Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit - Ein Buch, das nicht erscheinen durfte [Druckversion]
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Ein Buch, das nicht erscheinen durfte
Ein Werk, das sein Autor nicht beendete, mit dem er scheiterte, das zeigt, dass Kunst und Künstler Freiheit zur Entfaltung brauchen: Werner Bräunigs „Rummelplatz“.
Ein Liberaler war er nicht, er war ein Arbeiter und Sozialist, der die Ziele der jungen DDR vertrat. Und dennoch wurde er aufgrund dieser Ideale seiner publizistischen Ader, seines literarischen Anspruches beraubt. Werner Bräunig wurde mit der DDR ein großer Arbeiter-Schriftsteller. Und er wurde von den „Großen“ der DDR verstoßen, niedergemacht, was in seiner Selbstzerstörung gipfelte.
Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und die Stadt- und Landesbibliothek Potsdam luden im Rahmen der Reihe „BuchAKTUELL“ zur Lesung von Bräunigs Rummelplatz ein. Die Herausgeberin Dr. Angela Drescher und Schauspieler Frank Arnold stellten den Roman vor, welcher ein Panorama vom Nachkriegsdeutschland (Ost und West) zeigt.
Drescher beschrieb Bräunig (geb. 1934) als einen Autor, dem durch sein Leben der Stoff für sein Buch zugewachsen sei. Doch dieses Leben konnte sie bis heute nicht vollständig rekonstruieren, ist es doch durch große Sprünge geprägt. Vom Hilfsarbeiter auf Rummelplätzen, vom Bergarbeiter in der Wismut, als Arbeiter in einer Papierfabrik, als Verurteilter und Verhafteter wegen Schwarzhandels usw. Dieses „Arbeiterleben“ steht im Kontrast zu seinem Schriftstellerleben, bildet aber zugleich die Basis, den Stoff seines Schaffens. Entdeckt und gefördert, absolviert Bräunig ab Mitte der 1950er Jahre ein Studium am Literaturinstitut Johannes R. Becher, hält eine programmatische Rede auf der 1. Bitterfelder Konferenz (1959), in der er die Ideale des Arbeiterstaates verteidigt und dort als schriftstellerisches Ideal präsentiert wird. Mit knapp 30 will er den großen Roman über die Nachkriegszeit schreiben: Rummelplatz.
Bereits 1965 ist er mit dem GROSSEN gescheitert, so Drescher. Für Ulbricht und Honnecker bildete das Manuskript Bräunigs nicht die Wirklichkeit ab, es verzerrte die Realität und beleidigte die DDR-Arbeiter. Bräunig wurde vom Thron des Arbeiterschriftstellers gestoßen und zum negativen Beispiel degradiert. Er, der die sozialistische Kritik nicht verstand, sondern literarisch argumentierte, verlor sein Selbstvertrauen. Bräunig wurde denunziert, durfte nicht mehr als Dozent lehren. 1976 starb er als gebrochener Mann, vermutlich in dem Bewusstein versagt zu haben, konstatierte Drescher.
Der Roman „Rummelplatz“ lebt von seiner beschreibenden Kraft, das Alltagsleben der Bergarbeiter darzustellen: Ungeschönt, aber literarisch brillant. Doch diese Brillanz erstrahlt erst heute wieder, nachdem das Werk bereist in der fünften Auflage eine breite Leserschaft erreicht. Bräunigs Leben verdeutlicht: Kunst und Künstler brauchen Freiheit, die nur eine liberale Gesellschaft gewährleisten kann.
Michael Gold
Büro Berlin-Brandenburg
Die Veranstaltung wurde mit öffentlichen Mitteln gefördert.
Werner Bräunig: Rummelplatz, Aufbau Verlag, 24.95 €
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