine Schule, die Kinder fördert und fordert. Grune kritisierte, dass Formalia und Regularia der Schulverwaltung über pädagogischen Konzepten stünden. Eine Schulgründung sei ein reiner Verwaltungsakt: Ob die Schule gut ist, interessiere niemanden!

Bezüglich einer Frage der Moderatorin Gabi Grube zur Entwicklung freier Schulen in Berlinfernen Regionen, erläuterten die drei Vertreter, dass es neue Konzepte geben müsse. Von Platen sprach von Schulkonzepten für größere Räume. Dabei dürften staatliche Schulen mit einzügigen Klassenstufen nicht ausgeschlossen werden. Steinke betonte die Einbindung der örtlichen Unternehmer und Grune forderte, dass es mehr Freiheiten für die Eltern geben müsse.

Abschließend formulierte Dr. Kristof von Platen, Präsident der Union europäischer Privatschulen, liberale Forderungen an die Brandenburger Bildungspolitik:
1) Der Bildungsbereich braucht mehr Wettbewerb. Die genehmigende Behörde dürfe den Wettbewerb nicht bestimmen.
2) Die Bildungspolitik muss entideologisiert und verstetigt werden. Jährlich neue Schulgesetznovellen stören die Schulen und damit die Entwicklung der Kinder.
3) In einem freien Land muss eine freie Schulwahl garantiert sein.
4) In Europa gibt es gute Beispiele: Wir müssen über den Tellerrand schauen und auch die Bedingungen übernehmen, nicht nur auf die Ergebnisse schielen.
5) Public Private Partnership ist ein Ansatz, die Gesellschaft umfassend in den Bildungsprozess einzubinden und Ressentiments abzubauen.
6) Die Grundrechtsgarantie für freie Schulen darf nicht weiter ausgehöhlt werden.
7) Die Eigeninitiative und das Engagement von Eltern müssen befördert werden.

Auch nach der Veranstaltung diskutierten die Teilnehmer der Veranstaltung rege mit den Podiumsteilnehmern. Dass das Thema in Brandenburg äußerst aktuell ist, zeigte die ausführliche Presseresonanz in allen Brandenburger Tageszeitungen.

Michael Gold
Büro Berlin-Brandenburg

Die Tagung wurde mit öffentlichen Mitteln gefördert.




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