Heiße Eisen in der Kommunalpolitik
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| Lanfermann |
Wirtschaftliche Betätigung von Kommunen
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| Teuteberg |
Die Neufassung der hiesigen Gemeindeordnung sieht allerdings die Möglichkeit für Kommunen vor, sich auch außerhalb des Gemeindegebietes zu betätigen. Dies sei aus liberaler Sicht, so Teuteberg, eine Fehlentwicklung.
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| Kooths |
In einer Marktwirtschaft ist der Preis der Wertmesser eines Gutes. Anhand des Preises kann man auch im Wortsinne Äpfel und Birnen vergleichen. Tritt jedoch der Staat als Unternehmer auf, werden Preise verzehrt, was letztlich zu einer Verschwendung von Ressourcen führt. Denn der Staat (steht hier auch für Kommunen) spielt mit ungleichen Methoden im Vergleich zu freien Unternehmen: Er kann aufgrund unseres Rechtssystems beispielsweise nicht in Konkurs gehen. Kooths sieht keine Notwendigkeit für den Staat, sich unternehmerisch zu betätigen. Selbst frühere natürliche Monopole wie Post und Telekommunikation sind gefallen. Heute sollte der Staat nur noch die Nachfrage organisieren. Es ergeben sich eine Reihe eklatanter Ordnungsprobleme:
1) Vermengung von Allokations- und Distributionsaufgaben („Sozialtarife“)
2) Profitabilitätsproblem
- bei Überrenditen werden andere Bereiche quersubventioniert
- bei Unterrenditen kommt es zur Ressourcenverschwendung
- bei Normalrenditen gibt es ein Legitimationsproblem ggü. freien Unternehmen
3) Schaffung künstlicher Monopole: Marktabschottung
4) Interessenkonflikte: Spieler (Staat als Unternehmer) als Schiedsrichter (Staat als Gesetzgeber)
5) Wettbewerbsverzerrung
6) Personalpolitik: Verfilzungsgefahr
Kontrovers wurde die These von Dr. Kooths diskutiert, der Staat solle beispielsweise lieber eine unwirtschaftliche Buslinie schließen und den bisherigen Nutzern über Transferzahlungen oder Steuererleichterungen den Unterhalt eines Autos oder die Taxifahrt ermöglichen. Leere subventionierte Busse auf dem Land seien auf Dauer ökonomisch nicht vernünftig.
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| Rocher |
Das Problem für die Kommunalpolitiker ist das Loslassen bzw. das Überdenken von bisherigen Aufgaben, die die Kommunen ihren Bürger anbietet. Beispielsweise ist bei freien Trägern der Kitas der Einfluss der Gemeinderäte im Vergleich zu staatlichen Kitas sehr gering. Manche Dinge müssen auch erst durch staatliche Subvention angeschoben werden, z.B. Gewerbegebiete. Die „reine Lehre“ von Dr. Kooths sei zwar richtig, in der Praxis aber nicht durchzuhalten, so Rocher. So handelt jeder der zwölf liberalen Bürgermeister anders, um den Ansprüchen seiner Kommune gerecht zu werden.
Kreisgebietsreformen – erfolgreich oder gescheitert?
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| Theel, Schmitz (v.l.) |
Ein Kostenausgleich zwischen den Kommunen konnte nicht erreicht werden. Auch ist die Funktionalreform ist nicht völlig gelungen: „Ob eine substantielle Reform zum 1. Januar 2009 kommt, ist fraglich“, so Theel.
Rechtsanwalt Michael Schmitz beleuchtete anschließend den Versuch einer Kreisgebietsreform in Mecklenburg-Vorpommern. Das Land, das 1990 aus drei DDR-Bezirken gebildet worden war, hatte damals 32 Landkreise. 1994 wurden diese bereits „geräuschlos“ auf 12 reduziert. Von der SPD-PDS-Regierung wurde eine weitere Reduzierung auf nur noch 4 Großkreise angestrebt. Aufgrund des Widerstandes der Rüganer ging man 2002 mit einem Gesetz, das fünf Kreise vorsah, in die Beratungen.
Dieses Gesetz wurde von fünf kreisfreien Städte und elf Landkreisen sowie der CDU-Fraktion angefochten. Das Landesverfassungsgericht erklärte 2007 das Gesetz mit der Begründung für verfassungswidrig: Ein Kreis dürfe nicht so groß sein, dass der ehrenamtlich tätige hunderte von Kilometern fahren müsse. Damit war das Gesetz erst einmal gescheitert. Wie es in Mecklenburg-Vorpommern weitergeht, ist vorläufig offen.
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In seinem Abschlussplädoyer ermutigte der Brandenburger VLK-Vorsitzende Raimund Tomczak die Bürgerinnen und Bürger, sich vor dem Hintergrund der Kommunalwahlen in 2008 stärker zu engagieren. Dann könnten sie mitentscheiden, ob und wie die Kommunen als Unternehmer auftreten. Die Thematik „Kreisgebietsreform“ bot die Möglichkeit, sich die Erfahrungen anderer Bundesländer anzuhören und Ideen für die unausweichliche Diskussion in Brandenburg zu sammeln. Aus liberaler Sicht, konstatierte Tomczak, sind beide vorgestellten Reformwege nicht ideal.
Heiko Krause, Liberales Forum
Michael Gold, Büro Berlin-Brandenburg
Die Tagung wurde mit öffentlichen Mitteln gefördert.
Fotos: Lorenz Becker, Das Rathaus
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