Jürgen Frölich
2000 erzielte die deutsche Nationalelf bei der Europameisterschaft ein Tor und erhielt einen Punkt, 2004 hat sie dieses Ergebnis glatt verdoppelt. Aber ist das der lange versprochene Aufschwung? Das Endresultat ist doch identisch: Aus in der Vorrunde, die Deutschen gelten als fußballerisches Mittelmass angesehen, der Trainer geht und die Perspektiven sind genauso mau wie vor vier Jahren! Aber: Immerhin sind wir amtierender Vize-Weltmeister. Doch Hand aufs Herz: War die WM von 2002 nicht irgendwie eine große Seifenblase, die mit viel Dusel sich aufblähte, um dann genauso schnell zu platzen wie die UMTS-Milliarden versickert sind? Der Wert dieses Titels hat sich in den jüngsten Spielen gezeigt.
Woran liegt die Misere? Sicherlich nicht an den sog. »deutschen Tugenden«! Die sind zwar wie bekannt nicht gerade besonders hip, aber sie können durchaus noch zum Erfolg führen; dies hat soeben ein Fußballzwerg wie Griechenland eindrucksvoll bewiesen. Die Ursachen dafür, dass die altgewohnten Tugenden hierzulande nicht mehr zum Tragen kommen, müssen woanders liegen. Vielleicht hilft ein historischer Rückblick: 1954 zum ersten Mal Weltmeister, 1974 und 1990 Wiederholung dieses Erfolges. Gibt es bei diesen Daten irgendwelche Gemeinsamkeiten? Die mannschaftliche Zusammensetzung ist es sicherlich nicht, ebenso wenig der Trainer/Teamchef (Herberger, Schön, Beckenbauer). Ähnliches gilt für die europäischen Erfolge 1972, 1980 und 1996, auch hier gibt es keine sportlichen Kontinuitäten im Nationalteam. Ist also die Suche nach Gemeinsamkeiten vergeblich?
Vollziehen wir einen Perspektivwechsel, vom Sport zur Politik. Was war da zu den genannten Daten los? 1954 und 1974 gab es immerhin an der Staatsspitze jeweils einen liberalen Präsidenten, 1990 und 1996 zumindest solche, die auch als liberal gelten könnten. Für 1972 und 1980 trifft dies aber nicht zu. Aber es wäre doch schön, wenn man für alle sechs Daten eine Gemeinsamkeit finden könnte; die Bundespräsidenten sind es nicht, auch nicht die Bundeskanzler. Aber, mit wessen Hilfe regierten sie? Adenauer mit Hilfe von CDU und FDP, Schmidt mit der von SPD und FDP, Kohl mit Hilfe einer CDU-FDP-Koalition und Willy Brandt? Mit der sozial-liberalen Koalition aus SPD und FDP! Das ist es! Wenn Deutschland fußballerische Triumphe feierte, dann waren die Liberalen mit an der Regierung. Offensichtlich wirkte sich eine Regierungsbeteiligung der FDP immer besonders befruchtend auf die nationalmannschaftliche Leistungsfähigkeit aus. Sie ist zwar keine Erfolgsgarantie, siehe etwa 1962 und 1984, aber ohne diese sieht es ganz schlecht aus, siehe 1958, 1968, 2000 und eben 2004.
Aber was bedeutet das für die kommende Weltmeisterschaft 2006? Im Grunde bleiben nur zwei Möglichkeiten, um die Chancen für unser Team zu optimieren: Entweder sollte der Bundestag umgehend aufgelöst oder aber die WM wird – vielleicht durch Volksentscheid - auf Oktober 2006 verschoben!
In jedem Fall sollte die FDP den Punkt Fussball-WM in ihr Programm aufnehmen und vielleicht daraus eine Kampagne machen. Mittelfristig könnte man auch über eine neue Interpretation des Kürzels F im Parteinamen nachdenken. Zumindest aber muss man dem Wähler klar machen, welche national-fussballerische Verantwortung er hat. Dass er 2002 in dieser Hinsicht vollkommen versagt hat, sollte dabei liberalerseits nicht verschwiegen werden. Freie Bahn für die wahre Fußballer Partei Deutschlands!
Jürgen Frölich, Mitglied der Redaktion.
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