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Faszination Indien

Dr. Hans Georg Wieck, Deutscher Botschafter in Indien 1990-1993
Amit Dasgupta, Gesandter der Botschaft der Republik Indien
Obwohl beide Referenten über die langen und guten Beziehungen zwischen Deutschland und Indien berichteten, äußerte Amit Dasgupta die Befürchtung, dass diese in Zukunft an Bedeutung verlieren könnten. Vor diesem Hintergrund empfahl der indische Gesandte den deutschen Unternehmern sich mehr mit Indien zu beschäftigen. Dr. Wieck hielt dem entgegen, dass Deutschland noch immer einer der bedeutendsten Handelspartner Indiens ist und deutsche Unternehmen seit Jahrzehnten in Indien ansässig sind und auch weiter investieren.

Der Unternehmensberater Dr. Johannes Wamser griff Dasguptas Aufforderung auf und legte anschaulich dar, wie deutsche Unternehmer dazu neigen, den indischen Markt zu unterschätzen. Laut Dr. Wamser tragen hierzu auch reine Äußerlichkeiten bei, wie er häufig in Indien beobachten konnte.
Unternehmensberater Dr. Johannes Wamser über die neue Wirtschaftsmacht Indien
Demnach haben deutsche Manager häufig Probleme die Bedeutung ihrer indischen Gesprächspartner richtig einzuschätzen da indische Unternehmer nicht immer den „optischen deutschen Normen“ entsprechen. So lassen sich die deutschen Besucher häufig vom sehr schlichten Äußeren indischer Unternehmer dazu verleiten indische Produkte oder Dienstleistung gering zu schätzen. Wie stark die indische Wirtschaft tatsächlich bereits ist, zeigte er am Beispiel von fünf indischen Kleinwagenmodellen, die schon heute auf Deutschlands Strassen fahren; allerdings unter dem Label japanischer und koreanischer Autofirmen.

Filmemacherin Dorothee Wenner referiert über den indischen Film
Einen sowohl kommerziellen als auch künstlerischen Aspekt beleuchtete die Journalistin, Autorin und Filmemacherin Dorothee Wenner. Frau Wenner gab einen Überblick über die indische Filmindustrie, die sich mittlerweile zur größten der Welt entwickelt hat. Anhand von exemplarischen Ausschnitten konnten die Teilnehmer erkennen, wie der indische Film sowohl die Gesellschaft als auch die Sehnsüchte vieler Menschen in Indien reflektiert. Daneben war zu erkennen, wie der indische Film sich über die Jahrzehnte veränderte und jeweils die vorherrschenden gesellschaftlichen Wertvorstellungen widerspiegelt.

Mit dem entwicklungspolitischen Aspekt Indiens befasste sich Siegfried Herzog, der selbst viele Jahre in Südasien für die Stiftung tätig war und heute noch für den Bereich Asien zuständig ist. In seinem Vortrag „Marktwirtschaft von unten“ widerlegte er den populären Mythos wonach die Armen die Verlierer der Globalisierung seien. Anhand zahlreicher konkreter Beispiele und den Ergebnissen wissenschaftlicher Untersuchung machte er deutlich, wer wirklich den Wohlstand für Arme verhindert. Herr Herzog legte dar, wie über Jahrzehnte die Eingriffe des indischen Staats die wirtschaftliche Betätigung vieler Inder eingeschränkt hatte und damit wesentlich zur Armut in Indien beigetragen hat. Erst mit der 1991 eingesetzten Wirtschafts- und Handelsliberalisierung bekamen viele Inder die Möglichkeit, ihre Lebenssituation zu verbessern und den heute augenfälligen Wohlstand zu schaffen.
In einem weiteren Vortrag stellte Siegfried Herzog die Arbeit der Stiftung in Südasien vor und erläuterte unter anderem die Hintergründe der Stiftungsarbeit mit den Exiltibetern. Als Folge dieser Arbeit könnten die hierfür entwickelten und auf Gewaltfreiheit basierenden Konzepte zur Lösung von Autonomie- oder Minderheitenkonflikten auch in anderen Regionen der Welt angewandt werden.

Jaya Gupta und Jana Tipp zeigten klassische indische Tänze
Den Abschlussvortrag hielt Prof. Dirk Bronger, der die Teilnehmer in die Welt des indischen Kastensystems führte. Unterlegt von Bildern, die die Mitglieder der jeweils vorgestellte Kaste in ihrem typischen Lebens- und Arbeitsumfeld zeigten, vermittelte Prof. Bronger einen Einblick in dieses seit Jahrtausenden existierende Gesellschaftssystem. Interessant war zu erfahren, dass von der Industrialisierung Indiens speziell die Mitglieder unterer Kasten profitieren, da gerade ihnen die modernen Industriearbeitsplätze offen stehen.

Besonders anschaulich war der Programmpunkt am Samstagabend, als die Tänzerinnen Sundana Jaya Gupta und Jana Tipp klassische indische Tänze vorführten und kommentierten. Hierbei faszinierte das Publikum neben der künstlerischen Leistung auch die eindrucksvolle traditionelle Bekleidung der beiden Tänzerinnen. Abgerundet wurde diese Veranstaltung durch landestypische Speisen, die während des Wochenendes von der Küche der Akademie serviert wurden.

Wolfgang Müller
Referent Theodor-Heuss-Akademie

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