Vor diesem Hintergrund organisierte die Friedrich-Naumann-Stiftung, in Zusammenarbeit mit dem Bund Freiheit der Wissenschaft, die Veranstaltung „Kyoto - Klimaprognosen –
Aussagekraft der Modelle und Handlungsstrategien“. Ziel der Veranstaltung war die ideologiefreie Auseinadersetzung mit den Fakten des Klimas und der Klimaforschung.
Die 1997 in Kyoto vereinbarte Klimaschutzordnung, das sogenannte Kyoto-Protokoll, wurde bindend, als mindestens 55 Prozent aller Kyoto-Beteiligten, die mindestens 55 Prozent der Gesamtemissionen von 1990 abdecken, diese Vereinbarung ratifiziert hatten. Beide Bedingungen wurden erst 2004 mit dem Beitritt Rußlands erfüllt. 141 Teilnehmerländer verpflichten sich, ihren Kohlendioxidausstoß bis spätestens 2012 auf ein Niveau zu reduzieren, das um 5,2% Prozent unter dem von 1990 liegt.
Um das Ziel zu erreichen, haben die Länder neben der Reduzierung ihrer eigenen Emissionen weitere Möglichkeiten: Sie können weltweit mit Emissionsrechten handeln, umweltfreundliche Technologien entwickeln und weitergeben oder geeignete Maßnahmen in Entwicklungsländern umsetzen.
Das Kyotoprotokoll ist umstritten. Einerseits gibt es die unbedingten Befürworter des Klimaschutzabkommens, die durch das IPCC (Intergovernmental Panel of Climate Change) repräsentiert werden, die den Klimawandel für einen vom Menschen gemachten halten und entsprechend davon ausgehen, daß eine Veränderung des menschlichen Handelns die Klimaveränderungen mit den befürchteten katastrophalen Folgen aufhalten kann.
Von anderen wird jedoch der menschliche Einfluß für unbedeutend gehalten oder sogar vollständig geleugnet. Sie vertreten die Ansicht, daß ganz andere, natürliche Ursachen wie z. B. die sich verändernden Sonnenaktivitäten, verantwortlich für einen wie auch immer gearteten Wandel unseres Klimas sind.
Die Medien neigen dazu, beide Seiten umsatzfördernd zu vermarkten, auch die Politik scheint sich die weit verbreitete Panikstimmung zunutze zu machen.
Der interessierte Laie hat es schwer, aus der Vielzahl der veröffentlichten Meinungen und Glaubensrichtungen sein eigenes Urteil zu bilden. Die Nachrichten sind oft verwirrend und widersprüchlich.
Die vom Bund Freiheit der Wissenschaft und der Friedrich-Naumann-Stiftung veranstaltete Tagung hatte das Ziel, Experten zu Wort kommen zu lassen, die durch eine auch für Laien verständliche Erklärung ihrer Forschungsergebnisse zur Versachlichung der Diskussion beitragen sollten. Kontroversen in diesem durchaus komplexen Bereich sollten erkenntnisfördernd ausgetragen werden können.
Hier wird zunächst über sechs der Vorträge berichtet.
Umweltpolitik neu denken!
Michael Miersch, Publizist, München
| Michael Miersch |
Die ökologischen Herausforderungen stellt er jedoch keineswegs in Frage, er forderte auch nicht, nichts mehr zu tun, sondern das Richtige, befreit vom Ballast des Halbwissens, des moralischen Anspruchs, des Gutmenschentums, der Ideologie.
Die schweigende Stimme der Wissenschaft – Ergebnisse von Umfragen unter Klimaforschern
Professor Dr. Dennis Bray, Institut für Küstenforschung, GKSS Forschungszentrum, Geesthacht
![]() |
| Prof. Dr. Dennis Bray |
Die Überzeugung, daß der Klimawandel auf anthropogenen Einfluß zurückzuführen ist, scheint in den vergangenen Jahren gewachsen zu sein, auch der Glaube daran, daß die Menschheit durch Einhaltung der in Kyoto beschlossenen Klimaschutzmaßnahmen eine weitere Beschleunigung verhindern kann, obwohl immerhin 25% der Befragten noch Zweifel am menschlichen Einfluß auf die Klimaveränderungen haben. Die faktische Beweislage scheint sich nicht geändert zu haben, doch akzeptiert die Mehrheit der Wissenschaftler die Theorie vom anthropogenen Treibhauseffekt und fordert trotz vorhandener Zweifel ein Gegensteuern. Professor Bray wies in seinem Vortrag darauf hin, daß die von den Medien verbreitete Panikmache eine Gefühlssache ist und nicht im Sinne der Mehrheit der Klimaforscher.
Die Nachhaltigkeit der Klimaforschung
Professor Dr. Hans von Storch, Institut für Küstenforschung, GKSS Forschungszentrum, Geesthacht
| Prof. Dr. Hans von Storch |
Er verwies auf eine Untersuchung des Bundesbildungsministeriums, die bestehende Differenzen in der wissenschaftlichen Beurteilung zwischen Klimaforschern aufdecken sollte. Ergebnis: die Differenzen sind minimal. Professor von Storch ist wie die Mehrheit der Forscher der Überzeugung, daß die auf seine Berechnungen zurückgehende notwendige Korrektur der berühmten Hockey-Schläger-Kurve - gemeint ist die Temperaturkurve der letzten Jahrtausende, die eine relativ gleichbleibende Temperatur mit einer gewissen Schwankungsbreite zeigt und dann mit Beginn der Industrialisierung einen steilen Anstieg in der Form eines liegenden Hockeyschlägers - in Bezug auf starke Temperaturschwankungen der Vergangenheit nicht ihre Kernaussage widerlegt, nämlich die, daß wir es zur Zeit mit einer außergewöhnlichen globalen Erwärmung zu tun haben, die sich weiter verstärken wird, wenn für den Klimaschutz nicht Entscheidendes getan wird.
Vergleich von Klimaarchiven der letzten Jahrtausende
Professor Dr. Augusto Mangini, Heidelberger Akademie der Wissenschaften
| Prof. Dr. Augusto Mangini |
Klima und Wald – Perspektiven für die Zukunft
Professor Dr. Peter Fabian, Lehrstuhl für Ökoklimatologie, TU München
| Professor Dr. Peter Fabian |
Economics and Climate Change
Vortrag in englischer Sprache mit Übersetzung
PD Julian Morris, University of Buckingham, Großbritannien
| PD Julian Morris |
![]() |
| Effekt der Emissionsreduzierung bis 2012 (Grafik IPCC) |
Auf der Tagung wurden weitere Vorträge gehalten. Professor Nico Stehr, Ph.D. F.R.S.C., Zeppelin University, Friedrichshafen, sprach über das Thema „Die gesellschaftliche Kontrolle neuer Erkenntnisse“. Zum Thema „Wie soll Umweltpolitik in Zukunft gestaltet werden?“ fand ein Gespräch nach einem Referat von Hans-Heinrich Sander, Umweltminister Niedersachsen, statt. „Zur Physik und Mathematik globaler Klimamodelle“ referierte Professor Dr. Gerhard Gerlich, Institut für Mathematische Physik, TU Braunschweig.
Hier nun eine vorläufige Beurteilung der Tagung aus der Sicht der Veranstalter, die persönliche Eindrücke aus der Vorbereitung und die vielfältigen Meinungen aus den Diskussionen und Gesprächen am Rande so weit wie möglich einschließt:
* In der Vergangenheit konnte auch beobachtet werden, daß Klimaforscher nicht widersprechen, wenn aufgrund ihrer fachlich richtigen, aber anscheinend verschieden interpretierbaren Formulierung eine Katastrophenstimmung verbreitet wird, die jeder sachlichen Grundlage entbehrt.
* Ursachen und Wirkungen eines Klimawandels werden auch von den Fachleuten noch nicht vollständig durchschaut. Langfristige Vorhersagen sind kaum möglich, weil vorhandene Klimamodelle nur auf der Grundlage der eingegebenen Daten rechnen können.
* Das IPCC scheint an der erwähnten Hockey-Schläger-Kurve in ihrer ursprünglichen Form festzuhalten und sich neuen Erkenntnissen zu verweigern, die an der Notwendigkeit der rigorosen Einhaltung des Klimaschutzabkommens Zweifel aufkommen lassen.
* Neben der „gemäßigten schweigenden Mehrheit“ der Klimaforscher gibt es zwei Fronten: einerseits das IPCC mit der angeblich gesicherten Mehrheitsmeinung und Katastrophen heraufbeschwörende Medien und andererseits diejenigen, die dem menschlichen Einfluß auf das Klima jegliche Bedeutung absprechen. Klimaforscher, die an diesen Positionen Zweifel äußern, geraten zwischen die Mühlsteine.
* Unter den sogenannten Klimaskeptikern gibt es Vertreter, die mit Suggestion und Polemik bis hin zur Beleidigung arbeiten. Sie erweisen damit der Sache keinen Dienst, sondern bewirken das Gegenteil.
* Umweltschutzmaßnahmen wie z. B. Emissionsreduzierung, sparsamer Verbrauch der natürlichen Ressourcen, Energieeinsparung durch verbesserte Technologie usw. sind unter Beachtung ökonomischer Gesichtspunkte sinnvoll einzusetzen, sie sind jedoch bezogen auf das gesamte, auch aus natürlichen Kreisläufen stammende Emissionsvolumen wenig effektiv und zur Zeit noch teurer als gezielte Bekämpfung unmittelbar entstehender Gefahren (s.o.).
* Jedem politischen Anspruch, der aus ideologischen Gründen den Klimaschutz dazu benutzt, ganz andere Ziele zu erreichen, muß entschieden entgegengewirkt werden. Klimawissenschaftler müssen sich - wie alle Wissenschaftler - ideologisch begründeter Auftragsforschung widersetzen.
* Klimaforscher müssen Bürger und Entscheidungsträger sachlich und umfassend über das überaus komplexe Thema Klima und Klimaschutzmaßnahmen informieren, sie selbst sollten sich aus den politischen Entscheidungen jedoch heraushalten.
Dr. Brigitte Pötter, Wolfgang Müller
|





