Spätestens seit den niederschmetternden Ergebnissen der PISA-Studien dürfte aber allen Beteiligten klar geworden sein, dass jahrelang eine gleichmacherische Fehlentwicklung hingenommen wurde, die auch mit dem Ausblenden privater Organisationsformen im Schulwesen zu tun hat.
„Run auf die Privatschulen“ titelte Focus-Online im Februar angesichts des Wunsches von einem Viertel aller schulpflichtigen Eltern nach einem Platz in einer allgemein bildenden Privatschule, wo Unterrichtsausfall ein Fremdwort und das Lernumfeld in jeder Hinsicht gepflegter und damit leistungsfreundlicher ist. Im Moment gibt es übrigens nur etwa sechs Prozent freie Schulträger, überwiegend kirchlicher Provenienz, im allgemein bildenden Bereich. Auch der Südwesthörfunk war von der Aktualität des Themas erfasst und meldete sich im Vorfeld der Veranstaltung beim Tagungsleiter in der Akademie, um mit ihm am zweiten Seminartag ein Radio-Interview durchzuführen, das noch am gleichen Nachmittag ausgestrahlt wurde.
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| Grußwort des VDP-Präsidenten Peter Susat |
In seinem pointierten Eröffnungsvortrag skizzierte Axel Hoffmann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung, die Umrisse eines freiheitlichen, vielfältigen Bildungswesens und schlussfolgerte: „Gerade weil Privatschulen so vielfältig sind und sein können, sind sie für mich auch ein Maßstab von persönlicher Freiheit und - was ich hier ausdrücklich mit einbeziehen möchte: - von persönlicher Verantwortung.“
Der zweite Tag bestätigte diese Devise eindrucksvoll. In Vorträgen und Arbeitskreisen wurden vor allem zwei Themenkreise von Schulen in freier Trägerschaft beleuchtet: der finanzielle und rechtliche Rahmen sowie die kreativen, am individuellen Lernen orientierten Pädagogiken. Zum ersten Themenkomplex gab Rechtsanwalt Martin Strässer aus Chemnitz, einer der ganz wenigen juristischen Experten auf dem Gebiet des Privatschulrechts, zahlreiche Hinweise aus seiner Beratungspraxis. Das Recht auf Gründung von Privatschulen sei zwar – gebunden an ein adäquates Leistungsniveau, an ausreichende Lehrerbezahlung und an eine Schülerauswahl unabhängig von den Besitzverhältnissen der Eltern - grundgesetzlich (Art. 7) garantiert. Aber die zögerliche Genehmigungspraxis in den verschiedenen Bundesländern zeigt immer wieder, dass diesem Wettbewerber, der zurecht auf Gleichwertigkeit statt auf Gleichartigkeit abhebt, gerade in der Gründungsphase erhebliche Hindernisse in den Weg gelegt werden. Strässer stufte übrigens die Kosten für einen Gymnasiasten an einer staatlichen Schule bei 7.000 € pro Jahr ein. Überhaupt zeigte die Tagung, wie wichtig es ist, Kostentransparenz ins Bildungswesen zu bringen, um nicht nur wirtschaftliche sondern auch pädagogische Ressourcen besser nutzen zu können.
| Gesprächskreis-Präsentation zur vorschulischen Erziehung |
Am letzten Seminartag gab Bernhard Marohn, Pressesprecher des Bundesverbandes Deutscher Privatschulen, unter dem Titel „Statistik-Service-Projekte“ Einblick in die eigene Verbandsarbeit und wartete mit interessanten Informationen zum „Gründergeist“ in den neuen Bundesländern nach der Wende 1989/90 sowie zur Situation in den (privatschulfreundlichen) Nachbarländern auf. Zum Schluss der Tagung gab Ralf Witzel MdL, bildungspolitischer Sprecher der nordrhein-westfälischen FDP-Landtagfraktion, mit der Darlegung eines im Landtag gestarteten Antrags „Privatschuloffensive für NRW“ den Impuls für eine konstruktive Abschlussdiskussion. Auf seine Frage hin, ob man angesichts der zurückgehenden Schülerzahlen nicht vor der Schließung stehende staatliche Schulen in private umwandeln solle, zeigten sich Vertreter des Privatschulverbandes reserviert. Man befürchtet eine Einengung rechtlicher, pädagogischer und personeller Vorzüge und Freiräume freier Trägermodelle und präferiert daher eher die Neugründung als die Übernahme.
Die Tagung bewies, wie wichtig es im Schulbereich ist, Fragen der effizienten Methodik und Didaktik mit Aspekten der Schulorganisation und der Personalrekrutierung sowie der Kosten und der Wirtschaftlichkeit zu verbinden. Wenn Bildung die soziale Frage des 21. Jahrhunderts ist, dann muss jetzt ein fairer Leistungswettbewerb um die besten Bildungschancen und Bildungserfolge in Deutschland beginnen. Dazu gehört auch ein größerer Bildungsenthusiasmus in unserer Gesellschaft, der den Beruf und die gesellschaftliche Stellung des Pädagogen wieder aufwertet. Die Theodor-Heuss-Akademie wird die Privatschul-Thematik im nächsten Jahr mit einer Fachtagung zu den pädagogischen Konzepten an Schulen in freier Trägerschaft fortsetzten.
Von Klaus Füßmann, Leiter des Veranstaltungsprogramms der Theodor-Heuss-Akademie
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