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Ferienakademie "Interkulturelle Kommunikation"

Die thematische Breite, die wichtigen Beiträge der Teilnehmer und vor allem die zwischen-menschliche, interkulturelle Kommunikation lassen sich nicht vorherbestimmen. Trotzdem war nicht nur die diesjährige Ferienakademie ein voller Erfolg, auch der erste Vortag von interkultureller Kommunikation bei der Bundeswehr ließ bereits anklingen, das es nicht um einen klassischen Zugang zum Thema geht.

Die Ferienakademie war länger, intensiver und für einige von uns hat es nicht nur den Horizont erweitert, sondern wirklich etwas geändert im Leben, im interkulturellen Verständnis, es hat „click“ gemacht. Nach den Beispielen interkultureller Kommunikation bei der Bundeswehr, sicherlich nicht der progressivsten deutschen Institution im Bereich interkultureller Kommunikation, setze Peter Schröder am nächsten Morgen wichtigen Akzente. Gespickt mit seiner persönlichen Erfahrung aus der internationalen Strategieberatung stellte er wichtige kulturelle Erfahrungen vor und machte den Auftakt für den vortragsgeladensten Tag der ganzen Woche. Von 9.00 bis 16.30 Uhr gab es Überblicke über die kulturbedingte Selbstwahrnehmung, Annäherungen an Interkulturelle Kommunikation von einer theoretisch-volkswirtschaftlichen Perspektive, sowie einen Vortrag zum christlichen Fundamentalismus in den USA.

Nach dem intensiven Tag bot ein Film mit dem kuriosen Titel „Das Fest des Huhns – Das unberührte und rätselhafte Oberösterreich“ willkommene Abwechslung und läutete die Infragestellung der eigenen kulturzentrierten Sichtweise ein, die das gesamte Seminar durchzog. Der Film stellt dar, wie ein afrikanisches Expeditionschor nach Österreich aufbricht und versucht die Rituale und Verhaltensweisen des „unberührten Bergvolks der Oberösterreicher“ zu enträtseln. Während normale Seminare nach drei Tagen bereits wieder enden, gewann die Ferienakademie nach dem zweiten Tag erst richtig an Fahrt.

Ein ganztägiges Handlungstraining des Zentrums für interkulturelles Management der Hochschule Bremen hatten die Organisatoren Johannes Beilharz, Astrid Kleis und Johanna Kuch für Dienstag, den dritten Tag vorgesehen. In kleinen Gruppen wurde über die Wahrnehmung von unterschiedlichen Ländern und ihren Kulturen diskutiert. Die Teilnehmer gaben ihre Erfahrungen aus China, Deutschland, Ghana, Russland, Senegal, Serbien, Tansania, Türkei, Weißrussland weiter. So lernte jeder Teilnehmer weit mehr als nur die theoretischen Ansätze kennen.

Highlight des Seminars war die Tagesfahrt nach Düsseldorf und Bonn. Den Auftakt machte der Besuch im Landesministerium für Integration. Anton Rütten, Leiter der Gruppe „Integration“, erläuterte Ziele, Hindernisse und Erfolge der Integration deutschtürkischer Bürger in NRW. Anschließend standen der Besuch des Landtags und die Diskussion mit dem Abgeordneten Christian Lindner MdL, in der FDP-Fraktion zuständig für Integration, auf dem Programm. Als krönenden Abschluss besuchte die Gruppe das Bundesministerium für Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) um über die Interkulturelle Kommunikation in der Entwicklungszusammenarbeit zu sprechen.

Fulminant wurde der vorletzte ganze Tag in der THA. Nach einer kontrovers diskutierten Einführung in das chinesische Denken zeigte sich, dass die Teilnehmer bereits viel Feingefühl für die Wahrnehmung von unterschiedlichen Denkmustern gewonnen hatten und sich mit einfachen Erklärungen des chinesischen Handelns nicht zufrieden gaben. Einzutauchen in eine andere Lebenswelt erlaubte der Vortrag über Wirtschaftskultur in Arabien, der die feinen Nuancen zwischen dem westlichen und arabischen Denken aufzeigte. „Mindblowing“ war dagegen das Impulsreferat über Afroismus in Deutschland. Vorgetragen mit einer unerwarteten Emotionalität, zwang der Vortrag viele Teilnehmer, ihre eigenen Positionen zu überdenken und alternative Sichtweisen anzunehmen. Ethnische Zugehörigkeit kann ein ganzes Leben entscheidend beeinflussen, und doch ist es „uns“ häufig gar nicht bewusst, in wie viele Denkvorgänge sich unsere kulturell geprägte Sichtweisen „einschleichen“.

Nach dem Vortrag war vor dem Vortrag. Durch die ausführlichen Diskussionen und Analysen im Anschluss an die Vorträge und in der gemeinsamen Freizeit war aus den einzelnen Teilnehmern eine Gemeinschaft geworden, wie sich eindrucksvoll am letzten Abend, dem Kulturabend, zeigte: Von serbischen Volksliedern über die russische Nationalhymne, chinesische Namen, getrommelte afrikanische Songs, ernste und frohe Gedichte der Integration und die Kunst, molekular zu kochen, ging die weite Reise. Ein weiteres Mal demonstrierten die Teilnehmer ihre kulturelle Vielfalt. So waren denn auch die immer wieder kritischen, hinterfragenden und erhellenden Beiträge der einzelnen Teilnehmer der größte interkulturelle Gewinn, den die meisten von uns mit nach Hause nahmen.

Die Teilnehmer verließen die Akademie mit dem Gefühl ein Experiment gemacht zu haben. Ein gutes! Ein erfolgreiches! Dieser Erfolg sollte die Hoffnung stärken, eine solche Veranstaltung öfter anzubieten. Interkulturelle Kompetenz ist gefragt und wird immer notwendiger in der globalisierten Welt.

Ibrahim Thiam, Felix Engelhardt, Hubertus Jürgenliemk

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