spanisch
englisch
Welche Zukunft hat das Ruhrgebiet?

Die Abwanderung aus dem Ruhrgebiet hat gravierende Folgen für alle Bereiche der Stadtentwicklung und erfordert neue kommunalpolitische Gestaltung.

Am 21. Juli führte die Theodor-Heuss-Akademie im Rahmen ihres NRW-Flächenprogrammes eine Abendveranstaltung in Essen zur Wettbewerbsfähigkeit der Ruhrgebietsstädte angesichts des absehbaren dramatischen demografischen Wandels durch.

Unter dem Titel „Der ´Tanker Ruhrgebiet` in Seenot?“ diskutierten Prof. Klaus Kost vom Lehrstuhl für Geografie an der Ruhr-Universität Bochum, Rolf Pangels von der Bundesarbeitsgemeinschaft der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels und Dr. Thomas Geer, Oberbürgermeisterkandidat der Essener FDP.

Moderator Andreas Peppel führte mit einigen Schaubildern zur demografischen Entwicklung in den Abend ein und dokumentierte sowohl die beträchtliche Abwanderung aus dem Ruhrgebiet wie auch die absehbare Erhöhung des Anteils älterer deutscher bzw. jüngerer ausländischer Bewohner im Ruhrgebiet.

Dies hat gravierende Folgen für alle Bereiche der Stadtentwicklung und erfordert neue Prozeduren der kommunalpolitischen Gestaltung und Lenkung. Darauf hob insbesondere Dr. Thomas Geer ab, der am Beispiel Kultur deutlich machte, dass es einer strategischen Stadtpolitik mit systematischen Oberzielen und Leitbildern bedarf, in die dann die einzelnen Projekte (mit unterschiedlichen Entscheidungsträgern bzw. Partnern) eingefügt werden. Zur Erhöhung der Attraktivität der Stadt habe zum Beispiel der Essener Rat die Philharmonie beschlossen, mit den benachbarten Städten ist die „Kulturhauptstadt“-Initiative gestartet worden und mit dem Land NRW die Ruhr-Triennale. Drei Projekte, drei Wege.

Rolf Pangels gab aus Sicht des Einzelhandels offen zu, dass das Ruhrgebiet mit Blick auf die Kennziffern (Bevölkerungsentwicklung, Kaufkraft, Einzugsgebiet etc.) eine Problemregion ist. Man müsse mit Blick auf die Veralterung der Region möglicherweise ganz neue Wege gehen, zukünftig eher serviceorientierte Experimente wie etwa Alten-Wohnparks mit angehängten Einkaufsmöglichkeiten wagen.

Prof. Kost betonte, dass der demografische Wandel nicht nur Risiken berge, sondern (im Sinne Schumpeters) auch Chancen „kreativer Vernichtung“ eröffne – insbesondere in puncto Wohnumfeldverbesserung durch planvollen Abriss. Er vermisste aber die Bündelung der administrativen, ökonomischen und politischen Potentiale („Ruhrstadt“-Diskussion) und forderte etwa eine echte „Ruhr-Universität“ als Leuchtturm der Bildung und Forschung an der Ruhr.

Man war sich auf dem Podium und im Publikum einig, dass das Ruhrgebiet auf jeden Fall eine bessere Imagewerbung nach außen brauche. Viele Menschen fernab der Region haben halt immer noch das Schmuddel-Bild zwischen Zeche und Schimanski im Kopf. Und das bei einem 5 Millionen-Einwohnerraum mit der Power!


Druckversion dieses Artikels    diesen Artikel versenden

Rechtliche Hinweise | Impressum