Terrorismus der 70er Jahre - Thema in der Theodor-Heuss-Akademie
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| Prof. Dr. Michael Walther, Kriminologe an der Universität Köln (Mitte) |
Drang zur Skandalisierung
Frank ging in Vortrag und Diskussion nicht gerade zimperlich mit seiner eigenen Zunft der Medienmacher um: Nicht nur in den Boulevardmedien sei „ein Drang zur Skandalisierung“ zu verzeichnen. Die genannten „großen Menschheitsthemen“ stießen in den Medien selbstverständlich auf entsprechende Resonanz. Es sei natürlich zu erwarten gewesen, dass über
„30 Jahre Deutscher Herbst“ ausführlich berichtet werde. Diese Art von „Jubiläen“ würde sich jedoch immer früher in den Medien wieder finden. Keiner wolle der letzte sein. Der schreckliche Auftakt zum Deutschen Herbst begann schon im April 1977, als General¬bundes¬anwalt Siegfried Buback und seine beiden Fahrer ermordet wurden.
Jetzt, im April 2007, sieht es so aus, als müsste der Fall noch einmal neu aufgerollt werden. Angeblich hatte der als Terrorist und Mörder einsitzende Christian Klar nicht den Finger am Abzug der Tatwaffe. Michael Buback, Sohn des damaligen Generalbundesanwalts, schaltet sich einmal mehr ein und fordert nun völlig überraschend die Begnadigung Klars.
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| Spiegel-Titel im April 2007 |
Starke Polarisierung der öffentlichen Meinung
In der Debatte um „Gnade für Klar“ oder „Absitzen der gesamten Strafe“ zeige sich, so Frank, die stärker gewordene Polarisierung der Gesellschaft. Noch im November 2006 seien laut SPIEGEL 45 Prozent der Bevölkerung für eine Begnadigung gewesen. Im Frühjahr sprachen sich 71 Prozent dagegen aus. Kurz zuvor berichteten die Medien darüber, dass Christian Klar eine Grußbotschaft in der mittlerweile antiquiert wirkenden, verquasten RAF-Anti-Kapitalismus-Sprache an einen Kongress der extremen Linken in Berlin richtete. Auch eher besonnene Vertreter, wie der ehem. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse wandten sich nun scharf gegen eine Begnadigung Klars durch den Bundespräsidenten.
Der stellv. Chefredakteur des Kölner Stadtanzeigers wies auf die Debatte Ende der 80er Jahre um die Begnadigung der Terroristen Peter-Jürgen Boock und Angelika Speitel hin. Diese sei „damals völlig selbstverständlich“ gewesen und klar verknüpft mit Reue und persönlicher Aussöhnung. Heute sei dies völlig anders. Den Zeitungen komme die Aufgabe zu, die breite gesellschaftliche Debatte wiederzugeben. Sie seien die „moderne Agora“ und hätten die Pflicht, nachzufragen und zu erklären. Talk-Shows könnten dies nicht leisten.
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