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Cornelia Schmalz-Jacobsen: Hugo Preuß - Zur Aktualität eines »liberalen Klassikers«

Cornelia Schmalz-Jacobsen,
Senatorin a.D., Mitglied im Kuratorium der
Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.


Das Erscheinen des Auftaktbandes zur Reihe der »Gesammelten Schriften« von Hugo Preuß ist ein Grund zur Freude. Freude zunächst einmal darüber, dass unsere Stiftung diese Veröffentlichung unterstützt hat und damit auch ein wenig Wiedergutmachung an Hugo Preuß geleistet hat. Bekanntlich sind ja unsere liberalen Vorfahren nicht wirklich angemessen mit diesem großen Denker und Liberalen umgegangen. Sicherlich war er unter den organisierten Liberalen des ausgehenden Kaiserreiches und der beginnenden Weimarer Republik aufgrund seiner Herkunft und seines Habitus immer ein wenig ein Außenseiter. Anders ist es wohl kaum zu erklären, dass man diesem engagierten Freisinnigen mehrmals einen aussichtsreichen Platz bei Reichstagswahlen verwehrte und er – der »Vater der demokratischen Reichsverfassung« – mit einem Mandat im Preußischen Landtag vorlieb nehmen musste. Auch dort hat er – neben seiner kommunalpolitischen Tätigkeit – Hervorragendes geleistet, aber dies war doch nicht der rechte Zuschnitt für einen Mann wie ihn. Selbstkritisch muss man festhalten, dass Hugo Preuß in dieser Hinsicht kein Einzelfall gewesen ist, und sich die Liberalen – wie alle anderen Parteien übrigens auch – bis heute mit politischen Seiteneinsteigern, die nicht die so genannte Ochsentour durchlaufen, schwer tun. Umso erfreulicher also, dass unsere Stiftung ein wenig dieser »historischen Schuld« abtragen konnte.

Es ist nun aber keineswegs dies allein, was ein Grund zur Freude ist. Vor allem ist es die Tatsache, dass der Beginn dieser »Gesammelten Schriften« einen guten Anlass bietet, einen sehr wichtigen und originellen Vordenker des Liberalismus – von denen es in Deutschland nicht gar so viele gegeben hat – wiederzuentdecken. Denn gewissermaßen verdeckt der »Schöpfer der Reichsverfassung« – so war der Nachruf in der »Hilfe« überschrieben, den Gertrud Bäumer verfasst hat – einen aus heutiger Sicht weit wichtigeren Teil der politischen Ideenwelt von Hugo Preuß. Selbst die Liberalen haben ihn vor allem in seiner Funktion als Urheber der Weimarer Verfassung in Erinnerung behalten, davon zeugen beispielsweise die Erinnerungswerke von Theodor Heuss oder Werner Stephan, die beide Hugo Preuß noch erlebt haben. Es ist der Hugo Preuß von 1918/19, vom Beginn der Weimarer Republik, dessen – wenn überhaupt – heute noch gedacht wird.
Dabei werden aber ganz wichtige und hoch moderne Elemente seines politischen Denkens ausgeblendet. Das war eigentlich auch schon Theodor Heuss bewusst, als er 1926 einige Schriften und Texte von Preuß unter dem Titel »Staat, Recht und Freiheit. Aus 40 Jahren deutscher Politik und Geschichte« edierte. Da kann man nämlich von Heuss im Vorwort lesen: Die eigentliche »Summa« im Werk von Preuß bilde der Band »Die Entwicklung des deutschen Städtewesens« von 1906 – also weit vor dem Verfassungswerk –, obwohl es ein Torso geblieben sei und nicht über den ersten Band hinausgekommen wäre, wie Heuss zugab. Umso erstaunlicher ist dann, das in seinen über drei Jahrzehnte später entstandenen »Erinnerungen« für Heuss Hugo Preuß, der Vordenker der Selbstverwaltung, hinter Hugo Preuß, dem Verfassungsvater, so sehr zurücktrat. Dies lässt sich übrigens schon in der der dazwischen entstandenen Naumann-Biographie beobachten, wo Preuß auch erst im Umfeld der Novemberrevolution auftritt, obwohl er nachweislich bereits etliche Jahre zuvor für Naumanns »Hilfe« geschrieben hat und somit mit Naumann längst vor dem Ersten Weltkrieg in Kontakt gestanden haben muss.


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