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Stefan Kapferer - Zu Gast bei Freunden

> Zwischenruf <

Stefan Kapferer, Mitglied der Redaktion.

Für die Regierung ist es eine wunderbare Gelegenheit, das Bild Deutschlands in der Welt zu verbessern. Kaum ein Land, das nicht mit großem Interesse auf dieses Sportereignis des Jahres schaut. Und Deutschland nutzt seine Chancen: Weltoffen gibt sich der Kanzler, friedliebend ist sein öffentliches Auftreten und verfolgte Minderheiten genießen für einige Wochen neue Freiheiten. Die Olympiade 1936 wird zum Propagandaerfolg der Nationalsozialisten.
Vor der Fußball-WM 2006 dominieren in Deutschland andere Töne. Schon seit längerem ist die Video-Überwachung von Stadionsitzplätzen eine Selbstverständlichkeit. Doch jetzt rüstet Fußball-Deutschland richtig auf: Panzergrenadiere sollen vor Fußballstadien aufmarschieren, Bratwurstverkäufer werden sicherheitsüberprüft, ob sie ihre Grillkünste in Al Qaida Lagern erlernt haben und ein Untersuchungsausschuss zu BND- und CIA-Praktiken muss verhindert werden, denn er gefährdet die Anreiselust unserer internationalen Gegner. Tu felix Austria, nimm die Gelegenheit wahr und lerne für die nächste Fußball- Europameisterschaft, wie Big Brother Deutschland solche Veranstaltungen zur Eigenwerbung nutzt. Und sollten die Italiener wieder ganz früh scheitern, der Top-Kandidat für Sicherheitsfußball und Abwehrriegel, in der Fachsprache als Catenaccio bekannt, heißt Wolfgang Schäuble. Eine weitere Karriere für den Bundesinnenminister als Fußballtrainer im warmen Süden würde zumindest Deutschland Einiges ersparen.
Vielleicht aber ist auch alles von der CSU gesteuert, um dem Abonnementmeister FC Bayern zu helfen. Schlechterdings vorstellbar, es gäbe nicht noch zum dritten Masseur der Nationalmannschaft von Togo einen Datensatz samt längeren Videoaufnahmen aus Pullach (geht es mit Hertha eigentlich bergauf, wenn der BND nach Berlin zieht?), der WM Botschafter Franz Beckenbauer zu "Überprüfungszwecken" zur Verfügung gestellt werden kann. Da fällt nebenbei vielleicht der eine oder andere Star für die Münchner Klubmannschaft ab.
Eines muss man dem Veranstalter aber fairerweise zugute halten. An seiner kompromisslosen Haltung hat Deutschland nie einen Zweifel gelassen. Wer demnächst als Stadiongast die Fußball-WM in einer Polizeizelle bei einem "Freund und Helfer" ausklingen lässt, der kann ja noch einmal über das treffende Motto nachdenken: "Die Welt zu Gast bei Freunden".

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