Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit - Stipendien: 35 Jahre für den liberalen Nachwuchs [Druckversion]
Stipendien: 35 Jahre für den liberalen Nachwuchs
Die Begabtenförderung stand im Mittelpunkt der Weimarer Tagung der Vertrauensdozenten und Auswahlausschussmitglieder der Stiftung.
Das Wohnhaus Goethes am Frauenplan in Weimar
Im 50. Stiftungsjahr feiert die Begabtenförderung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit ihren 35. Geburtstag! Aus diesem Anlass trafen Vertrauensdozenten und Auswahlausschussmitglieder zu einer Konferenz in Weimar zusammen. Seit 1973 wurden über 5.000 Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler von der Stiftung gefördert. Derzeit erhalten über 700 deutsche und ausländische Promovierende und Studierende ein Stipendium der Stiftung und profitieren von der umfangreichen ideellen und materiellen Förderung. Vertrauensdozenten beraten die StipendiatInnen an den Hochschulorten fachübergreifend und geben wertvolle Tipps zur weiteren persönlichen Entwicklung des Nachwuchses.
Irmgard Schwaetzer
In ihrer Eröffnungsrede betonte Irmgard Schwaetzer, Vorstandsmitglied der Stiftung und Vorsitzende des Auswahlausschusses, dass das Ziel der Begabtenförderung seit ihrem Bestehen gewesen ist, begabte junge liberale Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler zu fördern, „um eine Elite mit überdurchschnittlichem Engagement in der Gesellschaft zu schaffen.“ Sie bedankte sich bei den Vertrauensdozenten und Auswahlausschussmitgliedern für ihren ehrenamtlichen und engagierten Einsatz für die StipendiatInnen.
Karl-Heinz Hense, Bereichsleiter Politische Bildung und Begabtenförderung, erinnerte in seiner Begrüßung daran, dass es eine bewusste Entscheidung gewesen sei, die Begabtenförderung in die politische Bildung zu integrieren, um die ideelle Förderung stärker mit der Theodor-Heuss-Akademie, dem Regionalprogramm und der Virtuellen Akademie zu vernetzen.
Rhetorisch brillant und in der Argumentation bisweilen recht provokant zeigte Wolfgang Kersting, Professor für Philosophie an der Universität Kiel, seine Gedanken zu Grenzen und Chancen der Freiheit auf. Dabei charakterisierte er die Freiheitswachstumsgesellschaft, in der wir leben – die aber auch bedroht ist: Wissenschaftlich-technischer Fortschritt eröffne einerseits wachsenden Entscheidungsbedarf und -möglichkeiten des Individuums, führe anderseits aber zu einer Schwächung und Rechtsfertigungslast des Einzelnen. Dies erfordere, dass sich die Individuen auf ihr „ich“ als Handelnde besinnen, und das unpersönliche „man“ aus dem Sprach- und Handlungsgebrauch tilgen müssten.
Einen äußerst aufschlussreichen Einblick in 35 Jahre Stipendiatenförderung ermöglichte eine Gesprächrunde aus ehemaligen Leitern der Begabtenförderung. Klaus Pfnorr, Gründungsreferent, schilderte unter welchen Bedingungen die Abteilung konzipiert wurde und mit zwölf StipendiatInnen startete. Die stärkere Bindung der Stipendiaten an die Stiftung war eine der Aufgaben von Karl Weißenborn, in dessen Amtszeit die Gründung des Verbandes der Stipendiaten und Alt-Stipendiaten (1987) fiel. Hartmut Knüppel blickte kritisch zurück und berichtete von der Notwendigkeit der Konsolidierung Anfang der 1990er Jahre. Er versuchte die Begabtenförderung als Querschnittsaufgabe innerhalb der Stiftung auszubauen und die Alt-Stipendiaten-Betreung, sein „Steckenpferd“, voranzubringen. Marie-Luise Wohlleben, erst 2007 aus der Stiftung ausgeschieden und über 15 Jahre Teil der Begabtenförderung, unterstrich den menschlichen Aspekt der Arbeit. „An Menschen glauben!“, war ihr Leitspruch und somit auch der Beginn der Selbstorganisation der StipendiatInnen in Arbeitskreisen, Initiativen, im Orchester, der Fußballmannschaft usw.
Das aktuelle Stipendiatenprogramm und Ziele der Begabtenförderung für die nächsten Jahre präsentierte Petra Weckel, Leiterin der Begabtenförderung. Sie stellte dar, dass aufgrund des Mittelaufwuchses künftig deutlich mehr Studierende als in den letzten Jahren unterstützt werden könnten. In diesem Zusammenhang wies sie unter anderem auf das Probestipendium hin, für das sich Jugendliche bereits zum 1. Semester bewerben könnten. Beispielhaft für die Aktivitäten der Stipendiaten hob Petra Weckel den Fotowettbewerb „Momente der Freiheit“ hervor. Dieser wird unter der Schirmherrschaft von Sabine Christiansen anlässlich des 50jährigen Bestehens der Stiftung von den Stipendiaten organisiert.
Die Konferenz gewährte den Teilnehmenden darüber hinaus einen Einblick in die Vielfalt des stipendiatischen Engagements. Stipendiaten und Alt-Stipendiaten beleuchteten ihr Engagement, formulierten aber auch ihre Wünsche an die Vertrauensdozenten. Diese diskutierten in Arbeitsgruppen, wie beispielsweise die ideelle Förderung weiterentwickelt, internationale Aspekte ausgebaut und das Angebot für naturwissenschaftlich-technische Studierende und Promovierende gestaltet werden kann.