Ex-Jugoslawien und seine europäische Perspektive
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| Bosnisch-slowenische Freundschaft beim Politisch-Kulturellen Wochenende Westbalkan |
„Es geht um die Menschen!“ – diese Feststellung einer Teilnehmerin am „Politisch-Kulturellen Wochenende: Der Westbalkan (Ex-Jugoslawien) und seine europäische Perspektive“ gibt Inhalte und Atmosphäre des Seminars an der Theodor-Heuss-Akademie (THA) der Friedrich-Naumann-Stiftung in Gummersbach wie kaum eine andere Äußerung wider. Die Veranstaltung wurde moderiert vom Referenten für das Veranstaltungsprogramm der THA, Jochen Leyhe, und Dr. Katarina Popovic von der Universität Belgrad. Diese Konstellation machte bereits deutlich, worum es geht: Sehr unterschiedlich geprägte Sichtweisen kennen und verstehen zu lernen und um den Versuch, einen gemeinsamen europäischen Standpunkt einzunehmen.
Der Unterstützung durch das Auswärtige Amt ist es zu verdanken, dass über 30 Teilnehmer nicht nur aus Deutschland, sondern auch den jugoslawischen Nachfolgestaaten Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien-Herzegowina und Mazedonien eine aktuelle Bestandsaufnahme der Lage auf dem Balkan vornahmen und einen Blick in die Zukunft dieser spannungsreichen Region wagten.
Hitzige Debatten
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| Vom Vielvölkerstaat zu vielen Völkern und Staaten |
Wie nicht anders zu erwarten vor dem Hintergrund der jüngeren Geschichte blutiger „Bürgerkriege“, trafen nicht nur gegensätzliche Meinungen, sondern auch Emotionen und persönliche Betroffenheit aufeinander, die zu teilweise spannungsgeladenen Wortgefechten führten. Bereits am einführenden Beitrag „Krieg und Frieden: Tito und seine Erben“ von Prof. Dr. Dr. h.c. Wolf Oschlies, einem
der Südosteuropa-Kenner in Deutschland, schieden sich die Geister. Lebhafter Zustimmung zu seiner Deutung historischer Fakten stand scharfe Kritik („Jugo-Nostalgie“) gegenüber. Weniger polarisierend, aber nicht minder spannend waren die Beiträge von Referenten aus den verschiedenen Nachfolgestaaten Ex-Jugoslawiens. Das Podiumsgespräch „Brüche und Brücken: Menschen in Ex-Jugoslawien“ machte deutlich, dass hinter jedem entscheidenden politischen Ereignis eine persönliche Geschichte steht und es immer auch sehr persönliche Wahrheiten gibt.
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| THA-Referent Jochen Leyhe (2.v.l.) mit Seminarteilnehmern aus Serbien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina |
Emina Devic, Referentin aus Bosnien-Herzegowina, würzte ihren Beitrag mit einem Witz, der zurzeit in Sarajevo die Runde macht. In Anspielung auf außergewöhnliche kulturelle und sportliche Leistungen der jüngsten oder längst zurückliegenden Vergangenheit in ihrem Land wird die aufgrund der aktuellen kritischen Lage in weiter Ferne erscheinende EU-Beitrittsperspektive ironisch betrachtet: „Was sind die drei Kriterien für den Beitritt zukünftiger EU-Mitglieder? Die Austragung Olympischer Spiele, der Oscar und der Goldene Bär der Berlinale!“. Kriterien, die in Europa allein Bosnien-Herzegowina erfüllt.