Konferenz in Berlin: Gleichberechtigter Partner Afrika?
1. Die Präsentation der afrikanischen Positionen zu den afrikanisch-europäischen BeziehungenModeration:
Johan van Hecke, MdEP
Alliance of Liberals and Democrats for Europe, Brussels
Botschafter
Hiruy Amanuel von der African Union, Direktor des Capacity Building Programme against Terrorism der Intergovernmental Authority on Development (ICPAT) in Äthiopien, sieht die Notwendigkeit, noch viele Defizite in den Beziehungen zwischen Afrika und Europa aufzuarbeiten. Er habe den Eindruck, dass Afrika in Europa und den USA noch als Außenseiter gesehen werde und die Bedingungen für Kooperation nicht gleich seien. Dies sei so z. B. im Falle des „Peacekeeping“. Die USA bestellten, Europa zahle und Afrika habe auszuführen, so sein Resümee. Auch sei es nicht der afrikanische Weg, das europäische Modell nachzuahmen. Das Ziel der Union sei klar und die meisten afrikanischen Staaten bewegten sich, noch unterschiedlich, in die richtige Richtung.
Audio (mp3): Hiruy Amanuel
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| Seepe, Amanuel, Hecke |
Afrika sei noch weit davon entfernt, als gleichberechtigt anerkannt zu werden. Der Wissenschaftler
Sipho Seepe, Direktor des Graduate Institute of Management and Technology aus Südafrika, argumentierte, selbst beim der G8-Gipfel in Heiligendamm hätten afrikanische Führer lange vor der Tür gestanden, bis sie endlich Gelegenheit zur gemeinsamen Diskussion mit der G 8 bekamen. Auch weise Oxfam zu recht auf die „missing billions“ hin, die Verpflichtungen der G8 seien nicht umgesetzt.
Trotzdem seien afrikanische Länder wie der bevölkerungsreichste Staat Nigeria auf Europa fokussiert, so der Nigerianer
Cyril I. Obi, der am Nordic Institute in Uppsala forscht. Er wies auf die soziale Konsequenz von Migration und „brain drain“ hin, die zwar eine Chance für den Einzelnen eröffne, aber für den afrikanischen Staat fatal sei. Das afrikanische Bildungssystem, wenn es gut arbeite, qualifiziere für europäischen Bedarf, da der private Sektor in Afrika bei weitem nicht alle Absolventen absorbieren könne. Hier sei der dringendste Ansatzpunkt für die Kooperation mit der EU, die sich in vielfältiger Weise engagieren sollte.
Audio (mp3): Cyril I. Obi
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| Obi, Ba |
Lamine Ba, früherer Minister für Internationale Kooperation des Senegal, wies auf liberale Grundsätze hin, die es gelte, in der Kooperation anzuwenden. Afrika müsse die wieder gewonnenen Freiheiten für einen eigenständigen selbstverantwortlichen Weg nutzen. Die bisherigen Abkommen mit der EU (Lomé, Stabex) seien gescheitert. Dies bedeute heute, flexible Mechanismen der Kooperation zu realisieren, die eine rasche Reaktion ermöglichten. So sei ein Hilfsplan, vergleichbar dem Marshallplan, bereitzustellen, der den Afrikanern bessere Start- und Lebenschancen bringe.
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| Seremane mit dem Botschafter Südafrikas, Moses Mabokela Chikane |
Joe Seremane, Vorsitzender der Democratic Alliance, der größten Oppositionspartei Südafrikas, zeigte bildhaft die Notwendigkeit der engen Kooperation Europas mit Afrika. Europäer und Afrikaner müssten sich selbst fragen, was sie zum gemeinsamen Projekt beitragen könnten. Das Projekt sei vergleichbar mit einem Vogel, der nur mit beiden Flügeln zu fliegen in der Lage sei.
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| Muleya, Boomgarden |
Dumisane Muleya, Herausgeber und Journalist des Zimbabwe Independent, sprach sicher für viele nicht nur der afrikanischen Teilnehmer, als er die jetzige Konferenz in historischen Zusammenhang mit der
Berliner Afrika-Konferenz von 1884/85 stellte. Damals war in der Berliner Reichskanzlei das
Objekt Afrika unter den vertretenen europäischen Kolonialmächten aufgeteilt und der Kongo zum Privatbesitz des belgischen Königs deklariert worden.
Im extremen Gegensatz zu damals gehe es heute darum, die gewandelte Rolle Afrikas zu erkennen und zu respektieren. Als eigenständiger Akteur und gleichberechtigter Partner vertrete Afrika seine ureigensten Interessen zum Wohle Afrikas und damit der Welt. Dies erfordere heute, die Grundlagen auch für eine zukunftsfähige afrikanische – europäische Partnerschaft zu legen und zu fördern, die Afrika und Europa in die Lage versetzten, diese neue Partnerschaft auch auszufüllen. Sei die Bereitschaft Europas, hierzu beizutragen, genuine? Oder zeige nicht die Protektionspolitik Europas, dass sie aus der Geschichte keine Lehren gezogen habe?