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Wirtschaftsfreiheit: Deutschland rutscht weiter ab

Wolfgang Gerhardt
„Deutschland verlässt immer mehr den Weg der Marktwirtschaft. Es wird nicht besser, es wird schlechter. Auf lange Sicht kann dies die soziale und ökonomische Entwicklung unseres Landes stark beeinträchtigen.“ Dies sagte der Vorsitzende der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Wolfgang Gerhardt, anlässlich der heutigen Vorstellung des neuen Reports Economic Freedom of the World 2007.

„Zurzeit ruht man sich auf den Lorbeeren des weltweiten Wirtschaftsaufschwungs aus. Es ist aber bezeichnend, dass auch hier Deutschland wesentlich geringere Zuwachsraten hat als andere vergleichbare Industrieländer“, betonte Gerhardt. „Durch einen Mangel an Marktwirtschaft und Wirtschaftsfreiheit entgehen uns enorme Wachstumspotentiale. Es darf keinen weiteren Reformstillstand mehr geben!“

Deutschlands Entwicklung: Von Platz 9 auf Platz 18

In Sachen wirtschaftlicher Freiheit ist Deutschland eher Mittelmaß, wie die diesjährige Studie belegt. Deutschland, das 1980 noch auf Platz 9 lag, rangiert heute nur noch auf Platz 18 (Vorjahr Platz 17), was den Freiheitsgrad der Marktwirtschaft angeht. In Hongkong, Singapur, Neuseeland, der Schweiz, den USA, Großbritannien, Kanada, Estland, Irland, Australien, Finnland, Luxemburg, Island, Chile, Dänemark, den Niederlanden und den Vereinigten Emiraten verfügen die Bürger über mehr wirtschaftliche Freiheit. „Was die Wirtschaftsfreiheit angeht, so stagniert das Land“, urteilt Detmar Doering, Leiter des Liberalen Instituts der Stiftung für die Freiheit. „Dabei basiert der diesjährige Report noch auf den Daten des Jahres 2005. Die eindeutigen wirtschaftspolitischen Verschlechterungen des letzten Jahres sind dabei noch nicht einmal erfasst!“

Daten von 52 Instituten aus 141 Ländern

Detmar Doering
Der Jahres-Report der Studie Economic Freedom of the World 2007 untersucht jährlich den Grad an wirtschaftlicher Freiheit in 141 Ländern und bewertet diese vergleichend in einem Index. Sie wurde von Forschungsinstituten aus 52 Ländern entwickelt, die sich zu einem Economic Freedom Network zusammengeschlossen haben. Von deutscher Seite beteiligte sich das Liberale Institut der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit an dem Projekt.

Das Ziel der Studie ist es zu ermitteln, in welchem Maß die Bürger eines Landes die Freiheit haben, verschiedensten wirtschaftlichen Aktivitäten nachzugehen. Die Indizierung, die der Studie zugrunde liegt, basiert auf verschiedenen messbaren Bausteinen, u.a. in den Bereichen:

• Staatsquote und –transfers
• Marktwirtschaftliche Struktur
• Geldwert- und Preisstabilität
• Freiheit, fremde Währungen zu benutzen
• Rechtssicherheit und Eigentumsrechte
• Freier Außenhandel
• Freiheit von Finanz- und Kapitalmärkten
• Regulierung des Arbeitsmarktes

Die Studie legt bei der Analyse möglichst messbare Aspekte der verschiedenen Volkswirtschaften zugrunde. Darüber hinaus wird der Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Freiheit und Wachstum über einen längeren Zeitraum untersucht.

Freiheit = Wachstum = Wohlstand

Dabei belegt die Studie eindeutig, dass diejenigen Länder, in denen in den letzten Jahren die wirtschaftliche Freiheit zugenommen hat, auch höhere wirtschaftliche Wachstumsraten vorweisen können. Auch zeigt sich, dass in freien Wirtschaften die Einkommensunterschiede geringer sind als in unfreien. Lebenserwartung und Alphabetisierungsquote liegen in freien Ländern höher als in unfreien. Die Frage nach der wirtschaftlichen Freiheit ist also entscheidend für den „Wohlstand der Nationen“.

Deutschland Position in Sachen Wirtschaftsfreiheit gibt durchaus zu Sorge Anlass. Besorgniserregend sind vor allem der Transfersektor und die Steuerlast. Die Bewertung hat sich hier zwar gegenüber dem Jahr zuvor geringfügig verbessert, aber Deutschlands Steuerquote gehört immer noch zu den höchsten der Welt. In beiden Bereichen liegt Deutschland im unteren Fünftel der bemessenen Länder.

Ein gewisser Lichtblick bietet die Freiheit des Arbeitsmarktes. Hier hat Deutschland vor zwei Jahren begonnen, gegenüber anderen Ländern aufzuholen. „Dies hat zweifellos dazu beigetragen, dass sich zurzeit der Arbeitsmarkt in Deutschland erholt und immer mehr Menschen einen Arbeitsplatz finden“, stellt Wolfgang Gerhardt fest. „Aber trotzdem liegen wir hier mit Platz 124 im internationalen Vergleich weit im Hintertreffen. Welche Chancen könnten sich den Menschen eröffnen, wenn die Politik doch endlich den Mut zu weit reichenden Reformen fände!“

Die Studie (PDF, ca. 4 MB) finden Sie hier.

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