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Individuell Fördern in der eigenständigen Schule!

So referierte am Freitag Abend Ulrich Thünken, Referatsleiter „Gesamtschulen“ im NRW-Schulministerium und jahrzehntelang einer der markantesten Verfechter des integrierten Schulsystems, über die Perspektiven der Gesamtschule im größten Bundesland. Nach einem historischen Überblick über das dem „statischen“ Gesellschaftsdenken verhaftete gegliederte Schulsystem des 19. und frühen 20. Jahrhundert legte er den (sozialdemokratischen) Reformzusammenhang der sechziger/siebziger Jahre dar, der zu lern- und bildungsintegrierenden Gesamtschulen geführt hat, die allerdings – so Thünken pointiert - ein Nebeneinander zweier Schulsysteme zur Folge hatte, das eher die jeweiligen Nachteile als ihre Vorteile potenziert.
Die Gesamtschul-kritische Position nahm am Sonntag Dr. Paul Reiter, Gesamtschullehrer, Personalrat und liberaler Bildungspolitiker, ein. Sein unverblümter Vortrag über die verbands- und bildungspolitischen Aspekte der pädagogischen Arbeit von Lehrerinnen und Lehrern in NRW ist diesem Bericht ebenso angehängt wie der Abschluß-Input („Bildungschancen für alle“) seines Lehrer- und Verbandskollegen Andreas Meyer.
Am Samstag-Vormittag ging es zunächst - am Beispiel Niedersachsen - um das Reformprojekt „Eigenständige Schule“. Der dafür zuständige Leiter der Steuerungsgruppe zur landesweiten Einführung und Kommunikation im niedersächsischen Kultusministerium,
Wolf-Dieter Hasenclever, ging von der These aus, dass 50 % des Wirtschaftswachstums bildungsbedingt seien und Deutschland angesichts der schwachen PISA-Ergebnisse bildungspolitisch von der Input- zur Output-Orientierung finden müsse. Dieser Weg wird durch das Reformprojekt „Eigenständige Schule“ mit mehr Autonomie im Budget- und Personal-Management sowie in der Unterrichtsgestaltung beschritten. Wolfgang Herbst, Leiter der Internatsschule Schloss Hansenberg konnte dafür ein mustergültiges, allerdings durch die besondere PPP-Struktur (Finanzierung durch das Land Hessen und Partner aus der Wirtschaft) geprägtes Beispiel geben. Am Nachmittag des zweiten Seminartages ging es dann verstärkt um den pädagogischen Lehr- und Lernzusammenhang Schule. Dr. Gudula Meisterjahn-Knebel, Leiterin des in privater Trägerschaft befindlichen Gymnasiums Schloß Hagerhof in Bad Honnef, gab Aufschluß über die Montessori-Pädagogik an ihrer Schule und Michael Pfeiffer vom Institut für Schulentwicklungsforschung referierte im Rahmen seiner Lehrerausbildungsgänge über Defizite und Belastungsmomente in der Lehrerarbeit sowie über die Rolle des Lehrers bei der Entwicklung von Lernkultur. Der intensive Seminartag wurde am Abend abgerundet durch den Spielfilm „Dangerous Minds“, der den Lehreralltag an einer amerikanischen Schule Mitte der 90er Jahre zum Thema hat.
Die gerade in den schwarz-gelb regierten Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen eingeleiteten Reformprozesse müssen allerdings an der Basis, also von Schulleitungen, Lehrern, Schülern und Eltern produktiv umgesetzt werden. Erst dann zeigt sich, dass Pisa revidierbar ist.

Klaus Füßmann, Leiter Veranstaltungsprogramm der THA

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