"Die Einschläge kommen näher", bekannte er mit Verweis auf den wenige Tage zuvor verhinderten Kindestod in der Nachbarstadt Duisburg. "Viele Mitarbeiter gehen mit einem unguten Gefühl nach Haus."
Früher habe hinter den 100 jährlichen Meldungen in Sachen Kindesgefährdung ein ums andere Mal das Anschwärzen von Nachbarn als Beweggrund gestanden. Heute sind bei den jährlich etwa 300 Meldungen viele prekäre soziale Problemlagen vorhanden, die häufig exzessiven Alkohol- und Drogenkonsum als Hintergrund haben und in 10 Prozent der Fälle vor dem Jugendgericht landen.
Das im letzten Jahr durch eine Studie der Ebert-Stiftung ins öffentliche Bewußtsein geratene "abgehängte Prekariat" gibt es auch in Oberhausen: Menschen, die ihr Leben nicht in den Griff bekommen, sich in der Daueralimentierung eingerichtet haben und angesichts ihrer spärlichen geistigen Fähigkeiten auch nicht die Erziehungaufgaben gegenüber ihren Kindern wahrnehmen wollen und können. Häufig fiele dies gar nicht auf Anhieb auf, weil dieser Personenkreis - zumal mit Drogenhintergrund - bei Vorstellungsterminen mit Kindern in der städtischen Verwaltung in der Lage wäre, ordentliche Familie vorzugeben. "Auf Familie machen" als (Über-) Lebensprinzip mit dem dauerhaften Bezug von Transferleistungen resultiert übrigens meistens aus der Erfahrung von familiär tradierten Sozialhilfe-Karrieren und frustrierenden Arbeitsmarkterlebnissen.
Die Stadt Oberhausen versucht, prekäre Familienverhältnisse mit einem Bündel von Maßnahmen zu steuern bzw. zu minimieren. Etwa 27 Millionen € werden jährlich für die erzieherische Jugendhilfe aufgewandt (stationär 18 Mio, ambulant 9 Mio); eine Heimunterbringung kostet immerhin täglich 150-200 €. Sozialpädagogische Erziehungshilfe beinhaltet dabei auch praktische Haushaltsberatung, um die Lebenstüchtigkeit in den einfachen organisatorischen Fragen des Alltags zu fördern.
Genauso wichtig sind aber präventive Maßnahmen, zu denen an erster Stelle die Qualifizierung des betreuenden und kontrollierenden Personals sowie die Entwicklung von Fachstandards gehören. Im Rahmen des erfolgreichen Projektes "Kinder im Mittelpunkt" (KIM) werden die Eltern von Neugeborenen von städtischen Bediensteten besucht und nach einem den Ampelfunktionen (rot = mögliche Gefährdung) entnommenen System eingestuft. Die Trefferquote sei hier sehr hoch.
Die anschließende Diskussion vertiefte einzelne Gesichtspunkte und mündete in den Appell zu mehr Werteorientierung und Wachsamkeit. Letztendlich dürfte aber auch bei diesem Thema das Verhältnis von "Fördern und: Fordern" ausschlaggebend sein. Daueralimentierung ist weder praktisch, noch moralisch die Lösung, schon gar nicht "sozial".
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