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Jena: Rede zur Freiheit von Freya Klier

Es beginnt für viele von ihnen ein Leidensweg. Und für viele endet er erst mit dem Zusammenbruch. Nicht so für Matthias Domaschk, der schon 1974 als 17-Jähriger zum Kreis der Jenaer Opposition gehörte. Domaschk kam bereits 1981 in der Untersuchungshaftanstalt der Staatsicherheit in Gera ums Leben, unter bis heute ungeklärten Umständen. „Die Staatssicherheit ordnet für die Eltern Kontaktsperre zu den Freunden ihres Sohnes an, eine zügige Trauerfeier im engsten Familienkreis mit anschließender Einäscherung. Das Begräbnis aber wird zu einer leidenschaftlichen Anklage jener mehr als hundert Freunde, die den Friedhof trotz Absperrungen erreichen.“

Wenn die Mehrheit der Ost-Berliner Schüler heute findet, es sei gut, „dass sich in der DDR der Staat um alle Bürger kümmerte, auch wenn dadurch der Einzelne weniger Freiheit hatte,“ dann schwingt ein Unterton mit, nachdem die DDR nur hie und da die eine oder andere Freiheit beschränkt hätte – die DDR aber brachte viele ihrer Gegner um. Diese klare und brutale Wahrheit rückte Freya Klier in ihrer Rede in den Mittelpunkt einer Vergangenheitsdiskussion, die immer mehr von Relativierung und Verharmlosung geprägt ist.

Wolfgang Gerhardt
Der – in Schulnoten ausgedrückt – ungenügende Stand des Wissens junger Menschen um das Leben in der DDR stand sodann im Mittelpunkt des Schlussworts von Wolfgang Gerhardt, Vorstandsvorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Nach seiner Auffassung liegt die Problematik aber tiefer. Nicht nur Unkenntnis über die DDR sei zu beklagen, viel mehr: Die Werte einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft seien erschreckend vielen Schülern weder bekannt noch bewusst – deshalb, zitierte Gerhardt den Forschungsleiter der Studie, „wissen sie gar nicht, was eine Diktatur ist.“ Sie sollten es authentisch nachlesen, empfahl Gerhardt und nannte die Quelle gleich dazu: „Das Ende der SED - Die letzten Tage des Zentralkomitees“ im Ch. Links Verlag. Die darin vorgelegten Texte geben den Verlauf der 9. bis 12. Tagung des ZK authentisch wieder, Diskussionen und Entscheidungen werden aus dem innersten Zirkel der Macht auf der Basis von Original-Tonbandmitschnitten ungekürzt und im vollen Wortlaut dokumentiert.

Besser noch als Bücherstudium: Das Gespräch mit Zeitzeugen
Der jüngeren Generation zu vermitteln, dass Freiheit auch heute täglich neu zu erstreiten ist, die Kategorien zu erkennen, die die Freiheit gefährden - das sei eine der wichtigsten Aufgabe der Lehrer, resümierte Gerhardt, aber nicht nur der Lehrer: Das Grundgesetz gestehe den Eltern das Recht zur Erziehung ihrer Kinder zu. "Und sie haben auch die Pflicht dazu", betonte er.

Boris Eichler
Online-Referent

Die Rede zur Freiheit von Freya Klier können Sie als Manuskript (PDF) hier herunterladen.

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