Mit Mut gegen die Bildungsarmut
| Begrüßung |
„Die Luft zum Atmen wird dünn“
Die Podiumsdiskussion, die von Claudia Henne vom rbb Kulturradio moderiert wurde, zeigte, dass im Bereich der kulturellen Bildung innerhalb der Bezirke viel getan wurde und auch weiterhin getan werden wird. Es wurde deutlich, dass alle Bemühungen und Initiativen nicht ausreichen, wenn der Staat nicht fördernd und unterstützend eingreift und angemessene Rahmenbedingungen schafft.
| Kolland |
Christina Emmrich, Bezirksbürgermeisterin des Bezirks Berlin-Lichtenberg, bestätigte diese Auffassung. Schon lange müssten die Bezirke mit den ihnen zugewiesenen, jährlich knapper ausfallenden Mitteln des Senats haushalten. Dabei sei ihnen zum überwiegenden Teil vorgeschrieben, wie das Geld auszugeben sei. Ein freier Entscheidungsspielraum, wie er eben auch für die Gestaltung des kulturellen Angebots nötig sei, wäre nicht gegeben. Ebenso würde der frei verfügbare Anteil der Globalmittel jährlich sinken. Der Bezirk versuche trotzdem, Schwerpunkte zu setzen: So sei es gelungen, vier von 13 Bezirkbibliotheken vor der Schließung zu retten und kontinuierlich auf einem aktuellen Bücherbestand zu halten. Gleichzeitig plant der Bezirk das „Musikkonzept 2010“, mit dem es jedem Kind über 3 Jahren ermöglicht werden soll, einmal pro Woche kostenfrei Musikunterricht zu erhalten.
| Meyer |
Oliver Schruoffeneger, haushalts- und entwicklungspolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus von Berlin beklagte mangelnde Debatten in der Politik über Kulturelle Bildung und Kulturpolitik, die über die Hauptverwaltungsebene hinausgehen. Gleichzeitig kritisierte er den Senat, der offenbar den Wert der Kultur gerade in einer Stadt wie Berlin, die Anziehungspunkt hauptsächlich wegen ihrer Kultur sei, nicht verstanden habe. Weiterhin bemängelte Schruoffeneger den neuesten Integrationsbericht des Senats, in dem der Kultur auf Bezirksebene kaum Beachtung geschenkt werde, ebenso wenig der Integration. Kolland ergänzte, dass es geradezu widersinnig sei, dass in dem Bericht als Beispiel für Kulturförderung lediglich das Haus der Kulturen der Welt sowie die Projekte des durch das Auswärtige Amt finanzierte ifa anzuführen: Initiativen und Projekte der Bezirke wurden jedoch vollkommen vernachlässigt. Dies zeige die katastrophale Situation und das mangelnde Verständnis der Regierung für Kulturförderung.
| Lange, Henne |
„Um Kultur zu erhalten, braucht es kulturell gebildete Leute.“
| Podium |
Es sei ein Umdenken von der „Kästchenpolitik“ hin zu neuen Wegen und Strategien vonnöten, damit strukturell kulturelle Bildung gefördert werden kann. Schließlich gelte es, Menschen zu bilden, die später in der Lage seien, Kunst und Kultur zu erhalten und zu fördern. Zudem komme der Verantwortung und dem Engagement der Bürger der Bezirke eine besondere Bedeutung zu. Man müsse dieses ernst nehmen und fördern. Ein Beispiel für positives Bürgerengagement seien die Bürgerstiftungen, bei denen Menschen Zeit für gemeinnützige Zwecke spendeten.
Die anschließende angeregte Diskussion mit dem Publikum zeigte, dass das Thema auf großes Interesse bei den Berlinern trifft und machte den Bedarf an Folgeveranstaltungen deutlich.
Die Veranstaltung fand im Rahmen der Bildungsinitiative pro Kopf statt und wurde mit öffentlichen Mitteln gefördert.
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