V. Truman-Lecture
Der Autor des Buches „Power and Mission – Was Amerika antreibt“ und USA-Kenner, Prof. Detlef Junker, hat im Truman-Haus der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit einen Vortrag zum „Sendungsbewusstsein Amerikas“ gehalten. Der Professor vom „Heidelberg Center for American Studies“ betonte darin, dass der Einfluss der christlichen Rechten in Fragen der amerikanischen Innen- und Außenpolitik sehr stark geworden sei. Einer der bedeutendsten Historiker der USA, der jüdische Historiker deutscher Herkunft Fritz Stern, behaupte sogar, „Amerika nähere sich einer christlich-fundamentalistischen Plutokratie“, so Junker.
Dr. Irmgard Schwaetzer, ehemalige Bundesministerin und Vorstandsmitglied der Stiftung, stellte Junker als einen „Fachmann auf beiden Seiten des Atlantiks“ vor. In ihrer Begrüßungsrede erinnerte sie daran, dass „die Freiheit der Sendungsanspruch der USA“ sei, mit dem diese auch militärische Auslandseinsätze begründeten. Federführend in der Außenpolitik seien in der Bush-Administration die evangelikalen Christen, die den Freiheitsanspruch beinahe zur Quasi-Religion erheben. Fundamentalismus und Freiheit „klingt jedoch wie ein Gegensatz“, bemerkte Schwaetzer und begründete damit auch das große Missverständnis im europäischem und amerikanischem Denken.
Prof. Detlef Junker griff zu Beginn seines Vortrags die Politik der Regierung unter Präsident George W. Bush auf. Er bezeichnete den US-Präsidenten als einen „Gotteskrieger im Namen der Freiheit“, ausgestattet mit einem „zivilreligiösen Sendungsbewusstsein“. Er verwies auf die einflussreichen Zeitschrift „Foreign Affairs“, die einem Artikel feststellte, dass die evangelikale Bewegung ihr Potenzial nutzt und „die Konfliktlinien in den USA auflädt und sogar die amerikanische Weltpolitik wie selten zuvor mitprägt“.
Eine derartige Schnittmenge aus religiösem Antrieb und politischer Umsetzung ist in Deutschland nur schwer vorstellbar. Daher müsse man sich bewusst machen, welchen Stellenwert und welche Funktion die Religion in den USA besitze, betonte der Amerika-Experte. „Die amerikanische Frömmigkeit ist eine Meile lang und einen Zoll tief“, so Junker. So hätten in Umfragen 90 Prozent der Amerikaner erklärt, sie würden an Gott glauben. Der große Unterschied bestehe jedoch darin, „an welchen Gott man glaubt“. Die Dreifaltigkeit „Gott, Vaterland, Freiheit“ halte die „fragmentale amerikanische Gesellschaft zusammen“. In der Frage, welcher Konfession man angehöre, herrsche hingegen große Freiheit. Wie sehr von Gott durchdrungen die amerikanische Öffentlichkeit sei, erläuterte Junker am Beispiel der „Mega-Churches“, riesiger Erweckungstempel, und am Beispiel von „pray-TV“, landesweit übertragene Liveschaltungen aus den Messen.
Fast 20 Prozent der US-Bürger definieren sich als Teil einer politisch-religiösen Bewegung, die als Lobby-Gruppen in den vergangenen Jahren hohe Aufmerksamkeit erfahren haben. Auch sagen 32 Prozent der Amerikaner, dass die Bibel einen größeren Einfluss auf die amerikanische Gesetzgebung haben sollte als der in Wahlen festgestellte Willen des amerikanischen Volkes. Diese zivilreligiöse Kittmasse der amerikanischen Gesellschaft erlaube es der Politik „die Trennung von Staat und Kirche zu unterlaufen“, so Junker. Das habe Bush auch ermöglicht, vor dem Krieg gegen den Irak von einem Krieg „im Namen Gottes“ zu sprechen. Ebenfalls ein integraler Bestandteil dieses Fundamentalismus’ sei der Manichäismus der Bush-Administration. Demnach bezeichnet sie die Welt als einen „Schauplatz eines kosmischen Kampfes zwischen Gut und Böse - Grautöne, gar mehrere Wahrheiten, gibt es nicht“.
Gerade in der Außenpolitik und speziell in der Nahost-Politik ließen sich demnach klare Handlungsmuster erkennen. Doch werden die USA bald merken müssen, dass sie im Irak und in Afghanistan „scheitern“, stellte Junker fest, schließlich könne man Amerikas Kernwerte „liberty und property nicht mit Gewalt verbreiten“. Es sei jedoch zu befürchten, dass sich die amerikanische Rechte ihren „utopischen Überschuss nicht durch die schlechte Realität verderben lassen“ wolle. Sie machen wohl weiter, schließlich waren die USA „nie eine Macht des status quo“, erklärte Junker. Abschließend stellte er fest, dass im Nahostkonflikt „dem islamischen Fundamentalismus eine Minderheit christlicher und jüdischer Fundamentalisten in den USA gegenüber steht“. Der Konflikt könne seiner Meinung nach daher „nur durch weltliche, pragmatische Machtklugheit gelöst werden“.
In der anschließenden Diskussion wurden die Aspekte Anti-Amerikanismus, Liberty & Property sowie die Kontinuität der Bush-Politik gegenüber dessen Vorgänger angeregt diskutiert.
Fabian Heuser
Universum Verlag GmbH
Die Veranstaltung wurde mit öffentlichen Mitteln gefördert.
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